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Mönchengladbach
Die schlechte Seite des guten Arbeitsmarktes

Mönchengladbach: Die schlechte Seite des guten Arbeitsmarktes
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (v.l.), Karl Boland und Gülistan Yüksel höre zu, als Karl Sasserath das Arbeitslosenzentrum erklärt. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles diskutiert beim Besuch im Arbeitslosenzentrum mit den Gastgebern, der Awo und dem Volksverein über neue Arbeitsmodelle. Von Angela Rietdorf

Andrea Nahles kommt pünktlich und geht pünktlich, denn die Arbeits- und Sozialministerin hat einen randvollen Terminplan in NRW abzuarbeiten. Aber während sie im Arbeitslosenzentrum an der Lüpertzender Straße ist, ist sie voll bei der Sache und lässt sich auf die Diskussion mit Vertretern sozialer Einrichtungen wie dem Volksverein, der Neuen Arbeit, der Awo und natürlich dem Arbeitslosenzentrum ein.

Die Arbeitsministerin kommt an diesem Donnerstag auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Gülistan Yüksel, um sich über die Situation in der Stadt zu informieren. Karl Sasserath stellt das Konzept des Arbeitslosenzentrums vor und erklärt die Kombination von Beratung, Bewerbungshilfe und Mittagstisch. Der Mittagstisch sei einem Kantinenbetrieb nachgebildet, sagt Sasserath, schaffe Gemeinschaft und vermeide Stigmatisierung. Nahles zeigt sich beeindruckt. "Das ist etwas Besonderes", sagt sie. "Es geht schließlich um Würde." Und sie sagt zu, ein Forschungsprojekt zu unterstützen, das vom Arbeitslosenzentrum und der Hochschule Niederrhein auf den Weg gebracht werden soll und sich mit dem Zusammenhang von Arbeitslosigkeit, Ernährung und Gesundheit beschäftigen wird.

Der Mönchengladbacher Arbeitsmarkt leidet paradoxerweise unter den guten bundesweiten Arbeitsmarktdaten. Es gibt viele Arbeitsplätze, ja, und in manchen Regionen werden händeringend Fachkräfte gesucht. Aber es gibt auch eine Gruppe, die der Boom nicht erreicht: die Langzeitarbeitslosen. Und diese in Mönchengladbach stark vertretene Gruppe wird leicht vergessen, weil die Entwicklung eigentlich so gut ist. Uwe Bohlen als Vertreter der Awo formuliert das so: "Die Verbesserung der Arbeitslosenzahlen ist für uns schlecht." Weil kein Handlungsdruck erzeugt wird.

Nahles hofft, ein Programm durchzusetzen, das locker zwei Milliarden Euro kostet. Der öffentliche Beschäftigungssektor soll reaktiviert werden mit 100.000 Jobs für Langzeitarbeitslose. "Wir müssen diesen Menschen auch Angebote machen können", sagt sie. Das Programm zielt besonders auf Alleinerziehende ab. Die brauchen allerdings zusätzlich noch Betreuungsangebote für ihre Kinder. Neben einer Ausweitung der Betreuungszeiten der Kitas gibt es aber noch andere Möglichkeiten: "Wir versuchen zum Beispiel die Arbeitsabläufe umzugestalten, damit Alleinerziehende nicht schon um sechs, sondern erst um acht Uhr morgens anfangen können", erklärt Awo-Vorstand Bohlen. Das sei nicht so einfach, aber sinnvoll. Andrea Nahles springt auf das Thema an. "Wir schaffen Experimentierräume in kleinen und mittelständischen Unternehmen", sagt sie. In diesem Jahr gehe es um neue Arbeitsformen. Die Awo solle da bitte mitmachen.

Schließlich kommt die Ministerin auf ihr Gegenmodell zum bedingungslosen Grundeinkommen zu sprechen, das Erwerbstätigenkonto. "Jeder Arbeitnehmer über 18 hat ein Startguthaben für Auszeiten", erklärt sie die Idee. Diese Auszeit könne für die Gründung eines Unternehmens genutzt werden, für die Fortbildung oder für das Ehrenamt.

Quelle: RP
 
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