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Mönchengladbach
Die Veedel donnt, wat se könne - fiere

So schön waren die Veedelszüge in Mönchengladbach
So schön waren die Veedelszüge in Mönchengladbach FOTO: Ilg
Mönchengladbach. In Rheindahlen tun dies mehr als 30.000 Narren, in Eicken rollen 20 Rollstuhlfahrer aus dem Altenheim mit, in Giesenkirchen geben "Bauarbeiter" den Ton an. So schön waren die Veedelszüge. Von Thomas Grulke, Philipp Hütter, Christian Lingen und Sabine Winkler

Rheindahlen Den größten Veedelszoch in Mönchengladbach konnten Karnevalisten am Tulpensonntag in Rheindahlen beobachten. Der von der Karnevalsgemeinschaft (KG) Potz Op organisierte Zug mit über 900 Teilnehmern zog Jecken aus dem ganzen Umland an, die in über 40 Gruppen durch die Rheindahlener Innenstadt zogen.

Die bunte Gesellschaft bestand aus der federführenden KG Potz Op, der KG Rot-Weiß Genhülsen, der KG Gnadenlos und der KG Kappes. Die zahlreichen mitziehenden Gruppen hatten sich mit ihren Verkleidungen an den unterschiedlichsten Themen orientiert. Neben klassischen Clowns und Indianern prägten auch der Abiturjahrgang 2015 des Gymnasiums Rheindahlen mit seinen gelb-blauen "Minion"-Kostümen sowie die Kothausener Karnevalsfreunde mit dem kreativen Motto "Fünf Sterne Griller" den Zug. Den Schluss des Zuges bildete in diesem Jahr ein Fahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes, das die sanitätsdienstliche Betreuung der jecken Veranstaltung übernahm.

Peter Knors, Zugleiter und zweiter Vorsitzender der KG Potz Op, freute sich über die vielfältig erschienenen Karnevalsfreunde. Bei der 51. Auflage des Rheindahlener Veedelszochs feierten zwischen 30.000 und 40.000 Narren. Für ihre Sicherheit sorgten in diesem Jahr deutlich mehr Polizisten als im vergangenen Jahr, was auf eine Initiative der Sicherheitsbehörden zurückgeht. Die KG Potz Op selber ergriff keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Das sei "in Rheindahlen nicht notwendig", stellte Peter Knors optimistisch fest.

Die Zugteilnehmer kehrten im Anschluss an den Umzug in der Aula des Rheindahlener Schulzentrums ein, wo sie vergnügt weiterfeierten.

Hardterbroich Los ging es in Hardterbroich Punkt 14.11 Uhr an der St.-Bonifatius-Kirche, von wo aus sich der Zug etwa eine Stunde durch den Stadtteil schlängele.

Neben Kamelle gab es für die schaulustigen Jecken vor allem die Kostüme der acht mitwirkenden Karnevalsvereine und Musikgruppen zu bestaunen. Von wandelnden Handballfeldern, Reverenz an den EM-Sieg, über Hippies bis hin zu frechen Teufeln war alles dabei.

Initiiert wird der Zug seit mehr als zehn Jahren von der Hardterbroicher KG Alles onger ene Hoot. "Wir sind klein, aber fein, wie jedes Jahr. Dafür feiern wir davor und danach richtig", sagt Beisitzer Reiner Achten. Eingerahmt wurde der Veedelszoch von einem Biwak auf dem Kirchplatz und einer Kinderkarnevalsparty im Pfarrheim. Das freut besonders Familien. So Familie Schulz, die mit ihrer kleinen Tochter Sophie im Hexenkostüm den Zug verfolgte: "Eine schöne Einstimmung auf den großen Zug am Dienstag." Den Vorhersagen zum Trotz hatten die Hardterbroicher Glück mit dem Wetter. Es blieb trocken. Höhepunkt des Zuges war der Wagen der Kinderprinzessin von Alles-onger ene Hoot.

Venn Grashüpfer Flip war das Tier des Tages beim Veedelszoch in Venn. Gleich ein ganzes Heer des kleinen grünen Gesellen aus den Geschichten der Biene Maja tummelte sich im Tulpensonntagszug. Der Venner Zug gehört zwar zu den kleineren, doch er ist besonders herzlich. "M'r donnt, wat m'r könne" ist in Venn nicht erst seit dieser Session angesagt. Die Kinder der Regenbogenschule kamen mit internationalen Fahnen und zeigten, dass es an ihrer Schule viele Nationalitäten gibt. Die KG Poether Pothäepel bot neben dem Wagen der Gesellschaft auch eine Fußgruppe auf. Sie kam im Schneemannkostüm.

