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Gladbacher im Einsatz für Flüchtlinge
Die eigenen Erfahrungen nutzen

Gladbacher im Einsatz für Flüchtlinge: Die eigenen Erfahrungen nutzen
Dr. Elias Esber im Gespräch mit der Redaktion. FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Sie geben Deutschunterricht, helfen bei Behördengängen oder spielen mit Kindern. Die RP stellt einige der vielen Ehrenamtler vor. Von Laura Schameitat

Rheydt Elias Esber weiß, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen, die Sprache nicht zu sprechen, die Kultur nicht zu verstehen und sich irgendwie zurechtfinden zu müssen. Vor 36 Jahren kam der heute 63-Jährige ganz alleine aus seinem Heimatland Syrien nach Deutschland. Er wollte hier studieren, Zahnarzt werden. Im Krankenhaus Bethesda in Mönchengladbach ließ er sich zum Facharzt für Oralchirurgie ausbilden. "Es war sehr schwer, aber ich habe in Gladbach auch sehr viel Hilfe erfahren", erzählt er.

Heute hat Esber eine deutsche Ehefrau und eine gut laufende Zahnarztpraxis an der Hauptstraße in Rheydt. Seine Erfahrungen und seine Sprachkenntnisse nutzt er, um Flüchtlingen zu helfen. "Ich möchte den Menschen die Einsamkeit ersparen, die ich selbst oft empfunden habe", sagt er. Er geht in die Flüchtlingsheime, aber die Flüchtlinge kommen auch zu ihm. "Viele kommen einfach in meine Praxis, meine Helferinnen kennen das schon. Sie versuchen sogar, ein bisschen Arabisch zu lernen", sagt er lachend. Die, die kommen, brauchen einen Dolmetscher für ihre Behördengänge, einen medizinischen Rat in der Muttersprache – oder auch einfach nur Trost. "Ich bin ein Arzt für Seele und Körper", sagt Esber.

Da Esber selbst Christ ist und am Wochenende als Pfarrer in der orthodoxen Gemeinde St. Dimitrios in Köln arbeitet, liegen ihm die christlichen Flüchtlinge besonders am Herzen. "Sie haben in Syrien traumatische Dinge erlebt, sie wurden verfolgt. Und wenn sie hierher kommen, haben sie es in den Unterkünften auch nicht immer leicht", sagt Esber.

Die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge findet er in Glabach "besser als anderswo". Auch die medizinische Versorgung sei gut. Allerdings übt er Kritik an der Organisation der Sprachkurse. "Es wird dabei nicht unterschieden zwischen Flüchtlingen ohne Schulabschluss und Akademikern", sagt er. Viele gut ausgebildete Flüchtlinge würden sich deshalb beschweren, dass es zu langsam voranginge. Deshalb sollte es intensivere Kurse für Akademiker geben, schlägt Esber vor. Außerdem sei es wichtig, den Flüchtlingen möglichst schnell eine Arbeit oder Beschäftigung anzubieten. "Die meisten wollen arbeiten, sie wollen keine Last sein", sagt Esber. Vielleicht könnten Gladbacher Firmen den jungen Flüchtlingen zumindest ein Praktikum anbieten, wünscht sich Esber.

Ein Ende des Krieges in seinem Heimatland Syrien sieht Esber nicht in Reichweite. Dazu müssten sich die Großmächte im Land erst einigen. "Dieser Krieg ist ein Krieg mit Syrern, aber nicht für Syrien", sagt Esber.

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Quelle: RP
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