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Mönchengladbach
Die Niers soll wieder mäandern dürfen

Mönchengladbach: Die Niers soll wieder mäandern dürfen
Der Niersverband plant, die Niers zu einem grünen Rückgrat für die Stadt Mönchengladbach weiterzuentwickeln (Skizze oben). Unten: das Streichwehr im Bresgespark. FOTO: Niersverband
Mönchengladbach. Im Bereich von Bresgespark und Zoppenbroicher Park soll der Fluss in den nächsten Jahren in mehrere große, geschwungene Schleifen gelegt werden. Niersverband, Stadt und NEW stellten Bürgern jetzt die Planungen vor. Von Eva Baches

Der Bresgespark ist bei vielen Spaziergängern, Radfahrern und Sportlern sehr beliebt. Sie genießen die Wald- und Wiesenflächen - kurz, das Naturerlebnis. Wichtiger Bestandteil ist die Niers. Sie fließt von Norden nach Süden gut 1100 Meter durch den Bresges- beziehungsweise Zoppenbroicher Park. Der aktuelle Wasserverlauf ist Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden. Die Niers wurde damals ausgebaut und in ein begradigtes, trapezförmiges Profil gelegt. Später folgten dann die Parkanlagen und Teiche in den beiden Parks. Genau das soll sich jetzt ändern - und die Niers wieder einen natürlichen Wasserverlauf erhalten.

Dazu sind umfangreiche Maßnahmen nötig. Daher informierten Barbara Weinthal, Fachbereichsleiterin Umwelt bei der Stadt, Engelbert Denneborg, zuständiger Fachplaner, Dr. Wilfried Manheller, Leiter der Abteilung Gewässer und Labor beim Niersverband, sowie Hans Spinnräker, Abteilungsleiter Planung und Bau Abwasser bei der NEW, interessierte Bürgern nun bei einem Gesprächsabend. "Wir wollen die Bürger so früh wie möglich in die Planung mit einbinden", sagte Mannheller. Und der Einladung in den Ratssaal des Rheydter Rathauses waren auch durchaus etliche Bürger gefolgt.

Die Niers soll das Rückgrat der Stadt werden - dies unterstrich der Beitrag von Barbara Weinthal. Die Bedeutung des Flusses reicht bis in die vordere Eiszeit zurück. Im Mittelalter nutzen die Müller die Niers für ihre Mühlen und nahmen hier Eingriffe in den Flussverlauf vor, da das Wasser nicht stark genug war, um ihre Mühlen anzutreiben. "Richtig schlimm wurde es dann durch die Industrialisierung. Die Textilindustrie leitete ihre Abfälle in den Fluss. Das muss zum Himmel gestunken haben", berichtete Weinthal. 1927 gründete sich dann der Niersverband als Reaktion auf die Missstände. Eine weitere Gefährdung geht vom Tagebau aus, da durch die Maßnahmen immer wieder Grundwasser abgepumpt werden muss und demzufolge Ersatzgewässer eingeleitet werden.

Was genau ist nun für voraussichtlich 2019 geplant? Engelbert Denneborg stellte die Ziele vor. Um die Niers naturnah umzugestalten, muss der angestaute Fluss aus seinem angestammten Bett genommen werden. Stattdessen soll er in mehrere große, geschwungene Schleifen gelegt werden: Die beiden Wehranlagen können dann wegfallen, und die Niers erhält somit ihre ökologische Durchlässigkeit wieder. "Damit erfüllen wir unter anderem eine Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie", sagte Denneborg.

Ein wichtiger Aspekt der Maßnahmen ist der Hochwasserschutz. Vielen sind die Starkregen- und Überschwemmungsereignisse von 2008 noch gut im Gedächtnis. Dazu wird das Ufer abgeflacht, Flutmulden und Senken werden eingerichtet. Die Niers erhält eine Anbindung an eine Ersatzaue. Es entsteht ein natürlicher Rückhalteraum für Hochwasserereignisse.

