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Mönchengladbach
Die DNA von Gladbachs 44 Stadtteilen

Mönchengladbach. Eicken ist kreativ, Sasserath wertkonservativ, Wanlo wehrhaft. Um zu erfahren, welche Bedürfnisse die Menschen in den einzelnen Stadtteilen haben, muss man wissen, wie sie "ticken". Die Verwaltung hat eine Bestandsaufnahme gemacht. Von Gabi Peters

Mönchengladbach hat viele Gesichter. 44 statistische Stadtteile gibt es, und jeder ist anders: Eicken ist jung, dynamisch und kreativ in der Kunstszene. Sasserath ist ländlich, eher wertkonservativ und engagiert in der Dorfverschönerung. Wanlo ist durch seine Lage am Tagebaurand streitbar, durchsetzungsfähig und sehr aktiv. Jeder Stadtteil hat seine eigene DNA. Wie genau die aussieht, das ermitteln gerade Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Ihr Auftrag: die Erarbeitung eines integrierten Stadtteil- und Quartierskonzepts. "Menschen fühlen sich dort wohl, wo sie beheimatet sind, wo sie ihren Einkaufsladen haben, wo sie ihre Kinder in den Kindergarten bringen oder wo sie sich im Verein engagieren", sagt Sozialdezernentin Dörte Schall. Diese Bindung fördere auch die Verantwortung und den Zusammenhalt. Aber in Mönchengladbach entstehen auch neue Wohnquartiere, Menschen ziehen hinzu. "Auch sie sollen sich als Teil der Stadtgesellschaft fühlen", sagt Schall. Die Erfahrung in anderen Städten und Ländern habe gezeigt, dort wo es keine Kirchen, keinen Verein und keine Treffpunkte gebe, entstehen Probleme.

Deshalb wird jetzt eine Bestandsaufnahme gemacht. Was bieten die einzelnen Stadtteile? Wer lebt dort? Wie viele Familien wohnen dort? Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund? Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit? Wie viele Kita-Plätz gibt es? Fakten und Zahlen zu all diesen Fragen und noch mehr werden zusammengetragen. "Nur so kann man zum Beispiel feststellen, ob dieser Stadtteil mehr Angebote für Senioren oder mehr für Kinder braucht", sagt Gerhard Kalter. Leiter der Sozialplanung der Stadt.

Um die DNA des Stadtteils zu ermitteln, wurden nicht nur Statistiken zusammengetragen. Es wurde auch fotografiert und interviewt, denn "gefühlte Situationen lassen sich nicht immer mit Zahlen belegen", sagt Dörte Schall.

In Mönchengladbach sei es noch in jedem Stadtteil lebenswert, findet die Sozialdezernentin. Große Problembereiche wie beispielsweise Duisburg-Marxloh gebe es in der Vitusstadt nicht. "Hier gibt es vielleicht mal ein Haus, eine Straße, oder auch mehrere", sagt Kalter. "Dass man in Mönchengladbach aber anhand der Postleitzahl schon in die Schufa gerät, passiert hier nicht", führt Dörte Schall aus. Mit dem Quartierskonzept verfolge die Stadt langfristig das Ziel, die gleiche Lebensqualität in allen Quartieren herzustellen.

Die Ist-Situation wird in 44 Kurzprofilen der Stadtteile dargestellt. Dank der Bestandsaufnahmen erhofft man sich auch Erleichterungen bei Anträgen von möglichen Fördermitteln, denn um an die Töpfe heranzukommen, braucht man Begründungen und die lassen sich durch Statistiken gut untermauern.

Mit dem Konzept sollen aber auch das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt gefördert und die Bürger in ihrem Stadtteil aktiviert werden. "Dies soll allerdings nicht von oben übergestülpt, sondern gemeinsam mit den Bürgern entwickelt werden", betont Gerhard Kalter. Dass Kooperationen zwischen Familien, Kitas, Schulen, Familienzentren, Vereinen, Verbänden und Trägern vor Ort die Lebens- und Wohnqualität steigern können, habe zum Beispiel Beltinghoven gezeigt. Seitdem es den von Studierenden initiierten Beltingtreff gibt, sei in der Wohnanlage viel bewegt worden. "Ein durchaus erfolgreiches Projekt", findet Dörte Schall.

Ähnliches verspricht man sich in der Stadtverwaltung auch von dem integrierten Stadtteil- und Quartierskonzept. "Ende 2018 haben wir ein detailliertes Gesamtbild mit zahlreiche Zahlen, Daten und Fakten zu den 44 Stadtteilen vorliegen. Dann wissen wir genau, was der jeweilige Stadtteil für seine Quartiersarbeit benötigt", sagt Kalter.

Quelle: RP
 
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