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Serie Ökumene Im Lutherjahr - Was Die Konfessionen Verbindet (3)
Die ungewöhnliche Neuwerker Lösung

Serie Ökumene Im Lutherjahr - Was Die Konfessionen Verbindet (3): Die ungewöhnliche Neuwerker Lösung
Tim Eickels (l.) und Till Hüttenberger. Der evangelische Geistliche ist Präses der Neuwerker Junggesellen-Bruderschaft. Das ist eine ungewöhnliche ökumenische Verbindung, funktioniert allerdings sehr gut. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Eine katholische Junggesellenbruderschaft mit evangelischem Präses? Nur außerhalb von Neuwerk weckt das Erstaunen. Von Angela Rietdorf

Neuwerk Es gibt Bruderschaften. Und es gibt Schützenvereine. Und dazwischen gibt es Unterschiede. "Wir sind keine Sportschützen", sagt Tim Eickels entschieden. Er ist 26 Jahre alt, BWL-Student und Präsident der St.-Maria-Junggesellenbruderschaft Neuwerk-Kloster. Was Bruderschaften von den Schützenvereinen unterscheidet, ist die kirchliche Bindung. Damit sie ihre christlichen Wurzeln nicht vernachlässigen, haben sie traditionell einen Präses, einen geistlichen Begleiter, meist den katholischen Pfarrer des Ortes. Die Neuwerker Junggesellen gehen einen anderen, einen ökumenischen Weg: Sie haben mit Pfarrer Till Hüttenberger einen evangelischen Präses.

Ungewöhnlich? "Ja, außerhalb von Neuwerk schmunzeln die meisten, die davon hören", gibt Pfarrer Hüttenberger zu und lächelt selbst. "Aber in Neuwerk ist das eine Selbstverständlichkeit." Die vermutlich einzigartige Konstellation geht auf das Jahr 2004 zurück, als der bisherige katholische Pfarrer Neuwerk verließ. "In Absprache mit den katholischen Kollegen wurde dann mein Vorgänger Karl Hesse zum ersten evangelischen Präses gewählt", erklärt Hüttenberger, der 2009 in das Amt nachfolgte. Er füllt es gern aus. "Ich achte darauf, dass die Junggesellenbruderschaft ihre christlichen Werte und Ziele nicht aus dem Auge verliert", definiert er seine Aufgabe. "Er findet immer klare Worte", stimmt der Präsident zu. "Und er steht uns mit Rat und Tat zur Seite." Auch als Ansprechpartner in Fragen der Vorstandsarbeit. Schließlich ist die Junggesellenbruderschaft die Nachwuchsorganisation der Bruderschaft, die Vorstände sind entsprechend jung. Sie leisten allerdings viel. "Wir machen viel mehr als nur die Kirmes", wehrt sich Tim Eickels gegen gängige Vorurteile, die in den Bruderschaften nur eine Art Festkomitee mit Trinklizenz sehen. "Die Bruderschaft spielt eine wichtige Rolle für das Leben in Neuwerk", pflichtet der evangelische Präses bei. "Die Mitgliedschaft in der Junggesellenbruderschaft führt auch oft zu weiterem ehrenamtlichen Engagement."

So helfen die jugendlichen Bruderschaftler ganz selbstverständlich bei evangelischen Gemeinde- und katholischen Pfarrfesten. Sie führen gemeinnützige Sammlungen durch und sind zu Allerheiligen bei der nächtlichen Ausleuchtung des Friedhofs dabei. Zu den Kirmesfeierlichkeiten, auf die sie so oft reduziert werden, gehören zwei Gottesdienste, einer davon ökumenisch.

Die Neuwerker Bruderschaften haben dabei ein Privileg: Sie dürfen eine Altarparade durchführen, wenn durch den Vogelschuss ein neuer König bestimmt wurde. "Das ist ein ausgefeiltes Ritual, das seit dem 19. Jahrhundert durchgeführt wird", erklärt der Präses. Er ist beim ökumenischen Gottesdienst bei der Kirmes dabei, gemeinsam mit Präsident Tim Eickels. "Tim ist Wortgottesdienst-Beauftragter", freut sich Hüttenberger. "Wir feiern den Gottesdienst zusammen." Im Pfarrgemeinderat sitzt der Bruderschaftspräsident auch. Die Bruderschaft als Durchlauferhitzer für ehrenamtliches Engagement funktioniert. Der Erhalt der christlichen Wurzeln auch - mit ökumenischem Präses.

Quelle: RP
 
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