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Redaktionsgespräch Annette Bonin
"Die Stadt macht sich nicht mehr schlecht"

Redaktionsgespräch Annette Bonin: "Die Stadt macht sich nicht mehr schlecht"
FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Die planungspolitische Sprecherin der CDU spricht über den Rathaus-Neubau, die Zusammenarbeit von Architekten und Stadt, sozialen Wohnungsbau und ihre verhinderte Landtags-Kandidatur.

Wie beurteilen Sie als Planungspolitikerin das Jahr 2016? Was hat sich getan? War es ein gutes Jahr?

Annette Bonin Ja, wir sind in diesem Jahr gut vorangekommen. Beim Maria-Hilf-Gelände sind Entscheidungen getroffen und die Termine für das weitere Vorgehen festgelegt worden. Mit der City Ost und auch mit Haus Westland geht es voran. Beim Haus Westland ist ein städtebaulicher Wettbewerb gestartet , bei dem auch Ideen für den Bunker neben dem Hauptbahnhof gefragt sind. Wir kommen gut weiter, es läuft alles rund. Wir müssen jetzt aber auch dran bleiben, und zwar finanziell, politisch und auch personell. Auf der Planungsebene haben wir genug gute Leute, in der Umsetzungsebene müssen wir uns strecken. Da fehlt Personal.

Was wird aus Ihrer Sicht das Top-Projekt des kommenden Jahres?

Bonin Da fallen mir zwei Projekte ein: einmal die City Ost, für die eine Interessentenausschreibung läuft, und zum anderen das geplante neue Rathaus. Beim Rathaus geht es in die konkrete Voruntersuchung. Wir brauchen Vorstudien, die die Frage klären, ob wir tatsächlich alle Mitarbeiter am gleichen Standort konzentrieren können oder ob es eine Grenze gibt. Wir müssen das mit Sinn und Verstand angehen. Gleichzeitig müssen Ablaufpläne entwickelt werden. Wann wird was geräumt? Und schließlich bedeuten die geplanten flexiblen Arbeitsplätze mit noch zu definierender Quote, dass die Stadtverwaltung sich umorganisieren muss. Das ist keine einfache Aufgabe, genauso wie das Bauen im Bestand am Standort Rheydt. Insofern sind beide wichtige Teile des Projekts.

Was würden Sie jemandem antworten, der fragt, warum das Verwaltungsgebäude Oberstadt nicht saniert wird? Privatleute schaffen es ja schließlich auch, ihre Immobilien energetisch zu sanieren.

Bonin Ich würde ihm oder ihr erst einmal zu einem Besuch im Gebäude raten. Es gibt Immobilien, die sind nicht für die Ewigkeit gebaut. Umbau und Sanierung sind zwar möglich, aber nicht sinnvoll. Das ist wie beim Auto. Das kann man auch sehr, sehr lange am Laufen halten, aber irgendwann ist das sehr viel teurer als ein neues zu kaufen. Man muss auch bedenken, dass das Verwaltungsgebäude Oberstadt gebaut wurde, als es noch keine Computer gab. Die Telefone hatten noch Wählscheiben und es wurde in Einzelbüros gearbeitet. Seitdem hat sich der Arbeitsalltag sehr gewandelt. Deshalb ist ein Neubau sinnvoll, zumal man jetzt das dann freiwerdende Gelände in die städtebaulichen Planungen für die Oberstadt einbeziehen kann.

Seit einiger Zeit herrscht eine andere Gesprächskultur zwischen den Architekten und Planern: Wie erleben Sie dies?

Bonin Als selbstständige Architektin bin ich auch Mitglied in der Architektenschaft MG und auch im Vorstand aktiv. Ich denke, dass der Masterplan zu der Veränderung beigetragen hat. Seitdem wird der Beitrag örtlicher Akteure akzeptiert und wertgeschätzt. Deshalb haben auch die freien Architekten Lust, etwas für ihre Stadt zu tun. Sie glauben wieder, dass man etwas verändern kann.

Die Stadt bedient sich bei den Workshops zum Berliner Platz und zur Oberstadt der Kompetenz der Architektenschaft.

Bonin Ja, und das bringt die Stadt voran. Es gab Zeiten, da fehlte das Bewusstsein für architektonische Qualität. Als Architekt konnte man nur schwer den Kunden mit dem Qualitätsargument überzeugen. Das hat sich geändert. Deshalb opfern die Architekten gern ihre Zeit und bringen in Workshops Ideen ein. Gleichzeitig ist jeder Kollege auch noch anderswo aktiv, zum Beispiel am Schillerplatz, in Waldhausen oder im Rahmen der Sozialen Stadt Rheydt und wirkt als Multiplikator.

Die Beziehungen zum Bauamt waren zeitweise sehr angespannt.

