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Frank Und Johannes Janssen
Die Kinomacher

Frank Und Johannes Janssen: Die Kinomacher
FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Frank Janssen (55) betreibt Kinos in vier Städten am Niederrhein, seit Januar auch das Comet-Cine-Center. Das Haus leitet sein Sohn Johannes (24). Was sich in den kommenden Monaten verändern soll, wie sie Ältere ins Kino locken wollen und was sie über das Atlantis-Aus denken.

Herr Janssen, zunächst die Frage, die alle Kino-Gänger teilt: Nachos oder Popcorn?

Frank Janssen Popcorn. Aber immer schon. Und dazu auch keine Cola, sondern nur Wasser. Man wird nicht jünger und ich sitze viel. Da muss man es auch nicht übertreiben (lacht).

Johannes Janssen Bei mir wären es sogar eher Chips aus der Tüte. Eine ganze Portion Nachos - das ist mir einfach zu viel für einen Film.

Sie verkaufen beides aber sicher gleich gern. Unter Besuchern sagt man sich: Das meiste Geld verdienen Kino-Betreiber mit den Snacks. Stimmt das?

Frank Janssen Kein Kino in Deutschland könnte sich ohne den Verkauf von Essen und Trinken noch halten. Das ist so. 53 Prozent der Ticketpreise gehen direkt an die Filmverleiher. Dazu kommt Pacht und der Mindestlohn für Mitarbeiter, der Stromverbrauch hat sich seit Einführung des digitalen Kinos verdreifacht. Da braucht man eine starke Theke.

Nicht alle Kinos zahlen dieselben Preise an die Verleiher. Wie kommt das?

Frank Janssen Das richtet sich nach Größe des Ortes und der Besucherzahl. Es geht los mit 53 Prozent der Ticketpreise. Nach drei Wochen sinken die Prozente je nach Kino unterschiedlich stark. Wenn dann immer noch viele Zuschauer den Film sehen wollen, so wie häufig in unseren Kinos, bleiben sie hoch. Das ist für uns ärgerlich, weil erfolgreiche Häuser nicht belohnt, sondern eher bestraft werden.

3D, HD, Überlänge. Was ist für Sie eigentlich gutes Kino?

Frank Janssen Das ist ganz unterschiedlich. Ich persönlich finde aufgeblasene computeranimierte Zerstörungswut auf der Leinwand grässlich. Ich gehe gerne mit meiner Frau ins Kino. Wenn die Geschichte toll erzählt ist, brauche ich kein 3D. "Verstehen Sie die Béliers?" war so ein Film, da haben wir am Ende alle geweint. Einfach schön.

Johannes Janssen Kino muss Spaß machen. "Deadpool" war der letzte Film, der meinen Geschmack voll getroffen hat. Einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe.

3D galt lange als der Heilsbringer des Kinos. Hat sich die Sicht mittlerweile verändert?

Frank Janssen 3D ist ein absolutes Premium-Produkt und sollte als solches verstanden werden. Das Problem ist, dass viele Filme in 3D angeboten werden, die überhaupt kein 3D benötigen. Dadurch macht sich die Filmindustrie ihr eigenes Produkt schlecht. Viele Menschen fragen mittlerweile gezielt nach 2D-Vorstellungen. Aber auch die Technik hat sich weiterentwickelt, der Komfort beim Schauen ist deutlich gestiegen.

Das Kino ist oft genug totgesagt worden. Wie geht es der Branche derzeit?

Johannes Janssen Das letzte Jahr war das erfolgreichste in der Geschichte. Nicht nur wegen "Star Wars" - es kam gleich eine ganze Reihe an großen Filmen heraus, die alle funktioniert haben. "Fack ju Göhte 2", "Minions", "James Bond: Spectre". Da wird es in diesem Jahr natürlich schwierig, an den Rekord heranzukommen. Aber es geht uns gut.

Frank Janssen Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der genau das gesagt wurde: Das Kino hat keine Zukunft mehr. Mittlerweile ist unsere Kino-Familie in der fünften Generation, das Unternehmen mehr als 100 Jahre alt. Vermeintliche Kino-Killer wie VHS gibt es nicht mehr, uns hingegen schon. Es kommt eben immer darauf an, was man den Leuten bietet. In diesem Jahr liegt die Branche etwa 20 Prozent hinter dem vergangenen Jahr, auch weil einige Filme nicht so funktioniert haben, wie sich das manch einer gewünscht hätte. In unseren Häusern liegen wir über dem Durchschnitt. Und das zweite Halbjahr wird auch noch einige Blockbuster bringen.

Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Frank Janssen Ich freue mich auf den neuen Tarzan-Film, alleine schon weil ich Christoph Waltz toll finde und weil die Geschichte anders erzählt wird. "Findet Dory" wird richtig groß, dafür werden wir auch im Comet-Cine-Center umdekorieren. Das Kino heißt im Volksmund "Aquarium" habe ich mir sagen lassen - und wo lässt sich der Film besser als im Aquarium schauen? Und auch auf "Star Wars: Rogue One" können sich die Besucher freuen. Wir haben einige Szenen schon sehen dürfen. Das ist nicht nur irgendein Abklatsch, das ist richtig großes Kino.

