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Mönchengladbach
Die Unkonferenz als Fortbildungsmethode

Mönchengladbach: Die Unkonferenz als Fortbildungsmethode
Lehrerfortbildung einmal anders. Mit einem Barcamp schulte sich das Lehrerkollegium der Gesamtschule Rheydt-Mülfort: Die Teilnehmer entwickeln Themen und Vorträge innerhalb der "Unkonferenz" selbst. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Die Lehrer der Gesamtschule Rheydt-Mülfort setzen das "Barcamp" als offenes Format der Fortbildung ein. Von Angela Rietdorf

Auf den ersten Blick ist nichts Ungewöhnliches zu erkennen: Etwa 20 Teilnehmer sitzen um einen Tisch herum und formulieren Fragen. "Was bekommen Flüchtlinge, die an unsere Schule kommen, eigentlich an die Hand gegeben?", will eine Lehrerin wissen. "Mich interessiert das Thema Inklusion und Integration", sagt ihr Kollege. Aha, sagt der Beobachter, eine weitere Diskussion zum Thema Flüchtlinge. Ja, tatsächlich ist das so, aber auch eine Session im Rahmen der als "Barcamp" organisierten Lehrerfortbildung der Gesamtschule Rheydt-Mülfort.

Und der Einsatz eines Barcamps in einem solchen Rahmen ist in der Tat ungewöhnlich, wie Moderator Stefan Evertz feststellt. Aber es passt.

Ein Barcamp wird manchmal auch als Unkonferenz bezeichnet. Das Faszinierende an diesem Format ist das Fehlen vorgegebener Themen oder Vorträge. Die Inhalte werden von den Teilnehmern selbst entwickelt. "Das funktioniert in einem Lehrerkollegium sehr gut, weil wir hier viele Experten haben, die tief in bestimmten Themen drin sind", sagt Evertz. Oder sich über bestimmte Themen austauschen oder Fragen loswerden wollen. All das kann man in einem Barcamp tun. Dazu werden zu Beginn Themen gesammelt. Das ist so ziemlich der einzige Punkt, an dem ein Barcamp scheitern kann - wenn niemand mit Themenvorschlägen kommt. Aber in Rheydt-Mülfort war das nicht der Fall, im Gegenteil. "Es standen sofort 25 Leute vorn, die Vorschläge an die Pinnwand hefteten", sagt Andreas Eckers, didaktischer Leiter der Gesamtschule und Organisator der Veranstaltung. "Wir mussten sogar noch weitere Räume nutzen, um mehr Gruppen parallel tagen lassen zu können." Die Themen bewegten sich teilweise im fachlichen Rahmen (Faust heute oder das Italienisch-Curriculum), zum Teil wurden aktuelle Entwicklungen diskutiert wie die Flüchtlingsfrage oder die Inklusion. Und zum Teil ging es um Programmatisches wie die Entwicklung und Ausrichtung der Schule in der Zukunft. Gerade dafür sei ein so offenes Format ideal, meint Abteilungsleiterin Regina Bungartz. "Was ist uns wichtig, wo wollen wir hin, welche Visionen gibt es?" formuliert sie die Fragen in diesem Bereich.

Ein weiteres prägendes Element eines Barcamps ist die zeitliche Begrenzung der Sessions. In diesem Fall waren es 45 Minuten, dann folgte eine Pause und schließlich starteten die nächsten Sessions. "Oft musste nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen werden", sagt Moderator Evertz. "Das ist ein gutes Zeichen, es war spannend und hätte weitergehen können." Im Rahmen dieser Veranstaltung kann ein Austausch stattfinden, der im Alltag oft zu kurz kommt. "Man kann fächerübergreifend diskutieren und mit Kollegen ins Gespräch kommen, mit denen man sonst wenig zu tun hat", sagt Regina Bungartz.

Die Ergebnisse dieses offenen Austausches können sich sehen lassen. "Es sind viele Arbeitsgruppen entstanden, die die Themen weiterbearbeiten", erklärt Andreas Eckers. "Sie alle zu koordinieren, wird eine Herausforderung." Das Barcamp als Format war jedenfalls so erfolgreich, dass bereits darüber nachgedacht wird, es in erweitertem Rahmen zu wiederholen. "Wir können uns auch vorstellen, es mit Eltern, Schülern und Lehrern durchzuführen", sagt Regina Bungartz.

Quelle: RP
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