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Mönchengladbach
Die Macht der Frauen

Mönchengladbach. Die Initiative der Friedensnobelpreisträgerinnen tagt in der Stadt. Sechzig Frauen aus aller Welt diskutieren die Lage der Frauen- und Menschenrechte, unter ihnen fünf Nobelpreisträgerinnen. Von Angela Rietdorf

Plaudern mit gleich fünf Nobelpreisträgerinnen: wie und wo hat Rigoberta Menchu von ihrem Nobelpreis erfahren? Wie gut verstehen sich Jody Williams und Shirin Ebadi? Und wie lebt eine Friedensnobelpreisträgerin aus Jemen? Eine Gelegenheit wie das Ladies´ Dinner im Haus Erholung, bei der die Gäste diese und andere Fragen stellen konnten, gibt es nicht oft. Die Gladbacherinnen nutzten ihre Chance und lernten großartige und mutige Frauen hautnah kennen, die trotz Nobelpreis stets ihre Bodenhaftung behalten haben. Kämpferinnen für die Menschenrechte mit Herz und Verstand.

Vor dem Dinner hatten sich die Nobelpreisträgerinnen in der Kaiser-Friedrich-Halle zu einer Konferenz getroffen, bei der rund fünfzig Aktivistinnen aus der ganzen Welt über die Lage der Frauen- und Menschenrechte in ihren Ländern berichteten. Momentan gibt es da weltweit wenig Anlass zu Optimismus. Gerade die Frauenrechte sind an vielen Orten dieser Welt bedroht. Aber es geht nicht nur um Frauen. Die Teilnehmerinnen betonen, dass ihr Kampf für Frauenrechte auch den Männern zugutekommt. "Feminismus setzt sich für Gleichheit in der Gesellschaft ein, davon profitieren alle", erklärt Jody Williams, Friedensnobelpreisträgerin von 1997 aus den USA. Die weltweite Situation sei düster, da sind sich die Teilnehmerinnen einig. Aber es gibt immer auch Lichtblicke. "Wir haben gelernt, uns zu organisieren, und sind heute stärker als früher", sagt die Delegierte aus Syrien. "Wir lernen aus der Krise." Die Frauen stehen bereit, sich nach Kriegsende in den Friedensprozess einzubringen. "Es ist wichtig, dass wir dann über Gerechtigkeit sprechen und diejenigen zur Verantwortung ziehen, die jetzt die Menschenrechte verletzen", erklärt die syrische Vertreterin. Die amerikanische Journalistin Antonia Juhasz betont die Bedeutung der "Keep it in the ground"-Bewegung, die darauf abzielt, die Rohstoffe im Boden zu lassen. "Wenn wir das Öl nicht fördern und verbrauchen, reduzieren wir den Einfluss, den diese Rohstoffe und ihr Besitz auf die Weltpolitik haben", erklärt sie.

"Es ist für die Aktivistinnen hier ein Gefühl der Erleichterung und Stärkung, miteinander zu reden, sich vereint zu fühlen", erklärt Jody Williams, die den Anstoß zum Zusammenschluss der weiblichen Preisträgerinnen und der alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz gab. Gemeinsam mit ihr sind vier weitere weibliche Laureaten Teil der Initiative und gegenwärtig zu Gast in Mönchengladbach. Sie alle wurden für ihren furchtlosen Einsatz für den Frieden ausgezeichnet. Shirin Ebadi ist Menschenrechtsanwältin aus dem Iran, Mairead Maguire setzte sich für ein Ende des Nordirlandkonflikts ein. Tawakkol Karman kämpft für Frauenrechte im Jemen, Rigoberta Menchu Tum ist Aktivistin für die Rechte der Ureinwohner in ihrer Heimat Guatemala. Und Jody Williams wurde für ihren Kampf gegen Landminen ausgezeichnet.

Heute beschäftigt sie besonders die gegenwärtige politische Situation in den USA. Hass, Gewalt und abstoßenden Sexismus hat sie nicht nur im Wahlkampf des aktuellen US-Präsidenten Trump ausgemacht. Die Friedensnobelpreisträgerin ist eine Freundin offener, sehr offener Worte, auch über US-Präsident Trump. "Lassen Sie das Fluchen weg", sagt sie dann und grinst. "Meine Mutter meint, das sei nicht angemessen für eine Nobelpreisträgerin." Aber bei ihrer Meinung bleibt sie. "Trump ist schrecklich, aber er ist auch ein Symbol", erklärt sie. "Er steht für einen gewaltigen Rückschlag." Aber die Reaktion der Bürger und gerade der Frauen mache auch Mut. "Der Marsch der Frauen hat mehr als eine halbe Million Menschen aktiviert", sagt Williams. "Die Leute erkennen, dass sie aktiv werden müssen." Das sei inspirierend.

Quelle: RP
 
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