Im Januar haben Sie das Comet-Cine-Center übernommen. Wie ist es dazu gekommen?

Frank Janssen Heute vor einem Jahr hätte ich das selbst noch nicht geglaubt, aber dann ist es relativ spontan dazu gekommen. Ich hatte immer eine gute Beziehung zum ehemaligen Besitzer Hans-Jürgen Brandtner. Als wir einmal telefonierten, meinte ich zu ihm, wenn er jemals mit dem Gedanken spielen würde, den Stab weiterzugeben, dann solle er sich melden. Daraufhin sagte er überraschend, dass wir uns zusammensetzen könnten. Jetzt führt Johannes das Haus in Mönchengladbach. Mein Sohn Henning leitet das Haus in Geldern.

Johannes Janssen Natürlich ist ein Kino von der Größe eine Herausforderung. Aber eine, der wir uns gerne stellen. Das Kino liegt auf Platz 40 in Deutschland, wir haben 300.000 bis 400.000 Besucher im Jahr. Wirtschaftlich ist es gesund.

Was hat sich seit Januar verändert?

Johannes Janssen Wir haben das Online-Ticketing-System ausgebaut. Besucher erhalten fünf Prozent Rabatt auf die Eintrittspreise, wenn sie die Tickets im Internet bestellen. Und wir haben die Reservierungen abgeschafft. Das hat im Eingangsbereich immer zu den längsten Wartezeiten geführt. Besucher, die nicht rechtzeitig da waren, mehr oder weniger Karten als vorher bestellt haben wollten. Wer sich seine Karte ganz bequem von zu Hause aus sichern möchte, kann sie einfach im Internet kaufen.

Frank Janssen Technisch ist das Kino auf dem neuesten Stand. In sechs von sieben Sälen haben wir die neueste 3D-Technik, in drei Kinos 4K-Projektoren für perfektes Bild. Ein paar Kleinigkeiten mussten geändert werden, um diese Technik auch voll ausnutzen zu können. Von manchen Dingen bekommt der Besucher auch gar nichts mit, etwa die Verlegung der Getränke-Anlage. Und mein Sohn hat sich mit der Alkohol-Ausschank-Lizenz durchgesetzt.

Johannes Janssen Das ist etwas, was ich unbedingt wollte - und was es im Comet-Cine-Center noch nicht gegeben hat. Unsere Besucher sollten auch mal ein Glas Wein, ein kühles Bier oder einen Sekt trinken können, wenn sie Lust darauf haben. Gerade wenn es Aktionen wie die Ladies Night gibt, kommt so etwas immer gut an. Es geht ja nicht darum, dass sich hier irgendjemand betrinkt, das wird es auch nicht geben.

Wird es in den kommenden Monaten sichtbare Veränderungen für die Besucher geben?

Frank Janssen Die Planungen laufen derzeit, Anfang kommenden Jahres werden wir dann mit der Umsetzung beginnen. Wir wollen den Innenraum modernisieren, das Bistro wird umgestaltet, wir wollen eine Garderobe einführen. Auch über die Gastronomie müssen wir uns Gedanken machen, so wie wir es auch schon in unserem Haus in Kleve gemacht haben.

Soll sich der programmatische Schwerpunkt verändern?

Frank Janssen Klar ist, dass wir ein Popcorn-Kino sind und bleiben. Wir wollen aber auch einem anderen Publikum Programm bieten. Nur wenn wir Alt und Jung ins Kino bekommen, haben wir langfristig eine Zukunft. Darum haben wir Angebote wie die Übertragung der Met-Opera und die Reihe "Film am Mittwoch" im Programm. Diese besonderen Filme spielen wir in Mönchengladbach zukünftig aber wieder am Montag, weil das der Tag ist, an dem die Menschen das Programmkino im Comet-Cine-Center gewöhnt sind.

Das Atlantis in Rheydt blieb nach der Sommerpause dauerhaft geschlossen. Wäre das Haus für Sie spannend?

Frank Janssen Wir haben uns das Kino angeschaut, treffen aber nur Entscheidungen, die für uns auch vernünftig sind. Die Gefahr ist ein drohender Rattenschwanz an Investitionen, der sich für uns nicht rechnen würde. Derzeit betreiben wir Kinos in Kempen, Geldern, Kleve und Mönchengladbach mit 150 Mitarbeitern. Das ist doch schon was. Was man jetzt auf keinen Fall tun sollte, ist sich zu überheben.

Wann macht Ihnen Kino eigentlich am meisten Spaß?

Frank Janssen Wenn die Leute aus dem Film kommen und richtig Spaß hatten, stehe ich gerne am Ausgang. Das sind die Momente, an denen man merkt, was Kino bewirken kann. Umso schlimmer ist es bei Filmen, die ich selbst als Enttäuschung empfunden habe. Umso mehr freue ich mich auf die Filme in diesem Jahr, von denen ich weiß: Das werden die Leute lieben.

LUDWIG KRAUSE STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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