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Mensch Gladbach
Die Narren, die Bananen und die Gretchen-Fragen

Mönchengladbach. Der einzig vollkommen krisensichere Job ist der des Narren. Drei aktuelle Fälle zum Turbo-Schunkeln: Erst kürzt man der Polizei die Stellen, um sich dann zu wundern, dass zu wenig Polizei auf der Straße ist. Man baut schnell Asylbewerberunterkünfte, um sie leer stehen zu lassen. Derweil legt ein Handwerker den Bau des Polizeipräsidiums auf Eis. Einmarsch, Tusch und hoch die Tassen!

Saisonbedingt lasse ich Sie heute auf einem Kalauer in diese Kolumne gleiten: Früher habe ich immer gedacht, eine Bananenrepublik sei ein weit entferntes Land, das vor lauter Bananenverkaufen nicht dazu kommt, seine Infrastruktur gescheit aufzubauen. Heute weiß ich, dass auch Länder, in denen Bananen nicht angebaut, sondern nur ins vegane Müsli gerührt werden, schon mal Probleme mit dem haben, was hinten rauskommt. Also wir zum Beispiel. Wir haben Plätze mitten in der Stadt, über die man Frauen allein nicht schicken mag. Wir haben eine Altstadt, in der es an einem handelsüblichen Wochenende außer Plutonium-Vergiftung so ziemlich jedes Delikt der Welt gibt. Und wir haben Stellen mitten in der Stadt, wo Menschen in aller Öffentlichkeit Drogen derart ungeniert offerieren, als wären es Bananen.

Grundgereizt, wie die Menschen auf ihrer kleinen Insel der Glückseligkeit angesichts der unruhigen Weltenlage gerade sind, fällt all das in diesen Wochen besonders auf. Also singen wir im Chor: Polizei, löse uns diese Probleme! Da ist nix gegen zu sagen - außer natürlich, dass diejenigen, die jetzt am lautesten nach der Polizei rufen, Sicherheit neulich noch für altmodischen Schnickschnack hielten und die schwere Datenschutzkeule schwangen.

Der Laie staunt, und der Fachmann wundert sich. Auch darüber, dass das Land den Asylbewerber-Strom so grottig organisiert. In den Bananenrepubliken erzählen sie sich immer: Organisieren können sie, die Deutschen. Weswegen wir ja nun die vom Land so dringend angeforderte und von der Stadt eigens rasch errichtete Container-Stadt am Nordpark leer stehen lassen. Wenn Sie gerade größere Ansammlungen von Verwandtschaft unterbringen zu haben oder mal NRW-Innenminister werden wollen - ich glaube, da geht was. Ganz vorne sind wir ja auch beim Bau des Polizeipräsidiums, der sich gefühlt seit wilhelminischer Zeit von einer Krise zur nächsten schleppt. Jetzt darf erst mal nicht weitergebaut werden, weil sich ein Handwerker übergangen fühlt und die Gerichte bemüht. Die wiederum sind personell so üppig ausgestattet wie die Polizei, weil, äh, ja, warum noch mal?

Das ist ja in diesen aufgeregten Zeiten sowieso die Gretchen-Frage, und das dann leider auch noch ohne Publikumsjoker. Warum noch freute sich das eine Lager, das eine 15-jährige am Platz der Republik von einem Inder vergewaltigt worden sein sollte? Und warum freut sich nun das andere Lager, dass es wohl doch nicht so war? Weil das Private nun endlich so politisch ist, wie es die 68er immer haben wollten? Weil in Zeiten, in denen der Nebel so dicht ist, sich jeder ständig versichern muss, garantiert auf der richtigen Seite zu stehen?

Anderer Fall, noch mehr Fragen. Warum noch mal darf man das Arbeitslosenzentrum auf gar keinen Fall verlagern? Warum kann man den Menschen nur genau an dieser Stelle und genau auf diese Weise helfen? Warum muss man gleich zum Verschwörungstheoretiker - und praktiker werden, wenn Andersgläubige das anders sehen?

Die Antworten auf diese Fragen könnten Sie noch mehr beunruhigen als die Terrorlage. Darum behalte ich sie lieber für mich. Ich muss jetzt eh zum Karneval. Tusch. Ausmarsch. Und überhaupt.

Quelle: RP
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