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Mönchengladbach
Die Fusion von Mensch und Maschine

Mönchengladbach. Dr. Reinhard Merkel sprach in einem Impulsvortrag in den Kliniken Maria Hilf darüber, wie technische Hilfsmittel bei schweren Erkrankungen helfen können. Hirnschrittmacher und bionische Körperteile werden schon eingebaut. Von Lisa Tellers

Humanoide Roboter haben schon längst Einzug in unser Leben gehalten. Für viele noch eher unbemerkt, doch in Dänemark zum Beispiel werden die Robben-Roboter bei demenzkranken Menschen schon längst eingesetzt. In Japan gibt es Pflege-Roboter - und sogar Doppelgänger eines Menschen in Form von Robotern. Dass die Technik und insbesondere die Roboter auch in der Medizin und Pflege stetig voranschreiten, weiß auch der Geschäftsführer der Maria Hilf Kliniken Dr. Lahm: "Längst sind Roboter in anderen Ländern in der Pflege tätig. Diese Entwicklung wird sich auch in Deutschland einstellen. Und da stellt sich dann die Frage, wollen wir das überhaupt?"

Im Rahmen der Impulsvorträge der Maria Hilf Kliniken hielt Professor Dr. Reinhard Merkel einen Vortrag über das Thema "Menschen, Cyborgs und humanoide Roboter: Herausforderung für Autonomie und Verantwortung des Menschen." Zunächst werden sich viele fragen, was sind Cyborgs genau? Cyborgs sind Maschinen im Körper eines Menschen. Einige Beispiele: 10.000 Menschen haben bereits implantierte Hirnschrittmacher. Damit werden Symptome von schweren Erkrankungen bekämpft. Oder Claudia Mitchell, die einen Bionic Arm hat. Diese Prothese ist mit ihrem Gehirn verbunden und wird auch von diesem gesteuert. Oder eine Pille, die im Magen-Darm Trakt die DNA von Krebszellen identifiziert, und bei einem Befund sofort das Smartphone benachrichtigt.

"Es findet ein stetig beschleunigter Prozess der Fusion von Mensch und Maschine statt", sagt Professor Dr. Merkel. Somit stellt sich die Frage, welche moralischen und ethischen Verantwortungen die Gesellschaft zu tragen hat, wenn die Entwicklung immer mehr zu Robotern oder Cyborgs führt. Einige Grundfragen wären also: Verlieren die Menschen an Identität? Wird die Menschenwürde verletzt? Und gibt es eine Gefahr für die Autonomie und Verantwortung eines Einzelnen? "Für die meisten Menschen ist Autonomie, die Selbstbestimmung über das eigene Handeln, der wichtigste Wert. Doch dann drängt sich die Frage auf, inwieweit Cyborgs diese Autonomie beeinträchtigen", sagt Merkel. Cyborgs können Einfluss auf unsere Entscheidungen, Emotionen und Rechte nehmen.

Nehmen wir an, ein Patient hat einen Hirnschrittmacher. Die Behandlung läuft gut, aber die Nebenwirkungen lassen ihn aggressiv werden. Er wird schließlich straffällig. Darf dieses Risiko eingegangen werden? Und wer trägt es? Es gibt viele Fragen, die meisten bleiben unbeantwortet. Der Vortrag war weniger eine Aufklärung über ein Thema, sondern vielmehr ein Denkanstoß für die Menschen.

"Ich habe Probleme aufgedeckt aber keine Lösungen gefunden. Die meisten Menschen überschätzen die langfristigen Entwicklungen und unterschätzen die kurzfristigen. Ob es irgendwann möglich ist, dass Roboter menschliche Funktionen haben, kann noch niemand wissen", sagt Merkel.

Quelle: RP
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