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Serie Ökumene Im Lutherjahr - Was Die Konfessionen Verbindet (2)
Die Ökumene ist kein Hobby mehr

Serie Ökumene Im Lutherjahr - Was Die Konfessionen Verbindet (2): Die Ökumene ist kein Hobby mehr
Fünf überzeugte Vertreter der Ökumene in der Mönchengladbacher Innenstadt (v.l.): Gerd Ackers, Peter Blättler, Veronika Beck, Wolfgang Hess und Lothar Beckers. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Die Zusammenarbeit von Katholiken und Protestanten muss aber in Strukturen gegossen werden, um dauerhaft zu sein. Von Angela Rietdorf

"Wir wollen zeigen, dass wir vom Bewusstsein her die eine christliche Kirche sind", sagt Lothar Beckers, Presbyter der evangelischen Christuskirchengemeinde und Mitglied im Ökumeneausschuss der Innenstadtgemeinden Mönchengladbachs. Ein starkes Wort in einem Jahr, in dem der 500. Jahrestag der Reformation begangen wird. Eine christliche Kirche, wo es doch noch immer kein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken gibt und die Signale aus Rom auch nicht auf eine schnelle Einigung schließen lassen? An der Basis ist man offensichtlich weiter, vor allem in Mönchengladbach, wo ein Ökumeneausschuss Grundlagen für ein gemeinsames Bewusstsein schafft.

Die praktische ökumenische Zusammenarbeit hat in der Stadt eine lange Tradition. Projekte wie die Ökumenische Jugendarbeit Eicken oder die ökumenische Altentagesstätte, gemeinsame Kinderbibelwochen und gegenseitige Einladungen zum Gottesdienst belegen das nachdrücklich. Aber auf dieser Basis bleibt das Miteinander dennoch abhängig von den beteiligten Personen. Geht ein Pfarrer in den Ruhestand oder ziehen sich engagierte Ehrenamtler zurück, kann auch die Ökumene in Gefahr geraten, vergessen oder verdrängt werden. Deshalb müssen gemeinsame Strukturen her. "Wir wollten eine höhere Verbindlichkeit", sagt Veronika Beck vom Pfarrgemeinderat St. Vitus. "Weg von der Abhängigkeit von Personen." Die drei Innenstadtgemeinden - St. Vitus auf katholischer Seite, die Christuskirchen- und die Friedenskirchengemeinde auf evangelischer - verabschiedeten 2012 eine Ökumenische Erklärung und gründeten einen Ökumeneausschuss. 2016 schloss sich mit St. Benedikt eine vierte Gemeinde an. Erklärtes Ziel des Ganzen: die Ökumene zu einem festen Bestandteil der Gemeindekonzeptionen zu machen, an dem so schnell nicht zu rütteln ist. "Die Ökumene ist damit kein Hobby mehr", betont Albert Damblon, ehemals Münsterpropst und heute in St. Benedikt tätig.

Wichtig ist zum einen der Austausch im Ausschuss. "Man redet über die konkrete Arbeit, und man lernt voneinander", beschreibt Wolfgang Hess, Pfarrer der Christuskirchengemeinde, die Wirkung. Von Anfang an hatten die Ausschussmitglieder "dicke Brocken vor der Brust", wie der evangelische Pfarrer formuliert. Die Heiligtumsfahrt 2014 nämlich und das Reformationsjahr 2017. Nicht einfach, denn Protestanten tun sich mit Reliquien traditionell schwer, Katholiken mit der Feier der Kirchenspaltung. Aber es geht: Man feierte die Heiligtumsfahrt gemeinsam und unterstrich nachdrücklich die Vision eines gemeinsamen Abendmahls. Es folgte unter anderem ein gemeinsamer Besuch beim Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen in Rom. Man kehrte mit dem Gefühl zurück, dass der Dialog zwar gesucht wird, deutliche Fortschritte aber noch dauern können. Damit wollen sich die Gladbacher Ökumeniker nicht so einfach abfinden. "Die Gemeinden in Mönchengladbach sind weiter als die Kirchenleitungen", stellt Münsterpropst Peter Blättler fest. Die Zeit dränge, erklärt Gerd Acker, Vertreter der evangelischen Friedenskirchengemeinde im Ökumeneausschuss. "Vor Ort spüren wir das stärker. Wir merken auch, dass die Konfession in den Hintergrund tritt."

Als nächsten Schritt haben die evangelischen und katholischen Gemeinden eine Partnerschaftsvereinbarung erarbeitet, die der Ökumene einen noch stärkeren strukturellen Rahmen gibt. Und sie haben ein gemeinsames Ökumenisches Gemeindefest zu Christi Himmelfahrt am 25. Mai geplant, bei dem auch die ganze Vielfalt präsentiert wird. Denn die Ökumene ist bunt. "Wir wollen die Unterschiede nicht einebnen", sagt Blättler. Es gehe vielmehr darum, die Verschiedenheit nicht nur zu tolerieren, sondern anzunehmen und anzuerkennen, ergänzt Lothar Beckers.

Quelle: RP
 
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