| 10.39 Uhr

Mönchengladbach
Die Retterin der Eichhörnchen-Babys

Mönchengladbach: Die Retterin der Eichhörnchen-Babys
Vanessa Rokowski mit Eichhörnchen Lulu. Normalerweise können sich die scheuen Tiere noch nicht einmal merken, wo sie ihre Nüsse versteckt haben. Lulu aber erinnert sich, wer sie groß gezogen hat. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Findelkinder gehören zum Leben von Vanessa Rokowski (17). Bis zu 40 hilflose und zum Teil kranke junge Eichhörnchen werden bei ihr im Jahr zur Pflege abgegeben. Einmal stand aber auch ein kleines dickes Äffchen im Karton vor der Tür. Von Gabi Peters

Urlaub kommt für Familie Rokowski nicht in Frage - auch wenn gerade Osterferien sind. Denn täglich könnten neue Findelkinder abgegeben werden. Drillinge hat Vanessa Rokowski schon mit Fläschchen aufgepäppelt. Ein "Einzelkind" mit verletztem Oberarm bedarf noch weiterer Pflege. Bis zu 40 kleine Patienten werden von der Familie pro Jahr behandelt - aus reiner Tierliebe. Familie Rokowski aus Holt hat nämlich eine Eichhörnchen-Aufzucht-Station. Hier werden kranke und verlassene Tiere aufgenommen, die in der freien Natur sterben würden. Sind die Patienten wieder fit, werden sie ausgewildert. Aber nicht nur Eichhörnchen landen in der Pflegestation, auch so manches andere Tier lag schon im Körbchen vor der Tür der Rokowskis.

Vor allem Tochter Vanessa kümmert sich um die Waldtier-Babys. Mit ihren 17 Jahren ist sie bereits eine echte Expertin. Immerhin rettet sie schon seit fünf Jahren Eichhörnchen. Die Tiere werden bei ihr aufopferungsvoll gepflegt. Die Drillinge, die vor einigen Wochen abgegeben wurden, mussten zum Beispiel alle drei Stunden gefüttert werden. "Mit Schlafen war da nicht viel", sagt die 17-Jährige. Und: "Zum Glück unterstützt mich meine Familie." Anders ginge es auch nicht, denn Vanessa ist noch Schülerin.

Vanessa mit ihrem Vater Dieter Rokowski und den aufgenommenen Frettchen. Eins galt als "Beißer", ist aber bei den Rokowskis handzahm. FOTO: Ilgner

Das Eichhörnchen-Trio war bei Rodungsarbeiten aus dem Nest gefallen, das Muttertier aus Angst vor dem Lärm geflohen. Ein Mann fand die verängstigten Jungtiere und brachte sie nach Holt. Vanessa Rokowski sorgte dafür, dass die Eichhörnchen-Babys satt und gesund wurden. Denn zu allem Unglück litten die Tierchen auch noch an einer Blasenentzündung. Das ist jetzt vorbei. "Vanessa spürt, wenn Tiere krank sind", sagt ihre Mutter. Kein Wunder, dass die 17-Jährige Tierärztin werden will. Zunächst macht sie aber eine Ausbildung zur Tierpflegerin. Etliche Praktika in Tierarztpraxen kann Vanessa schon aufweisen. Deshalb hat sie auch medizinische Grundkenntnisse. Zum Glück gibt es aber auch noch Tierarzt Burkard Sudhoff. Er ist für Familie Rokowski und ihre Schützlinge jederzeit erreichbar.