Bonin Ja, der Höhepunkt war erreicht, als man tatsächlich ständig vor verschlossenen Türen stand. Es ist aber besser geworden. Es gibt Engpässe, aber die gibt es überall. Es fehlt einfach Fachpersonal. Ende letzen Jahres wurden überall Unmengen von Bauanträgen eingereicht, weil 2016 die neue Energieeinsparungsverordnung in Kraft trat. Da hat man erst nach einem halben Jahr eine Eingangsbestätigung bekommen. Der Mangel an Fachpersonal wird durch Krankheitsfälle noch verstärkt. Und dann werden gute Leute auch noch abgeworben.

Es gibt interessante Ansätze der Architektenschaft für eine Neugestaltung der oberen Hindenburgstraße. Gibt es hier 2017 den Durchbruch?

Bonin Es werden von vielen Seiten ad-hoc-Maßnahmen gefordert, die die Situation schnell verbessern. Ich sehe nichts Durchgreifendes, was sich schnell umsetzen ließe. Man kann Zeichen setzen, aber das ist nichts, was die Entwicklung sofort stoppt. Ab 2019 sieht das anders aus: Dann fließen die Gelder für das integrierte Handlungskonzept. Es gibt aber erfreulicherweise jetzt Gespräche zwischen Stadt und Hauseigentümern an der oberen Hindenburgstraße. Das sind örtliche Akteure. Da kann sich etwas bewegen.

Brauchen wir mehr sozialen Wohnungsbau in der Stadt? Und wenn ja, wo?

Bonin Der Mietspiegel in Mönchengladbach ist noch immer niedrig. Es fallen zwar jedes Jahr Wohnungen aus der Mietpreisbindung, aber das heißt ja nicht, dass die Mieten dann direkt steigen. In Gladbach kann man nicht alles zu jedem Preis vermieten, das gibt der Markt gar nicht her. Andererseits gibt es Wohnungen, die nur noch vermietet werden, weil sie als Sozialwohnungen eine niedrige Grundmiete haben. Auf die Nebenkosten, die dort zum Teil sehr hoch sind, wird nicht geachtet. Da wäre es nötig, sich auch mal von Objekten zu trennen, um den Markt zu bereinigen. Wenn neu gebaut würde, dann gut über die Stadt verteilt, damit keine Ghettos entstehen.

Es gibt Anstrengungen in der Politik, EWMG, Kreisbau, und GWSG als städtische Töchter mehr für städtische Projekte zu nutzen.

Bonin Ja, es ist sinnvoll, sich stärker dieser Gesellschaften zu bedienen. Die GroKo ist sich da einig. Wir sollten das dort vorhandene Wissen nutzen und in besondere Projekte einfließen lassen, beispielsweise beim barrierefreien Bauen.

Auch in Rheydt tut sich momentan viel auf dem Immobilienmarkt. Der Geneickener Bahnhof ist verkauft, der Güterbahnhof wird gerade versteigert. Vermietungen ziehen an. Ein Trend?

Bonin Die Entwicklung freut mich sehr. Sie zeigt, dass das Vertrauen in den Immobilienstandort da ist. Die Stadt macht sich auch nicht mehr selber schlecht wie früher.

Der Weihnachtsmarkt startet auf dem Alten Markt, in Rheydt und auf dem Sonnenhausplatz. Gehen Sie hin?

Bonin Ich werde sie mir sicher ansehen. Ich habe mich grundsätzlich für einen Weihnachtsmarkt auf dem Sonnenhausplatz eingesetzt. Ich fände es aber auch gut, wenn es ein Konzept gäbe, wie sich die Weihnachtsmärkte weiterentwickeln könnten. Es wäre vorstellbar, die Abteistraße hoch Richtung Haus Erholung einzubeziehen. Das wäre eine wunderbare Kulisse. Dazu sollten sich Citymanagement und Stadtmarketing an einen Tisch setzen.

Moschee Mittelstraße: Die CDU hat im jüngsten Bau- und Planungsausschuss Fragen an die Verwaltung gestellt. Ist bei den Moscheeplänen etwas schief gelaufen? Muss da etwas rückentwickelt werden?

Bonin Der Vorgang stammt schon aus den Jahren 2011 und 2013. Das ist alles kein Geheimnis. Eine Rücknahme der Baugenehmigung ist rechtlich äußerst schwierig und wäre wenn überhaupt nur aus nur aus fachlichen Gründen möglich.

Sie hatten sich für ein Landtagsmandat beworben. Sind Sie enttäuscht, dass es nicht geklappt hat?

Bonin Nein, eigentlich nicht. Es wäre sicher eine interessante Aufgabe und ich habe auch beispielsweise über die Frauenunion Kontaktpunkte zur Landespolitik. Aber meine Bewerbung war zu spontan und strategisch nicht platziert. Das ist mir klar. Ich trauere dem nicht nach. Ich finde meine hiesigen Aufgaben sehr spannend.

ANDREAS GRUHN, ANGELA RIETDORF UND DIETER WEBER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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