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Serie Was Macht Eigentlich?
Die Idee Olympiabrunnen und ein Kalender

Abenteuer haben es Hellmuth Wallbaum angetan. Viele har er gesucht, andere haben sich ergeben, wie das im Mai 1945, als er als blutjunger "Offiziersanwärter" einer Panzereinheit bei Wuppertal in amerikanische Gefangenschaft geriet: "Wir wurden in ein Lager in Sennestadt bei Paderborn gebracht, wo der Zaun gerade erst gebaut wurde. Da haben wir uns mit ein paar Mann davongemacht."

Weniger abenteuerlich, aber seiner Neigung zu solchen Dingen geschuldet ist die "Initiative Abenteuer Rheydt", die Wallbaum im Dezember 2007 unter anderem mit dem Politiker Hans Segschneider gegründet hat. "Damals wurde die Umgestaltung der Rheydter Innenstadt mit dem neuen Marktplatz geplant. Wir haben uns gefragt, was man als Bürger tun könnte, damit die Rheydter City wieder auf die Beine kommt", erzählt Wallbaum. "Wir suchten eine besondere Idee, einen Blickfang, der diesen Platz auch attraktiv macht und auch Besucher von auswärts anlockt."

Seine Idee war ein nicht zu großes Hotel an der Limitenstraße über der Einfahrt zur Tiefgarage unter dem Markt zwischen Kirche und Rathaus, mit einem Terassencafé, von dem aus man auf eine besondere Attraktion blickt: Den "Olympia-Brunnen", mit dem erfolgreichen Sportlern der Stadt ein Denkmal gesetzt würde. Ein Brunnen mit den olympischen Ringen, um den herum Puzzlesteine mit den Namen der Athleten liegen. Mehr als 100 Sportler aus drei Jahrzehnten hatte Hellmuth Wallbaum 2008 schon gesammelt. Wenn die Pläne reif wären, sollte eine Auswahl verewigt werden. "Es soll ein Dankeschön für diejenigen sein, die längst vergessen sind", sagte er. Und hatte seine Idee bereits aufzeichnen und patentieren lassen. Um die Finanzierung habe er sich auch schon gekümmert, sei im Gespräch mit möglichen Geldgebern,.

Das ist neun Jahre her, der Entwurf weiterentwickelt. "Ich habe einen Kostenvoranschlag über 15.000 Euro von einem Brunnenbauer", sagt Wallbaum. "Und ich hatte auch die Zusage vom Vorsitzenden des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, die Schirmherrschaft zu übernehmen." Doch er hat die Hoffnung aufgegeben: "Von der Stadt gibt es keine klare Auskunft auf die Anfragen unserer Initiative Abenteuer Rheydt, aber eine Stimmung dagegen."

Von diesen Ideen bleibt der Boule-Treff, bei dem auch Asylanten willkommen sind. "Doch unsere Bitte, eine richtige Boulebahn zu bauen, wird von der Stadt nicht erhört - weil ja Kugeln auf die Straße rollen könnten... Aber wir spielen so, dass keine Kugel auf die Straße rollt", sagt Wallbaum. Und lässt beim geplatzten Traum vom Olympiabrunnen ein bisschen Einsicht erkennen: "Vielleicht habe ich auch Fehler gemacht." Vielleicht zuviel Abenteuer gewollt?

Ganz in Vergessenheit geraten soll die Idee Olympiabrunnen aber nicht: Hellmuth Wallbaum gestaltet einen "Umweltkalender". Bei einem Wettbewerb des Landesministeriums für Umwelt und Naturschutz hat er als Hobbyfotograf einen Kalender gewonnen. Auf die Rückseiten der Kalenderblätter klebt er seit 2009 Bilder von Spitzensportlern, Politikern und Prominenten, die sich um den Sport verdient gemacht haben, und lässt sie signieren:. "Es ist ein echtes Unikat." Eigentlich sollte der 60 mal 42 Zentimeter große Kalender zur Eröffnung des Olympiabrunnens versteigert werden. Die Eröffnung gibt es wohl nicht. Der bald fertige Kalender soll dennoch für einen guten Zweck versteigert werden. Dem guten Zweck dienten auch die sechs Tennisturniere, zu denen Wallbaum Spieler aus den Vereinen der Stadt einlud. 20.000 D-Mark kamen so für Spastisch Gelähmte Kinder zusammen.

(oes)
 
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