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Mönchengladbach
Die Kunst, Ballast abzuwerfen

Mönchengladbach: Die Kunst, Ballast abzuwerfen
Der Schweizer Pionier der Luftfahrt Bertrand Piccard hielt einen lebendigen und philosophischen Vortrag über seine Erdumrundung im Solarflugzeug und über Innovationen. FOTO: I. Raupold (2), A. Gruhn (4)
Mönchengladbach. Beim Vortrag Bertrand Piccards auf Einladung des Initiativkreises erklärte der Schweizer Luftfahrt-Pionier, was ihn zur Erdumrundung im Solarflugzeug angetrieben hat: "Nur weil es noch nie jemand gemacht hat, ist es nicht unmöglich." Von Andreas Gruhn

Viele Jahre hat Hans-Joachim Wüstemann für Bertrand Piccard gearbeitet. Der Mönchengladbacher war einer derjenigen im Team des Schweizer Pioniers, die am Boden dafür sorgten, dass "Solar Impulse" erfolgreich war. "Er hat so viel gemacht damals, er war für den elektrischen Teil verantwortlich", sagt Piccard in einem stillen Moment vor seinem Auftritt vor rund 900 Besuchern - darunter viel Prominenz aus der Stadt - in der Kaiser-Friedrich-Halle am Dienstagabend. Wenig später wird er seinen Ingenieur wieder sehen. Er bittet Wüstemann mitten in seinem Vortrag, aufzustehen. Langer Applaus für den Mann, der inzwischen in Hardt als Rentner lebt und der an diesem Abend sein altes Kurzarm-Hemd mit Aufnähern von "Solar Impulse" und Sponsoren trägt. Die alte Arbeitskleidung. "Ich bin so stolz", sagt Wüstemann und sagt, das einzige, was ihn aus dem Ruhestand zurückholen würde, wäre ein neues Projekt Piccards.

Das wäre auch Voraussetzung dafür, dass der Pionier, Wissenschaftler und Psychiater ein drittes Mal als Gast des Initiativkreises Mönchengladbach als Pionier der Welt in Mönchengladbacher sprechen dürfte. Piccards zweiter Besuch am Dienstag nach der Premiere im Jahr 2009 lässt viele Gladbacher allerdings darauf hoffen, ihm noch einmal zuhören zu dürfen. Piccard, ein höflicher, durchtrainierter Mann, der Deutsch spricht mit einem Akzent, den Lucien Favre wahrscheinlich erfunden hat, berichtet seinen Zuhörern von dem waghalsigen Abenteuer, die Erde nur mit Sonnenenergie zu umrunden. Strom als Antriebstechnik - das ruft NEW-Vorstand Frank Kindervatter auf den Plan, der als Mitglied des Initiativkreises Schirmherr des Abends war. "Wir werden in unserer Branche Dinge erleben, von denen wir heute sagen: Das geht nicht." Und genau damit hat Piccard eine Menge Erfahrung: "Warum hält man etwas für unmöglich? Weil es noch nie jemand gemacht hat. Das ist die dümmste Antwort, die man geben kann", sagt Piccard. "Die einzige Grenze für einen immerwährenden Flug ist der Treibstoff. Also haben wir gesagt: Fliegen wir ohne."

Und dieser Gedankenansatz, das entscheidende Paradigma zu ändern, seine eigene Sichtweise komplett zu verstellen, "Ballast abzuwerfen, um die Flughöhe zu ändern", die Brücke hinter sich einzureißen, damit es kein Zurück gibt, um Neues zu entdecken, das bestimmte den ganzen Abend in der KFH: "Innovation ist nicht die neue Idee, sondern das Aufgeben einer alten Überzeugung. Folgen Sie niemals Überzeugungen."

Piccard schloss den gut einstündigen Vortrag und die Fragerunde mit den Worten: "Ich wünsche Ihnen viel Pioniergeist." Den nahmen viele der Besucher in sich auf. "Es waren so viele gute Gedanken dabei", sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. "Mein Traum, etwas Neues zu erreichen, wäre eine Besteigung des Kilimandscharo." Seit Piccard weiß er: Für so ein Ziel muss man Ballast abwerfen und die Brücke hinter sich einreißen.

Quelle: RP
 
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