Die 1. Venner KG hatte auf ihrem Gesellschaftswagen große lachende Gesichter angebracht und machte so auf ganz einfache Art deutlich, was die Venner Karnevalisten am besten können: einfach Spaß haben. Die Tanzgarde der Gesellschaft ging zu Fuß und zeigte unterwegs kleine Kostproben ihres Könnens. Eine Gruppe Lappenclowns sorgte für einen besonders bunten Farbtupfer. Unterstützt wurden die Venner bei ihrem Umzug von der 1. Stadtgarde und der KG Wenkbülle. Beide Gesellschaften machten als Fußgruppen mit.

Eicken Mehr als 400 Jecke versammelten sich um 11.11 Uhr in Eicken am Kirmesplatz, um am Veedelszoch teilzunehmen. Der von den Karnevalsgemeinschaften Schöpp Op und Hau Ruck organisierte Zug mobilisierte wieder viele karnevalistische und im Brauchtum aktive Gruppen. Unter anderem zogen die St. Vitus Bruderschaft Obereicken sowie ein Kegelclub mit. Außergewöhnlich an dem Eickener Veedelszoch war in diesem Jahr die Gruppe von 20 Rollstuhlfahrern des Altenheims Eicken, die den integrativen Charakter des Karnevals verdeutlichten. Ein "Hingucker" war ein Magirus LKW aus den 1950er-Jahren, der den Zug anführte. Das Organisations-Team hatte die Strecke über die Eickener Straße, Matthiasstraße und schließlich durch die Eickener Fußgängerzone geführt. Nach dem knapp einstündigen Umzug ließen die Karnevalisten den Tag in der Mehrzweckhalle ausklingen.

Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, etwa infolge der Silvester-Ereignisse von Köln, hatten die KG Schöpp Op und die KG Hau Ruck nicht ergriffen. Allerdings begleiteten mehr Polizisten als sonst den Eickener Veedelszoch.

Giesenkirchen Für den "Bautrupp" Ingenfeld hätte das Gladbacher Sessionsmotto "M'r donnt wat m'r könne!" nicht passender gewählt sein können. "Wir sind noch eine typische Straßengemeinschaft, die viel miteinander unternimmt und bei der man sich gegenseitig unterstützt", sagte Manfred Schulze, der sich wie die übrigen Mitglieder der Gruppe als Bauarbeiter verkleidet hatte. "Im Ingenfeld ist keiner allein, wir bauen zusammen Stein auf Stein": Unter diesem Motto nahm die private Fußgruppe am 62. Giesenkirchener Kinderzug teil - und stellte damit auch eine Besonderheit dar, schließlich haben fast alle Mitglieder ihren 60. Geburtstag bereits hinter sich. Ansonsten waren unter den etwa 500 Zug-Teilnehmern viele Kinder und Jugendliche. "Ich freue mich vor allem, dass dank der Elterninitiative die Grundschule Asternweg zusammen mit dem Franz-Meyers-Gymnasium wieder eine Fußgruppe stellt", sagte Zugleiterin Gudrun Gruhn, die zugleich auch Vorsitzende der Interessengemeinschaft Kinderkarneval Giesenkirchen ist. Neben den Schülern, die als Würfel oder Figuren des Brettspiels "Mensch ärgere dich nicht" unterwegs waren, gehörten der ATV Biesel mit seinen Sportskanonen und die Schwimmsportvereinigung Rheydt als Heinzelmännchen zu den schon traditionell großen Zuggruppen in Giesenkirchen.

Die KG Waat Parat war mit einigen Froschkönigen zu Gast, und die Schützen der St. Sebastianus-Bruderschaft zogen als Piraten die Konstantinstraße entlang. Den Abschluss bildete der Jägerzug "Lostige Jonges", deren Mitglieder - ebenso passend zum Sessionsmotto - als Bob der Baumeister auf dem größten der insgesamt acht Wagen mitfuhren.

