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Mönchengladbach
Die Teich-Retterinnen vom Katharinenhof

Mönchengladbach: Die Teich-Retterinnen vom Katharinenhof
Seit mehreren Jahren kämpfen (v.l.) Gerlinde Hölterscheidt, Renate Plonske-Menke und Marlies Winkler für den Bauernteich am Katharinenhof. Es gab zahlreiche Nackenschläge für das Trio. Jetzt haben die drei Damen ihr Ziel erreicht: Das Biotop in einer idyllischen Grünanlage ist gerettet. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Der Bauernteich in einer kleinen, idyllischen Grünanlage ist für drei Damen ein Stück Heimat, für das sie seit Jahren kämpfen. Von Dieter Weber

Sie legen für das Foto ihre Hände auf die Schulter der jeweils anderen. So, als wollten sie zeigen: Wir sind ein Team, wir stehen zusammen. Und als die RP-Fotografin auf den Auslöser ihrer Kamera drückt, sagt Renate Plonske-Menke: "Lasst uns Zähne zeigen. Wir haben ja auch bei unserer Teichrettung Zähne gezeigt." Marlies Winkler, Gerlinde Hölterscheidt und Renate Plonske-Menke haben sich nie unterkriegen lassen. Nicht von Tiefschlägen, als der Bohrer nach 70 Metern endlich auf Wasser stieß und dieses nicht nutzbar war. Nicht einmal von einem juristischen Streit mit zwei Nachbarn, die den Rettungsweg nicht mittragen wollten. Jetzt ist das Trio am Ziel: Sie haben den Teich am Katharinenhof erhalten und verhindert, dass er "trocken fällt", wie die Fachleute sagen. In Kürze werden wieder Enten auf dem Wasser des Biotops schwimmen, Fische sollen eingesetzt werden, und man hofft auf die Rückkehr des Eisvogels.

Der Teich am Katharinenhof liegt auf einem städtischen Gelände und gehört zu einer idyllischen öffentlichen Grünanlage mit einem kleinen Wäldchen. Die Wohnanlage, in der die Damen leben, grenzt an, auf der anderen Seite sind schmucke Einfamilienhäuser. "Kinder ließen früher auf dem Teich Bötchen fahren, überquerten ihn auch schon mal mit einem Floss. Das ist hier wie ein kleines Paradies, das viele Spaziergänger genießen", erzählt Marlies Winkler. Für sie und ihre Nachbarinnen war es ein Schlag, als die Stadt vor rund drei Jahren erklärte: "Das Wasser des Teichs läuft ab. Und wir haben kein Geld, den Weiher zu erhalten und werden ihn mit Kies und Erde zuschütten." Offenbar ist die Tonschicht, die viele Jahrzehnte wie ein festsitzender Stöpsel wirkte, mittlerweile rissig - eine Insel war damals schon entstanden, und am Ufer war es sumpfig.

Eine Parkanlage ohne Teich - für das Trio war und ist dies undenkbar. Sie gründeten die Initiative "Rettet den Bauernteich am Katharinenhof". Die Damen legten der Stadt ihren Rettungsplan vor: Sie wollten einen Brunnen bis zum Grundwasser bohren lassen, damit regelmäßig Wasser in das Biotop gepumpt werden kann. Und sogar ein Finanzierungsmodell hatten sie entwickelt: Sie wollten den damals gerade neu von der Stadt aufgelegten Fördertopf für bürgerschaftliches Engagement nutzen und ihren Eigenanteil über Spenden hereinholen.

Das gelang. Die Nachbarn gaben reichlich - auch sie wollten in der Mehrzahl, dass der Bauernteich gerettet wird. Naturschützer und Parteien überwiesen Geld. Mit dem CDU-Ratsherrn Karl-Heinz Schiffer fanden die drei Frauen zudem einen Unterstützer, der sie fortan bei allen weiteren Schritten beriet und ihnen mit seinen Kontakten half. "Er war immer an unserer Seite, wenn wir Unterstützung brauchten", sagt Marlies Winkler. Und dann irgendwann war so viel Geld auf dem Spendenkonto, dass ein Brunnenbohr-Unternehmen bestellt werden konnte. Das Trio wähnte sich endlich dicht vor dem Ziel.

Die Firma stellte ein Gerüst auf, der Bohrer fraß sich Meter um Meter in den Boden. Bei 20 Meter stieß er auf eine Wasserader, die sich laut Bodenuntersuchungen auch hier befinden sollte. Doch die Ernüchterung folgt bald. Die Ader erwies sich als so unergiebig, dass es für nur wenige Teichfüllungen gereicht hätte. Der Bohrer arbeitete sich weiter vor. Bei 70 Metern hieß es erneut: "Hier ist Wasser!" Als das Nass nach oben befördert wurde, erkannten die Fachleute sofort: Es war stark eisenhaltig und als Teichwasser nicht nutzbar. Der nächste Nackenschlag für die drei. Das Bohr-Unternehmen brach daraufhin die Arbeiten ab: Die Kosten waren erheblich, das Ergebnis kümmerlich.

Aber gemeinsam mit Schiffer entwickelten die Teichretterinnen den nächsten Plan: Sie wollten das Regenwasser der Wohnanlage sammeln und es über Rohre gezielt in den Teich leiten. Und sollte es lange Trockenperioden geben, wollten sie Wasser zuführen. Das funktioniert, erklärten Experten. Dann gab es Ärger mit Nachbarn, die Sache landete vor Gericht. Das Ganze war nervenaufreibend und unerfreulich. "Ich wollte nie etwas mit einem Gericht zu tun haben. Und dann so etwas", sagte Renate Plonske-Menke. Das Trio machte trotzdem weiter, am Ende gab es eine Lösung.

Von den Spenden ist noch so viel Geld übrig, dass es für mehrere außerplanmäßige Teich-Füllungen reicht. Ein Nachbar will demnächst Fische einsetzen. Ein Eichelhäher hat das kleine Paradies zur Heimat erkoren. Und vielleicht kommt auch der Eisvogel zurück. "Wir hatten mal drei Exemplare hier", erzählt Marlies Winkler. Und wenn sie mit ihren Mitstreiterinnen am Teich steht, bleiben immer wieder Spaziergänger stehen. "Wir hören oft: ,Ach, wie schön ist das hier! Es ist gut, dass sie den Teich gerettet haben", sagt Gerlinde Hölterscheidt. Der Weg dahin war lang, hart - aber lohnenswert.

Quelle: RP
 
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