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Mönchengladbach
Die erste Ausstellung in der restaurierten Schriefersmühle

Mönchengladbach. Dettmar Fischer, Gert Jäger und Michel Saran gehen ganz unterschiedlich mit dem prägnanten Raum um. Heute ist die Eröffnung. Von Sigrid Blomen-Radermacher

In den letzten Jahren wurde die Schriefersmühle in Rheindahlen von Grund auf restauriert und hergerichtet. Von nun an wird sie auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Die erste Ausstellung in diesem alten Gemäuer bestreiten drei Künstler, die miteinander befreundet sind und bereits in der einen oder anderen Konstellation miteinander ausgestellt haben: Dettmar Fischer, 58 Jahre, Gert Jäger, 59 und Michel Saran, 78.

Gar nicht so einfach, sich in diesem historischen Gebäude mit viel eigener Atmosphäre und offenkundiger Präsenz zu behaupten. Doch gelingt den Künstlern ein Spagat: Mal nehmen sie den Charakter des Raumes auf, um ihn in den Arbeiten widerzuspiegeln, mal treten sie einfach gegen den Raum an. Die drei vertreten sehr unterschiedliche technische und inhaltliche Positionen: Dettmar Fischer ist Fotograf, Gert Jäger Bildhauer und Michel Saran Maler. Das macht die Ausstellung spannungsvoll.

Der Autodidakt Jäger begann mit Druckgrafik und Zeichnung, um schon bald die Fläche zu verlassen und seine Gedanken dreidimensional auszudrücken. Er spielt mit der Kombination von Materialien, fügt Edelstahl mit Bronze oder Glas und Papier mit Jute zusammen. Mal bleibt er streng in seiner Form, mal verspielt. Gerne kombiniert er auch hier die Gegensätze. So lautet der Titel einer kleinen Hausform "Straßenansicht". Man sieht eine glatte, saubere Fassade, die nach hinten zu aus- und aufbricht und ein chaotisches, lebendiges, übervolles Innere enthüllt. In anderen Arbeit erprobt er eine besondere Technik - den Aufbau einer Form aus Bronzestücken. Auf diese Weise entwickelt sich ein organisches Gebilde mit einer bewegten Oberfläche, die auch einen Blick ins Innere öffnet.

Der Fotograf Fischer zeigt rätselhafte Bilder. Die dunkle Farbe, das Verschwommene, die Ausschnitthaftigkeit führen den Betrachter an die Grenze der Wahrnehmbarkeit. Die analogen Fotografien lassen Blicke in die Natur, in ein Museum erkennen, sie zeigen eine Möwe, die Rückenansicht einer Frau. Der Fotograf als Poet, der mehr andeutet als er zeigt, der mehr Rätsel aufgibt als Antworten liefert.

Ein Thema von Michel Saran sind die Fenster. Jedes seiner Gemälde ist wie ein Fenster, durch das der Betrachter in die Welt des Künstlers schaut. Der Bilder-Rahmen - und hierauf sollten die Besucher achten: Saran kauft sehr außergewöhnliche Rahmen für seine Bilder - öffnet das Bild-Fenster. Darin sind Sarans "Oberlichter" in einem achteckigen Rahmen zu sehen, ein vielfach übermaltes Bild, dessen Fensterformen gegen die Rahmenform zu kämpfen scheinen. Da ist das "Broken Window", in dem sich das Fenster selbstständig zu machen scheint und auf den Rahmen übergreift. Aber Saran zeigt auch die Übermalung eines alten Kunstdrucks. Die ursprünglich dargestellte Spinnerin ist fast gänzlich verschwunden und hat sich in ein Fenster verwandelt.

Eröffnung ist heute um 19 Uhr. Sie ist zu sehen am Sonntag, 22. Mai, Donnerstag, 26. Mai und Sonntag, 29. Mai jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
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