Das Projekt ist Teil des Masterplans Niersgebiet. Darin ist unter anderem vorgesehen, die Einleitung von Regenwasser aus den Stadtgebieten durch die Umgestaltung gewässerverträglich aufzunehmen. Sie ist eine Voraussetzung, um die Leistungsfähigkeit des vorhandenen Regenwasserkanals zu erhöhen und Schäden in der Kanalisation abzuwenden. Soweit die Ziele. Doch es warten auch einige Hindernisse auf die Beteiligten.

"Es ist einiges zu beachten. Wir müssen zum Beispiel die Ferngasleitung berücksichtigen. Es gibt auch einige Flächen, die unter Naturschutz stehen - und es kann sein, dass wir eventuell auf archäologische Funde treffen", erklärte Denneborg. Auch einen weiteren Wermutstropfen sprach er unverhohlen an. "Für die Maßnahmen sind teilweise harte Einschnitte in den Baumbestand nötig. Aber unser langfristiges Ziel rechtfertigt die Eingriffe. Der Retentionsraum trägt zum Hochwasserschutz bei. Die Natur wird sich in einigen Jahren den Raum zurückerobern", sagte Denneborg weiter.

Das sollten auch die Ausführungen von Hans Spinnräker von der NEW belegen. Er zeigte am Beispiel der Renaturierung des Bungtbaches anschaulich, wie es nach den Maßnahmen an der Niers aussehen könnte. Was bewegte die Bürger? Viele der Fragen drehten sich um den Zeitraum während der Maßnahmen und um die Rodung der Waldstücke. "Wie sieht der zeitliche Rahmen aus? Und was geschieht mit den Fuß- und Radwegen während der Baumaßnahmen?", wollte etwa ein Besucher wissen. "Start ist nicht vor 2019. Wir machen noch einige Suchgräben, um archäologische Funde zu sichern. Es wird sicher auch Zeiten geben, wo die Wege zum Teil oder auch gänzlich gesperrt sind", erläuterte Denneborg. "Ist es richtig, dass im Rahmen der Naherholung es nicht mehr möglich sein wird, an der Niers entlangzugehen?", lautete eine weitere Frage. "Dort, wo wir bauen, werden Wege weichen müssen. Aber es werden sich neue Trampelpfade ergeben, und es wird neue Wege geben", die Antwort darauf.

Ein weiteres großes Thema ist der weitgehend verschlammte Teich im Norden des Parks. Er soll zugeschüttet werden. "Könnte man nicht stattdessen ein Feuchtgebiet daraus machen?", regte ein Zuschauer an. Mannheller nahm die Anregung gerne auf. Auch eine andere Zuschauerin äußerte sich besorgt über die Maßnahme: "Ich fände es schade, wenn nur noch ein Gewässer da ist. Es ist für die Menschen und Tiere schöner, wenn es noch ein größeres Gewässer gibt."

Der Tagebau trieb die Bürger ebenfalls um. Hier geht es um die Einleitung von Wasser und die Angst davor, dass das Grundwasser noch weiter absinkt. Doch hier konnten die Beteiligten beruhigen. "Solange der Tagebau besteht, ist Rheinbraun verpflichtet, Wasser zuzuführen", sagte Barbara Weinthal.

Insgesamt verließen die Bürger mit einem guten Gefühl die Veranstaltung. Markus Pakowski und Fred Granderath vom Schiffsmodellbau- Club Mönchengladbach wollten wissen, ob ihr Teich im Zuge der Maßnahmen entschlammt werden kann. "Uns war wichtig zu hören, inwieweit wir betroffen sind und ob das Gewässer entschlammt werden kann. Wir kümmern uns, dass der Teich für unsere Boote befahrbar bleibt", sagte Fred Granderath. "Ich finde es gut, die Bürger rechtzeitig im Vorfeld zu informieren. Mein Mann hat die Pumpen damals noch mit installiert. Es ist auch interessant zu sehen, wie vielschichtig die Lage ist", sagte unterdessen Irmgard Zollmarsch.

Quelle: RP
 
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