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Mönchengladbach
Die Historie der Rheydter Schuhmacher

Mönchengladbach: Die Historie der Rheydter Schuhmacher
Die grünen Damenschuhe fertigte Josef Titz an, als er im Jahr 1961 seinen Meister machte. Die Kinderschuhe machte sein Vater, ebenfalls Schuhmacher. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Josef Titz, ehemaliger Obermeister der Rheydter Schuhmacher-Innung, beschäftigt sich mit der Geschichte seiner Innung. In einer alten Mappe archiviert er historische Fotos und Dokumente. Von Christian Lingen

In einer Ecke des Wohnzimmers steht ein großer Tisch, auf dem es nicht besonders aufgeräumt aussieht. Zwischen Fotos und Dokumenten liegen Scheren und Klebestifte. "Da blicke nur ich durch", sagt Josef Titz. Was wie ein Basteltisch wirkt, ist für Josef Titz eine Art Arbeitsplatz. An ihm verbringt der 78-Jährige viele Stunden und arbeitet eine alte Mappe der Kreishandwerkerschaft auf, die sich mit der Schuhmacher-Innung beschäftigt. "Als die Rheydter Schuhmacher-Innung mit der in Gladbach zusammengelegt wurde, fand man eine verstaubte Mappe. Da ich damals Obermeister der Rheydter Schuhmacher-Innung war, übergab man mir die Mappe", erinnert sich Titz.

Der Inhalt ließ Josef Titz staunen. Sie war gefüllt mit alten Dokumenten über die Historie der Rheydter Schuhmacher-Innung. Eine Widmung im Einband der Mappe mit dem Doppeladler, der eine Metallplatte ziert, weist auf das Jahr 1931 hin. Damals feierte die Innung ihr 50-jähriges Bestehen. Die Mappe war ein Geschenk des Landesinnungsverbands. Schon während seiner Zeit als Schuhmacher beschäftigte sich Josef Titz mit der Mappe. Seitdem er Rentner ist, hat er mehr Zeit dafür. Die Mappe ist nicht nur ein Stück Wirtschaftsgeschichte. Sie ist auch ein Zeuge der Stadtgeschichte. So zeigt eine Preisliste aus den späten 40er-Jahren, dass Schuhe damals deutlich billiger waren als heute. Die Innungsversammlung vom 11. März 1948 ist mit Fotos und alten Artikeln festgehalten. Auch diverse Ausflüge wie der zum Hariksee im Jahr 1967 sind dokumentiert. Ein großer Teil der Mappe beschäftigt sich auch mit der Fachwartetagung vom 3. November 1987. "Da kamen die Obermeister aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammen", erzählt Josef Titz. Er selber war auch dabei und hielt unter anderem eine Rede. Kopien der Einladungsschreiben und die Speisekarte des Festessens hat er in der Mappe archiviert. Genau das ist sein Verdienst. Josef Titz arbeitet die alte Mappe nicht nur auf. Er führt sie fort und erweitert sie. Als ehemaliger Obermeister der Schuhmacher-Innung Rheydt verfügt er über alte Dokumente.

Auch ein Gerichtsurteil aus Hamburg findet sich in der Mappe. Ende der 70er-Jahre klagte die Innung dagegen, dass auch Nicht-Schuhmacher Absätze machen dürfen. Die Innung verlor. Das Briefpapier, dass Josef Titz einst benutzte, zeigt ein Paar Kinderschuhe. "Mein Vater war auch Schuhmacher. Er hat sie 1945 für meinen damals 16 Monate alten Bruder gemacht. Kurz danach wurden wir evakuiert, und mein Bruder starb in Stendal. Dort sind wir geblieben. Die Schuhe meines Bruders habe ich noch heute", erzählt Josef Titz. Wichtig ist aber auch ein grünes Paar Damenschuhe. Sie fertigte er an, als er 1961 seinen Meister machte. Danach machte er sich in Rheydt selbstständig.

Im Sommer 1982 ließ er sein Geschäft einfach einmal Geschäft sein und fuhr in 41 Tagen mit dem Fahrrad zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Spanien. Von dort ging es weiter nach Tunesien und Algerien und über Sizilien zurück nach Rheydt. Diese Reise ist ebenfalls in der Schuhmacher-Mappe dokumentiert. Die letzte Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 2005. Damals feierte die Schuhmacher-Innung ihre letzte Weihnachtsfeier. Sie ist in Fotos festgehalten.

Quelle: RP
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