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Mönchengladbach
Die Fremden, das sind wir

Mönchengladbach: Die Fremden, das sind wir
Ulrike Brodersen, Jutta Profijt und Iris Degenhardt bei der Lesung in der Buchhandlung Degenhardt. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Bei einer Benefizveranstaltung des Frauenserviceclubs Soroptimist stellte Jutta Profijt ihren neuen Roman vor. Von Dirk Richerdt

Eine literarische Lesung, ein soziales Hilfsprojekt und zum krönenden Abschluss ein Imbiss mit Speisen der syrisch-arabischen Küche - mit diesem Dreischritt im Programm gelang der Ortsgruppe des Clubs "Soroptimist International" eine abgerundete Veranstaltung in der Buchhandlung Degenhardt. Da Buchhändlerin Iris Degenhardt selbst Mitglied ist in dem Serviceclub, der weltweit Frauen fördert, lag es nahe, das aktuelle Förderprojekt der Soroptimisten mit einer Literaturlesung in der Buchhandlung zu krönen. Mit dem Erlös, darunter das Honorar, auf das Krimi-Autorin Jutta Profijt verzichtet, unterstützen die Soroptimisten eine Schule für syrische Flüchtlinge in der Türkei sowie in Gladbach syrische Frauen und Mädchen auf ihrem Weg der Integration.

"Jetzt stehe nur noch ich zwischen Ihnen und den Köstlichkeiten", scherzte die 50-jährige Autorin zu Beginn der Lesung, bei der sie ihren aktuellen Krimi "Unter Fremden" präsentierte. Nicht zufällig trug sie eine Szene aus ihrem Roman vor, wo die Hauptperson, die junge Syrerin Madiha, von einem Kommissar in ein Restaurant mit libanesischen Spezialitäten eingeladen wird. Die dort erwähnten Speisen - Mezze, Tabouleh oder Kibbeh - bekamen die rund 80 Besucher später selbst zu kosten. Wobei eine Gruppe syrischer Frauen als zweiter Gastgeber auftrat. Sympathie für ein solches Förderprojekt geht eben auch durch den Magen. So durfte Soroptimist-Präsidentin Ulrike Brodersen feststellen, dass das Konzept des Benefizabends bei Degenhardt optimal aufgegangen war.

Eine der für den schmackhaften Imbiss zuständigen Syrerinnen heißt Ranya Soudah. Seit drei Jahren lebt die verheiratete Mutter einer Tochter, die zurzeit die 11. Jahrgangsstufe am Hugo-Junkers-Gymnasium besucht, in Gladbach. Sie spricht ausgezeichnet Deutsch, weswegen sie als ehrenamtliche Helferin bei der Mönchengladbacher Awo fast unentbehrlich geworden ist. Doch Soudah sagt auch: "Manchmal fühle ich mich fremd in Deutschland, besonders wenn ich merke, dass Leute meine Kultur nicht verstehen."

Darauf spielt Jutta Profijt im Titel ihres Buches an. "Unter Fremden" wendet den in populistischen Kreisen oft verwendeten Kampfbegriff in die entgegengesetzte Blickrichtung und erklärt: "Die Fremden - das sind in diesem Fall nicht die anderen. Die Fremden, das sind wir!" So empfindet es auch die Romanheldin Madiha, die in einem Flüchtlingsheim am Niederrhein landet. Als Harun, ein junger Mann, der ihr auf der Flucht aus Syrien das Leben gerettet hat, eines Tages spurlos verschwindet, beginnt für Madiha eine spannende Zeit.

Jutta Profijt: Unter Fremden. Verlag: dtv; 14,90 Euro. Bestellnummer: 978-3-423-26165-4

Quelle: RP
 
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