Die Liebe zu Tieren und speziell zu Eichhörnchen hat Vanessa von ihrem Vater Dieter Rokowski quasi geerbt. Er fand vor 36 Jahren ein kleines hilfloses Eichhörnchen. "Ich habe versucht, es aufzuziehen, und es hat geklappt." Als Dieter Rokowski es wieder in die Freiheit entließ, wollte es nicht weg. Es blieb immer in der Umgebung des Hauses. Später lernte der Tierliebhaber auch Eichhörnchen-Züchter kennen und erfuhr viel über die Tiere. Zeitweise hat auch Dieter Rokowski Eichhörnchen gezüchtet. "Lulu" ist ein Produkt aus dieser Zeit. Das Eichhörnchen wurde von Vanessa Rokowski beigefüttert, weil es das kleinste aus einem Wurf war und zu wenig Muttermilch bekam. Seitdem ist die 17-Jährige Eichhörnchen-Mutter. Die scheuen Waldtiere bauen normalerweise keine Beziehung zu Menschen auf. Bei Lulu ist das anders. Wenn Vanessa Rokowski Lulu aus dem Stall holt, krabbelt das Eichhörnchen sofort auf die Schulter, knabbert am Ohr der 17-Jährigen, wühlt ihr durch die Haare und gibt "Küsschen".

Diese Kleinen wurden von Vanessa aufgezogen und wieder ausgewildert. FOTO: Rokowski

Zum Haushalt der Rokowskis gehören nicht nur Eichhörnchen. Eines Tages fand die Familie einen Karton mit einem kleinen dicken Äffchen vor der Tür. Es war in einem erbärmlichen Zustand. "Das Tier hatte wohl noch nie einen Ast gesehen und konnte nicht klettern", erzählt Dieter Rokowski. Die Familie kümmerte sich um den kleinen Affen. Dann machte sie sich auf die Suche nach einer neuen artgerechten Unterkunft für das Tier. Doch niemand wollte den dicken Affen. "Ich habe schließlich mit dem Veterinäramt gesprochen und gesagt, zur Not übernehmen wir das Tier. Man hatte nichts dagegen. Also haben wir einen zweiten Affen aus dem Tierpark übernommen. Von diesem Tier hat unser Äffchen gelernt. Es kann jetzt klettern und ist auch wieder schlank", berichtet Dieter Rokowski.

Eichhörnchen und Affen - die Liste der Rokowski-Tiere ist noch länger: Zum Haushalt gehören außerdem ein Hund, Katzen, Tauben, Kaninchen, Hühner, Vögel, Chinchillas, Hamster, Hühner und ein Reh. Gott sei dank sind Haus und Garten groß genug, um Volieren, Gehege, Ställe und Wärmstationen in ausreichender Größe unterzubringen. Rund 150 bis 200 Euro gibt die Familie pro Woche für Futter aus. Dazu kommen die Tierarztkosten. Vanessas gibt ihr Taschengeld gerne dafür aus. Und wenn das nicht reicht, was es meistens nicht tut, hilft Papa. Die Arbeit der Familie für die Tierhilfe ist ehrenamtlich. Geld dafür gibt es nicht. Höchstens einmal eine Futterspende - ab und zu.

Bis August werden die Rokowskis noch viele Eichhörnchen in Not bekommen. Denn bis dahin ist Jungtierzeit, und es kommt immer wieder vor, dass Kobel - also Eichhörnchennester - zerstört und Muttertiere vertrieben werden. Wer hilflose kleine Eichhörnchen-Babys am Boden sieht, sollte sie eine Zeit lang beobachten, rät Dieter Rokowski. Ist das Muttertier auch nach anderthalb bis zwei Stunden nicht zurückgekehrt, sollte der Nachwuchs mitgenommen und zu einer Aufzuchtstation gebracht werden. Ein Körbchen mit kleiner Wärmflasche und Decke zum Wärmen tut den Kleinen gut. Und nicht erschrecken, wenn die Jungtiere im Wald plötzlich an den Hosenbeinen hochklettern. "Die haben keine Tollwut, wie viele oft denken, die suchen nur Hilfe", weiß Vanessa Rokowski.

Die Eichhörnchen-Station in Holt ist unter der Rufnummer 01578 7089253 zu erreichen. Weitere Telefonnummern sind im Internet zu finden. Auch der NABU verweist auf die Holter Station.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Die Retterin der Eichhörnchen-Babys


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.