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Mönchengladbach
Die Demokratie-Krise damals und heute

Mönchengladbach. In ihrem Vortrag im Haus Erholung sprach Elke Seefried über die schwierige Lage der Weimarer Republik. Dabei stellte sie Vergleiche zur aktuellen politischen Situation her. Von Simone Krakau

Viele Vereinsmitglieder und auch interessierte Bürger besuchten am vergangenen Dienstag den Vortrag im Haus Erholung, der sich mit einem alten und nun auch ganz aktuellen Thema beschäftigte: Die Krise der Weimarer Republik und die möglichen Analogien zur Gegenwart. Denn auch zuletzt geriet die Problemlösungsfähigkeit der Demokratie in Zweifel, so Seefried. Betroffen sei dabei nicht nur Europa, sondern auch Deutschland selbst. Eine wachsende politische Polarisierung sei erkennbar. In der aktuellen Diskussion um eine "Krise" richte sich der Blick nun nach Jahren wieder verstärkt auf das Scheitern der Weimarer Demokratie.

Ihren Vortrag begann die Professorin zunächst mit einer Beleuchtung der Faktoren und Symptome der damaligen Demokratie-Krise. Zu den Faktoren, welche zur Zerstörung des Parlamentarismus und dann zur NS-Machtübernahme führten, gehörten die Macht der Sachprobleme sowie die sozioökonomische Situation mit der Inflation, der Weltwirtschaftskrise und der Massenarbeitslosigkeit sowie die Stärke der nationalen Rechten, so Seefried.

Im nächsten Schritt ergründete Seefried die Gemeinsamkeiten zur heutigen Lage. Auch wenn die aktuelle politische Situation Parallelen aufweise, sei die internationale Lage doch eine ganz andere: "Die Rahmenbedingungen sind gänzlich andere", betont Seefried. "Die Sachprobleme sind weniger dringlich." Deutschland sei im Gegensatz zu dem 1920er Jahren in ein vereinigtes Europa integriert. Die sozioökonomischen Bedingungen seien nicht vergleichbar mit jenen von damals. Trotzdem könne man die Finanzkrise von 2008 als Analogie zur Weltwirtschaftskrise sehen, sagt die Professorin. Auch die wachsende Polarisierung durch systemkritische Parteien wie die NPD und das Entstehen vom Bewegungen wie Pegida, zeigen erschreckende Ähnlichkeiten auf. Auch die wachsende politische Gewalt, die sich teils in rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Straftaten äußere, sei nicht zu vergessen. Dennoch, und das betonte die Rednerin deutlich, sei Europa weiterhin ein Ort der Freiheit und Sicherheit sowie der politischen Stabilität.

Derzeit agiert Seefriedals zweite stellvertretende Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und ist gleichzeitig als Professorin an der Universität Augsburg aktiv. Der Vortrag war der Vorletzte in dem Vortragswinter des Wissenschaflichen Vereins Mönchengladbach.

Quelle: RP
 
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