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Mönchengladbach
Die Vermessung der bunten Garten-Welt

Mönchengladbach: Die Vermessung der bunten Garten-Welt
Oben: Mit so genannten Tachymetern vermisst das städtische Vermessungsamt zurzeit Bäume. Unten: Die große deutsche Rosenschau 1928 fand im Bunten Garten statt. FOTO: Stadt, Stadtarchiv
Mönchengladbach. 2000 Bäume werden kartiert, die Vogelarten erfasst, Kunstobjekte und verwendete Materialien analysiert. Um die historischen Strukturen der Parkanlage für die Zukunft zu erhalten, wird derzeit ein Parkpflegewerk erstellt. Von Lisa Schmitz

Der Bunte Garten gilt als "Grünes Wohnzimmer" mitten im Stadtzentrum. Zugleich ist die 30 Hektar große Anlage, die aus dem 1890 entstandenen Kaiserpark hervorging, auch ein Kunstwerk seiner Zeit und eine überregional bedeutende historische Gartenanlage. Anders als bei einem Baudenkmal ist eine Grünanlage allerdings durch Wachstum, Überalterung und Wegfall von Gehölzen über die Jahrzehnte stetigem Wandel unterworfen. Genau diese schleichenden Veränderungen im Gesamtbild der Parkanlage nimmt seit einiger Zeit die städtische Abteilung Grünunterhaltung und kommunaler Forst genauer unter die Lupe. Die Pflege- und Instandsetzungsarbeiten in historischen Garten- und Parkanlagen sind generell darauf ausgerichtet, diese im Sinne eines Denkmals zu erhalten und wiederherzustellen.

"Das Denkmalschutzgesetz legt den Grundstein für die Erstellung von Parkpflegewerken", sagt Ralf Krücken, Leiter der Abteilung Grünunterhaltung und kommunaler Forst. Ein solches Parkpflegewerk, das als Instrument der Gartendenkmalpflege zum Erhalt der historischen Anlage dient, wird aktuell für den Bunten Garten erarbeitet. "Das Parkpflegewerk hält fest, wie die historischen Strukturen für die nächsten Generationen erhalten bleiben und gleichzeitig die zeitgemäße Nutzung, etwa als Freizeitanlage, berücksichtigt werden kann."

Landschaftsarchitektin Dr. Simone Schüllner, Leiterin des Botanischen und des Bunten Gartens, die derzeit das Parkpflegewerk erstellt, erläutert: "Im Hinblick auf die gartengeschichtliche Entstehung des Parks werden sämtliche Quellen, historische Pläne und Karten sowie historisches Bildmaterial und Literatur ausgewertet." Anschließend erfolge eine umfassende Bestandsaufnahme, zu der als wesentlicher Bestandteil das Baumkataster gehört. Hier werden derzeit mit einem High-Tech-Tachymeter die zum Teil über 20 Meter hohen Bäume lagemäßig vom städtischen Vermessungsamt eingemessen. In einem zweiten Schritt werden Baumart und -sorte, Höhe, Stamm- und Kronendurchmesser sowie der Allgemeinzustand des Baumes ergänzt. Etwa 2000 Bäume werden auf diese Weise kartiert; zudem werden Sträucher, Stauden und Frühjahrsblüher (Geophyten) aufgelistet.

Die Vogelarten wurden bereits im Frühsommer von einem Biologen erkundet. Auch verwendete Baumaterialien, Wege, Bauten und Kunstobjekte werden erfasst und die aktuellen Nutzungen des Parks wird analysiert. "Basierend auf der geschichtlichen Analyse und der Bestandsaufnahme werden schließlich Maßnahmen mit kurz-, mittel- und langfristigem Zeithorizont abgeleitet. Dabei sind gartendenkmalpflegerische Ansprüche und ökologische Belange miteinander in Einklang zu bringen und gleichzeitig heutigen Nutzungsansprüchen Rechnung zu tragen", sagt Schüllner.

Beispiel Blumenparterre: Der Bereich des großen mehrteiligen Blumenbeetes auf der zentralen Parkachse wurde im Laufe der Jahre, zuletzt in den 1960ern, umgestaltet. Noch 1938 hatte dieser ein markantes Erscheinungsbild, geprägt durch die die damalige Symmetrie. Im Laufe der Zeit veränderte der Bereich sein Aussehen: Wege und kleinere, formal angelegte Bereiche wurden umgestaltet, der Wechselflor der großen Seitenbeete in Staudenbeete umgewandelt, und halbrunde Rasenbeete sind mittlerweile verschwunden. "Damit hat der Bereich nicht mehr die ursprüngliche Großzügigkeit und Einheitlichkeit", sagt Schüllner. Auch das Wasserbecken, ursprünglich in den 30ern angelegt, wurde Mitte der 60er umgestaltet; seit Herbst 2013 ist es wegen Undichtigkeit und technischer Mängel zugeschüttet. Der ebenfalls in den 60ern angelegte runde Brunnen am Kreuzungspunkt Hauptallee/Saarlandallee ist ebenfalls nicht mehr in Betrieb. Ob und welcher der Brunnen wiederhergestellt werden könnte, wird im Rahmen des Parkpflegewerks geprüft.

Der Botanische Garten als Teil des Bunten Gartens wurde seinerzeit auf der Fläche des vormaligen städtischen und des katholischen Friedhofs angelegt, wovon noch viele Grabsteine zeugen. Weiteres Beispiel für eine Maßnahme als Teil des Handlungskonzeptes des Parkpflegewerks könnte die Freilegung der größtenteils überwucherten Grabsteine auf der Fläche des ehemaligen Friedhofs sein. Im Fokus des Parkpflegewerks ist auch das Grabdenkmal von Louise Gueury, das optisch aufgewertet werden soll. Wichtiger Teil des Parkpflegewerks sind auch die ehemals etwa 20 Themengärten im Botanischen Garten, von denen nur noch etwa zehn bestehen. Erste Veränderungen sind bereits erkennbar: Moderne und einheitliche Bänke und Papierkörbe wurden im Botanischen Garten und entlang des Hauptbeetes fest installiert. Auch mit der Sanierung der Wege wurde schon begonnen.

Quelle: RP
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