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Mönchengladbach
Die ungesüßte Suche nach sich selbst

Mönchengladbach. 15 Studenten der Kulturpädagogik stellen im BIS ihr Theaterstück "Ungesüßt - Ein Zuckerstück" vor. Sie haben alles in Eigenregie gemacht - Dialoge, Kostüme, Maske und Bühnenbild, Tanz- und Musikeinlagen, Regie, Beleuchtung und Ton. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Es gibt Momente, da wünscht man sich, um einiges jünger sein und nochmals studieren zu können. Am besten Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein. Denn dann könnte man am "Indoor-Projekt" des 2. und 3. Semesters teilnehmen.

14 Kulturpädagogikstudentinnen und ein Kulturpädagogikstudent hatten in dieser Woche den Theatersaal des BIS zum Zweitwohnsitz gemacht, um ihrem Tanz-Theaterprojekt "Ungesüßt - Ein Zuckerstück" den letzten Schliff zu geben, das Bühnenbild zu perfektionieren und schließlich die letzten Proben abzuhalten. Die Stimmung ist locker, heiter - Nervosität mag da sein, wird aber professionell weggelacht.

Der Studiengang Kulturpädagogik arbeitet mit dem pädagogischen Ansatz der Projektarbeit, der ursprünglich aus der Arbeit an Schulen stammt. Für die Hochschule bedeutet sie eine Arbeitsform, bei der "die Teilnehmenden Thema, Ziele, Verlauf und Endresultat des künstlerischen Prozesses weitestgehend selbst bestimmen".

Unter den Professoren Dr. Felicitas Lowinski, Schwerpunkt Spiel, Bewegungstheater, Tanz und Inszenierung, und Dr. Jürgen Weintz, Schwerpunkt Theorie und Praxis der Kultur- und Theaterpädagogik, entwickelten die Studierenden unter dem Arbeitstitel "Alles bleibt neu - Umbrüche, Aufbrüche, Durchbrüche" über zwei Semester das Bühnenstück, dem sie den Titel "Ungesüßt" gaben.

Das Besondere: Die 15 Studierenden im Alter zwischen 21 und 44 Jahren erarbeiteten alles in Eigenregie: Dialoge, Kostüme, Maske und Bühnenbild, Tanz- und Musikeinlagen, Regie, Beleuchtung, Ton und Pressearbeit alles in Eigenarbeit und nach demokratischen Prinzipien - die Professoren begleiteten sie dabei.

Jetzt also wurden einzelne Szenen noch einmal geprobt. Alle sind an ihrem Platz auf der Bühne, die "Barszene" steht an. Auf das Kommando von Felicitas Lowinski verwandeln sich die Studierenden mit ihren fantasievollen Kostümen in mondäne Barbesucher. Sie plaudern, trinken und beobachten einander, die Barkeeper albern herum, bis eine Fremde die Bar betritt. Plötzlich verändert sich die Atmosphäre. Es wird nachdenklich, philosophisch. Die Barszene ist einer der letzten Akte des Stücks, das aus elf Szenen besteht.

Aus dem ursprünglichen Thema ist eine Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft entstanden. Die Suche nach sich selbst gegen den Druck der Gesellschaft steht im Mittelpunkt. Am Ende, so heißt es im Programmheft, soll das "Ich ohne Zusätze, das pure, ungesüßte Ich stehen".

Theorie und Praxis, so die Studierenden, seien in dem Projekt nahtlos ineinander übergegangen. Aus einer Schreibwerkstatt beispielsweise seien die Texte hervorgegangen. Über alle Vorschläge sei abgestimmt worden - manchmal eine anstrengende Sache. Am eigenen Leib erfahren sie, wie es geht, ein Kulturprojekt von Anfang bis Ende durchzuführen. Besser kann Lernen gar nicht funktionieren.

Weintz und Lowinski sind sichtbar mit Herzblut bei ihren Studierenden und dem Projekt, dem "Herzstück" des Studiengangs Kulturpädagogik. Für sie ist es das dritte Projekt dieser Art, und immer wieder sind sie begeistert von dem individuellen Prozess und der Dynamik, die die Projekte auszeichnen. Keiner kann alles können, aber jeder Studierende kann seine individuellen Talente und Fähigkeiten einbringen und dadurch das Projekt zum Gelingen bringen.

Das Stück "Ungesüßt - Ein Zuckerstück" wird heute und morgen jeweils um 20 Uhr im BIS-Kulturzentrum an der Bismarckstraße 99 aufgeführt.

Quelle: RP
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