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Mönchengladbach
Die Erbauer des schnellen Internets

Mönchengladbach: Die Erbauer des schnellen Internets
FOTO: Berns, Lothar (lber)
Mönchengladbach. Hochgeschwindigkeits-Netz auf dem Dorf - das verspricht die Deutsche Glasfaser, wenn genug Kunden mitmachen. Wer aber ist das Unternehmen, das mit Millionen aus den USA das schaffen will, woran Bund und Telekom lange scheiterten? Von Andreas Gruhn

Schnelles Internet in ländlichen Regionen, das eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Mbit pro Sekunde erlaubt - das klingt vielerorts wie eine Verheißung aus dem fernen Silicon Valley. Genau das plant aber die Deutsche Glasfaser GmbH im Süden Gladbachs. Entsprechende Vereinbarungen haben Stadt und Unternehmen bereits unterzeichnet. Aber wer ist das eigentlich, der verspricht, das zu schaffen, woran Bundesregierung und Netzbetreiber Deutsche Telekom bisher scheiterten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer ist die Deutsche Glasfaser? Ein Unternehmen aus den Niederlanden, das im Jahr 2012 von einer niederländischen Investmentgesellschaft gegründet wurde - auch wenn der Name eher nach einer ehemaligen Bundesbehörde klingt. Im Juli 2015 stieg die US-amerikanische Investorengruppe KKR ein und investierte 450 Millionen Euro in das Wachstum. Mit diesem Geld sollen in den kommenden Jahren etwa eine halbe Million Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen werden. In Mönchengladbach sind Investitionen in Höhe von 33,5 Millionen Euro vorgesehen.

Wie ist das Geschäftsmodell? Wenn in einem Plangebiet 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag abschließen, wird gebaut. Kunden müssen sich für zwei Jahre an das Unternehmen binden, aber auch andere Internet-Provider dürften theoretisch das Netz benutzen - und dafür zahlen. So ist auch das Geschäftsmodell: Die Deutsche Glasfaser versteht sich als Netzbetreiber, die langfristig mit einer zukunftssicheren Technik Geld verdienen will. Das Kalkül: Wenn die Glasfaserleitung einmal liegt, haben Internet-Provider kaum eine andere Wahl, als genau diese Infrastruktur zu nutzen. Die Kosten pro Anschluss liegen zwischen 1500 und 2000 Euro. "Wir rechnen mit einer Amortisierungszeit von 15 Jahren", sagt Nicole Holländer, Marketingchefin für diese Region. "Aber wir bauen die Netze für die Zukunft."

Welche Gebiete sind in Gladbach geplant? In den Gewerbegebieten Giesenkirchen Nord, Rheydt/Odenkirchen, An der Eickesmühle, Wickrath und im Regiopark Güdderath laufen die Nachfragebündelungen bereits. Nach Karneval sollen Privatkunden in Wanlo, Buchholz, Beckrath, Sasserath, Wickrathberg, Wickrathhahn und Herrath befragt werden. Schließen 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag ab, wird gebaut. Außerdem sind für dieses Jahr noch Nachfragebündelungen in Broich, Hehn, Mennrath, Gerkerath, Genholland, Sittard, Günhoven, Schelsen, Wickrath, Giesenkirchen, Pongs, Odenkirchen und Rheindahlen geplant. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass die Netze auch bei einer geringeren Abschlussquote als 40 Prozent gebaut werden. Von ein paar weniger Privatkunden wird sich wohl kaum ein Unternehmen davon abhalten lassen, die lukrative Infrastruktur schlechthin der kommenden Jahrzehnte zu bauen.

Wie schnell ist das Internet? Durch die Glasfaserkabel werden die Daten per Licht geleitet, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Mbit pro Sekunde - das Vierfache von dem, was sich die Bundesregierung bis 2018 vorgenommen hatte. Zum Vergleich: Die Telekom bietet derzeit etwa in Beckrath maximal 16 Mbit pro Sekunde an. Diese Bandbreite reicht beim künftigen Bedarf, etwa von Streaming-Diensten, kaum mehr aus. "Mit der heutigen Technik sind sogar zehn Gigabit pro Sekunde möglich", sagt Wolfgang Greven, der für die Deutsche Glasfaser das Projekt Breitband-Ausbau im benachbarten Rhein-Kreis Neuss leitet.

Warum kann die Deutsche Glasfaser, was die Telekom nicht kann? Weil einerseits viel Geld aus den USA vorhanden ist, um die Marktlücke zu schließen - allein für Gladbach stehen 33,5 Millionen Euro bereit. Und weil sie andererseits die Kabel mit einer schnelleren und günstigeren Technik namens Micro-Trenching verlegt. Dabei werden die Leerrohre zwischen 7 und 20 Millimeter Dicke in eine geringe Tiefe verlegt. Dafür braucht es nur einen dünnen Schlitz im Asphalt. Verlegen und Schneiden sind eine Arbeitsphase, anschließend wird das Kabel durch die Rohre per Druckluft verlegt. "Die Gräben, die morgens offen sind, sind zu 95 Prozent abends wieder zu", sagt Greven. Das Verlegen der Leitung vom Haus bis zur Straße soll komplett unterirdisch funktionieren. Die Erlaubnis für diese Technik hat sich das Unternehmen mit Vertragsunterzeichnung eingeholt.

Wo ist die Deutsche Glasfaser schon aktiv? In der niederländischen Heimat sind nach eigenen Angaben bisher drei Millionen Anschlüsse gelegt worden, in Deutschland etwa 130.000 Anschlüsse, davon rund 50.000 allein im Kreis Heinsberg. Jetzt geht der Ausbau in Grevenbroich und Jüchen los, in Neuss laufen Nachfragebündelungen, aber auch in Bayern und Schleswig-Holstein ist das Unternehmen auf Kundensuche für den Netzausbau in ländlichen Regionen. Firmensitz ist in Borken (Westmünsterland).

Wie ist es mit der Netzneutralität? Die Telekom hatte zuletzt angekündigt, teure Premiuminhalte in langsamen Netzen bevorzugt durchzuleiten. Eine solche Überholspur gegen Preisaufschlag schließt die Deutsche Glasfaser aus. "Das ist zwar eine Sache der Provider, aber das Netz ist so leistungsfähig, dass man schlicht keine Priorisierung braucht", sagt Nicole Holländer.

Quelle: RP
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