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Mönchengladbach
Die Schützen-Wikinger trotzten der Kälte

Oberbürgermeister empfängt die Schützen
Oberbürgermeister empfängt die Schützen FOTO: Kricke
Mönchengladbach. Es war usselig wie im November. Dennoch kamen 10 000 Besucher allein zur Parade des Stadtschützenfestes. Sie erlebten Wundersames wie bärtige Wikinger, einen taktsicheren Kindermajor und einen schlagfertigen Lothar Erbers. Von Ralf Jüngermannun Christian Lingen

Regionaldekan Ulrich Clancett zupfte an seiner Jacke und blickte auf die Regenwolken. "Wir hatten schon Weihnachtsfeste, an denen es wärmer war", sagte er bei der Parade. Wohl wahr! Bezirksbundesmeister Horst Thoren wärmte sich am Schützenfest-Wochenende die klammen Hände zwischendurch an einem Becher mit warmen Kakao und schaute stolz auf die Menschenmenge an der Hindenburgstraße: "Diese Solidarität mit den Schützen bei so ungemütlichem Wetter - das ist etwas Wunderbares."

Stadtschützenfest 2015: Das war die Parade FOTO: Kricke

Wunder gab es reichlich an diesem Schützenfest-Wochenende. Erst trotzte der Holzvogel manchem physikalischen Gesetz. Dann erkannte die frühere Bürgermeisterin Renate Zimmermanns, die nach langer Krankheit wieder dabei war und deshalb von vielen besonders freudig begrüßt wurde, ihren Mitstreiter neben sich nicht. Helm, rote Haare, dichter Kunstbart. Beherzt hob Zimmermanns den Bart nach oben - und sah, dass er im Gesicht von Stephan Schippers, dem Borussia-Geschäftsführer, klebte. Die Wikinger waren los an diesem Brauchtumswochenende. Horst Thoren, der gerne Historie, die zumindest theoretisch so hätte passieren können, beim Stadtschützenfest lebendig werden lässt, bekannte freimütig: "Ich weiß eigentlich auch nicht so genau, ob die Wikinger wirklich hier waren."

Gestern waren sie es. Und es war eine ordentliche Gaudi. Nicht nur für Lokalprominente wie Schippers, Bürgermeister Michael Schroeren oder Karnevalist Hans-Peter Jansen. Sondern auch für die drei Jungs Paul und Konrad Joeres und Tom Kremer, die in Wikinger-Klamotten vornweg in einer Pony-Kutsche fuhren. Überhaupt die Kinder! Selten sah man so viele, die erkennbar so viele Freude am großen Schützenfest hatten. Der dreijährige Maximilian Odenkirchen zum Beispiel, der als Kindermajor das Bundesschützen-Tambourcorps "Mit vereinten Kräften" aus Wickrath mit eigenem kleinen Küs mitdirigierte und dabei exakt das nachmachte, was der große Major Christian Engels tat. Das war so süß, dass mancher Ehrengast auf der Tribüne schnell das Handy zückte und die Videofunktion anwarf. Die jüngste Zugteilnehmerin Nele aus Hardterbroich musste noch nicht mitmarschieren - weil sie noch gar nicht laufen kann. Sie wurde von ihrer Mama getragen. Im Vergleich dazu ist Bent Klenner schon ein richtig großer Junge. Der Dreijährige trug voller Stolz seine Kirmestrommel um den Hals. Und Max (2), der Enkel von Ex-Bürgermeisterin Monika Bartsch, winkte den Reitern freundlich zu.

Stadtschützenfest in Mönchengladbach

Derweil hatte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners nicht Kinder zu zähmen, sondern - viel schlimmer - General Lothar Erbers. Der antwortete bei der offiziellen Anmeldung der Parade auf Reiners' Frage, ob denn alle auch genug Speis und Trank bekommen hätten: "Mit Verlaub, die Truppe ist in hervorragendem Zustand. Ich würde mir wünschen, dass der Funke dieser Truppe auch auf Ihre Abteilungen überspringen würde." Da prusteten die Zuschauer am Straßenrand. Den weitesten Weg zur Parade hatte wohl Franz de Teba auf sich genommen. Der Spanier, der sein Herz an Mönchengladbach verloren hat, lebt inzwischen in Ostfriesland. Aber zum Stadtschützenfest aber setzt er sich selbstverständlich die 350 Kilometer pro Strecke ins Auto.

Der feierlichste Moment des Schützen-Wochenendes war die Krönungsmesse. Weil es so kalt war, zogen die Schützen früher als geplant in die prall gefüllte Münster-Basilika. Darum musste die St.-Barbara-Bigband, die den Gottesdienst musikalisch begleitete, überbrücken. Besonders freuten sich die Schützen, dass ihr Präses Johannes van der Vorst nach überstandenem Krankenhausaufenthalt dabei war. Er krönte den neuen Bezirkskönig, seine Minister sowie die Jungmajestäten und deren Minister und Ritter. Regionaldekan Ulrich Clancett sprach in seiner Predigt die 200 Flüchtlinge an, die heute in Mönchengladbach erwartet werden. "Wenn sie vor den Toren der Stadt stehen, dann lassen wir sie hinein. Einfach weil sie da sind." Die entstehende Solidarität könne die Stadt voranbringen.

Mit dem 300. Schuss zum Bezirkskönig FOTO: Ilgner Detlef

29 Fahnen und Standarten standen im Altarraum des Münsters. Als die Messe zu Ende war, zogen die Schützen unter den Klängen von "Oh Happy Day" aus der Münster-Basilika aus. Und kein Lied hätte besser die Stimmungslage der Brauchtumsfreunde wiedergeben können. Regen? Kälte? Stadtschützenfest!

Quelle: RP
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