| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
"Die Leute stehen auf und gehen nach Syrien"

Mönchengladbach: "Die Leute stehen auf und gehen nach Syrien"
Ein Ausschnitt aus dem Video, das gestern im Gerichtssaal vorgeführt wurde. Darin erklärt Lau am Rande einer Kundgebung auf dem Alten Markt, bei seinem Einsatz in Syrien sei es humanitäre Hilfe gegangen. FOTO: Screenshot Youtube
Mönchengladbach. Was hat der angeklagte Salafist Sven Lau in Syrien wirklich getan? Videos mit Interviews und Predigten geben wenig Aufschluss darüber, was ein früherer Freund des Gladbachers zuvor ausgesagt hat: Lau soll Kämpfer vermittelt haben. Von Andreas Gruhn und Franziska Hein

Am sechsten Verhandlungstag im Prozess gegen Sven Lau geht im Saal 2 des Oberlandesgerichtes Düsseldorf das Schweigen weiter. Gestern kam zwar Lau zu Wort, allerdings nur in Videos. Weil der Salafisten-Prediger im Saal schweigt, macht sich der Senat auf diese Weise ein Bild von seinem Tun.

Ein Video zeigt eine Predigt Laus vor Glaubensbrüdern in einem offenkundig deutschen Park. "Vermehre die guten Taten, so dass wir ins Paradies kommen. Aber warum zögern wir, wenn wir eine gute Sache tun können?", redet Lau darin auf seine Zuhörer ein. "Die Elite der Welt versammelt sich in Syrien. Die Leute stehen auf und gehen nach Syrien." Und weiter: "Fakt ist: Allah wird es vollenden, und er benutzt dazu, wen er will. Allah sagt, dass diese Welt vergänglich ist, er benutzt sogar die Feinde des Islam zur Verbreitung der Religion." Er schließt seinen elfminütigen Monolog mit: "Allahu Akbar!" Lau verfolgt die Videos im Gericht zunächst aufmerksam, später hört er mit gesenktem Blick zu.

Ein zweites Video zeigt ein Interview, das der 35-Jährige dem WDR auf dem Alten Markt am Rande einer Kundgebung gegeben hat. Während im Hintergrund Proteste der Bürgerinitiative zu hören sind und Hundertschaften der Polizei für Ordnung sorgen, sagt Lau dem Reporter, er habe in Syrien eine Organisation unterstützt. Dabei sei es ausschließlich um humanitäre Hilfe gegangen. "Wir halten uns an das Gesetz und an das, was erlaubt ist. Alles andere schließen wir aus." Dreimal sei er in Syrien gewesen. "Humanitäre Hilfe ist mein Bereich, mit allem anderen haben wir nichts zu tun." Die Bundesanwaltschaft wirft Lau hingegen vor, die islamistische Terrormiliz Jamwa in Syrien mit Geld und Nachtsichtgeräten unterstützt und zwei deutsche Kämpfer an sie vermittelt zu haben. Wenn Leute, wenn Syrer runtergingen in ihr Land, habe er Verständnis, wenn sie dort helfen, sagt Lau in dem Interview. Und wenn Syrien angegriffen werde, seien das für ihn Freiheitskämpfer, bestätigt er auf Nachfrage des Reporters. Auf die Frage, ob er Glaubensbrüder zum Kampf in Syrien aufriefe, antwortet Lau: "Ich rate ihnen, dass sie ihre Religion so leben, wie sie es für richtig halten. Ich rufe keinen auf und sage: Mach dich auf den Weg."

Die Aussage des einstigen Weggefährten Laus, Dominic Schmitz, vom Vortag hallte gestern nach. Er war der erste Zeuge, der in dem Verfahren überhaupt etwas gesagt hat. Schmitz sagte aus, wie sich Lau und der Salafisten-Prediger Pierre Vogel über die Jahre radikalisierten und mit militanten Kräften in der Szene verbündet hätten. Der einstige Weggefährte Laus, der sich 2011 von diesem abgewandt hat, beschrieb die Mentalität in der Gladbacher Salafistenszene als "faschistisch". Prediger wie Lau und Vogel hätten die Welt strikt in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse eingeteilt, überall habe es nur Feinde und Ungläubige gegeben. "Für uns gab es nur Zwänge und Regeln", sagt Schmitz vor Gericht.

Schmitz kennt Konrad S., einen deutschen Konvertiten, der sich 2012 dem IS anschloss und dort eine Kampfgruppe geleitet haben soll. Er soll der Verbindungsmann in Syrien sein, in dessen Kampfgruppe Sven Lau zwei Männer vermittelt haben soll. Konrad S. konvertierte etwa anderthalb Jahre nach Lau zum Islam, auch er kam in die Gladbacher Moscheegemeinde und ließ sich von Laus Predigten überzeugen. Für Schmitz ist klar, dass sein Freund ohne den Einfluss von Sven Lau niemals nach Ägypten und nach Syrien gegangen wäre. Lau habe Konrad S. den Arabisch-Sprachkursus vorgeschlagen und dieser habe sofort mitgemacht, angefangen, seine Möbel zu verkaufen, obwohl er seine Wohnung gerade erst eingerichtet hatte. "Das war typisch Konrad", sagt Schmitz. Der Freund habe ihn einmal aus Ägypten angerufen, zwei Mails geschickt. Aus Syrien habe er sich einmal per WhatsApp gemeldet. Dann brach der Kontakt ab. An Details kann sich Schmitz kaum erinnern. Auch wenn ihm der Richter Passagen aus Vernehmungsprotokollen vorliest oder aus seinem Buch zitiert, gibt Schmitz manchmal an, sich nicht erinnern zu können, oder schiebt Textabschnitte in seinem Buch einem Co-Autoren zu.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: "Die Leute stehen auf und gehen nach Syrien"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.