Holt Wenn in Holt der Veedelszoch zieht, dann fragen sich viele Besucher am Straßenrand nur eines: "Welches Kostüm trägt der Hatte Kern in diesem Jahr?" Die 65 Personen starke Fußgruppe ist stets die größte des Holters Veedelszochs. Gestern kamen sie als "Minions" (das sind die putzigen Figuren aus dem Kinofilm) und werden auch großen Veilchendienstagszug für einen Hingucker sorgen. Das lustigste Kostüm aber hatten die "Holter Klugscheißer". Sie kamen in Absolventenroben, die das Wappen der Holter Uni "OxHolt" zierte. Sehr gelungen kam auch eine Gruppe Pfauen daher. Auf einem Bollerwagen präsentierten sie ihr ganz persönliches Motto: "M'r donnt, wat m'r könne: Dem Tierpark sinn Pfaue jönne." Zu ihren blauen Anzügen trugen die auf dem Rücken Pfauenfedern, die zu einem Rad geformt waren.

Für ein buntes Bild sorgten auch die jecken Hühner. Sie kamen als Paradiesvögel knallbunt gefiedert. Die St. Michaels-Bruderschaft hatte einen eigenen Wagen dabei. Auf ihm zeigten die Schützen ihre Leidenschaft für Fußball und hatten sich als Rasen verkleidet. Die Mitarbeiter der Holter Sparkasse thematisierten als Fußgruppe die niedrigen Zinsen und kamen als bunte Sparschweine. Da der Holter Veedelszoch nach den schweren Ausschreitungen des Vorjahres um zwei Stunden vorverlegt wurde, kamen viele Besucher erst kurz vor Beginn des Tulpensonntagszugs. Gefeiert wurde aber traditionell. In Holt bedeutet das vor allem, dass in vielen Hauseinfahrten kleine Privatfeiern stattfinden. Die Narren am Straßenrand bekamen in diesem Jahr etwas ganz Besonderes geboten. Auf einem der wenigen Wagen, die im Zug mit rollten, stand das Prinzenpaar Michael II. und Niersia Monika.

Odenkirchen Bis zum Start des Odenkirchener Tulpensonntagzugs waren es nur noch wenige Minuten, da wurde am Wagen der "Echte Fründe" noch fleißig gewerkelt. Der Wagen zeigte klassische Handwerksberufe, doch die ein oder andere Dekoration fehlte noch. Pünktlich zu Beginn des Zuges wurde dann aber alles fertig. Angeführt von einem Wikingerschiff, dem neu gestalteten Gesellschaftswagen der Karnevalsfreunde Schwarz-Gold Odenkirchen, startete der Umzug. Und der war an vielen Stellen maritim geprägt. Die Kinder der Gemeinschaftshauptschule Kirschhecke kamen als fliegende Segelboote. Die Kolpingfamilie trug Matrosenkostüme und hatte Schiffe um die Bäuche gebunden.

Hinter den Alten Herren von Odenkirchen Süd zog Motorradfahrer Kitt. Er hat sein Krad komplett in Borussia-Optik gestaltet. Hier baumelt ein Wimpel, da ein Fähnchen. Die Pfadfinder kamen als Kreuzfahrer und hatten einen ganzen Zauberwald dabei. Eine Horde Pilze umgab den bösen Wolf und anderes Getier. Die Frauen der kfd, die in Odenkirchen echte Kultsitzungen feiern, kamen als Hippies und hatten einen eigenen Wagen. Den hatte auch das Stadtkinderprinzenpaar Philipp I. und Anna-Leonie I.. Die beiden saßen auf dem Heck eines weißen Cabrios. Hofmarschall Hajo Hering und Adjutantin Elleny Böker hatten vorne Platz genommen.

Auf dem Wagen der KG Ruet-Wiss Okerke musste man schon genauer hinsehen. Neben Burggraf Dietmar Wirt fand sich Ex-Prinz Markus Hardenack. Die Ruet-Wissen kamen traditionell als rot-weiße Clowns. Die Odenkirchener City war rappelvoll, und viele sahen den Tulpensonntagszug gleich mehrmals an verschiedenen Stellen. Der Martin-Luther-Platz war das närrische Zentrum. Nach dem Umzug trafen sich die Odenkirchener erstmals zu einer "After-Zoch-Party" in der Burggrafenhalle. Die Karnevalsfreunde Schwarz-Gold Odenkirchen hatten dazu eingeladen.

Quelle: RP
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