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Mönchengladbach
Die Verwandlung zum Weißclown Gensi

Die Verwandlung von Weißclown Gensi
Mönchengladbach. Fulgensi Mestres benötigt eine Stunde für sein Make-up, ehe er in der Manege von Circus Roncalli auftritt. Porträt eines Perfektionisten. Von Beate Wyglenda

Wenn sich Fulgensi Mestres für eine Vorstellung zurechtmacht, dann greift der Spanier nicht gleich zu seinen unzähligen Puderdöschen. Nein, er holt zuerst sein Smartphone hervor und lässt in dem Garderobenwagen Musik erklingen. Am liebsten eine Oper seines Lieblingskomponisten Giacomo Puccini. Heute hat er sich für La Bohème entschieden. Von der Musik beflügelt, tänzelt der 51-Jährige durch den engen Wagen. Und selbst während er für die Rasur im Bad verschwindet, kann man den Weißclown Gensi durch die Türe singen hören.

Es ist die Kunst, der sich Fulgensi Mestres verschrieben hat. Es ist Poesie, die er in der Manege von Circus Roncalli dem Publikum vermittelt. Er liebt neben der Oper auch das Ballett und Theater. Er besichtigt in jeder Tourneestadt Museen, Kirchen und Klöster. Bereits mit acht Jahren war der jüngste von acht Kindern eines spanischen Lokalpolitikers als Sängerknabe im Chor des Klosters Montserrat aktiv. Später studierte er Theaterwissenschaften am Institut del Teatre in Barcelona, und schloss am Conversatori Superior de Musica del Liceu eine Ausbildung in Gesang und Violine ab. Viele Jahre wirkte er als Musiker und Schauspieler in Musical- und Theaterproduktionen mit, ehe er 1996 seinen Weg als Weißclown Gensi zum Circus Roncalli fand. Warum er diesen Schritt gewagt hat? "Es ist ein Traum, der beste Beruf der Welt. Als Clown bringt man den Menschen Zufriedenheit", sagt er.

Fulgensi Mestres hat viele Jahre als Schauspieler und Musiker gearbeitet, ehe er zum Circus Roncalli kam. FOTO: beaw

Doch der Weißclown ist nicht albern, nicht närrisch, kein August. "Meine Aufgabe ist es nicht, die Leute zum Lachen zu bringen, sondern ihren Geist anzuregen", erklärt Gensi. "Ich nehme die Menschen an die Hand, um ihnen die Reise in die Traumwelt von Circus Roncalli zu erleichtern."

Eine anspruchsvolle Aufgabe, der Fulgensi Mestres mit Perfektion begegnet. Schon bei seinem Make-up beweist er Kunstfertigkeit. Nach der aufwenigen Grundierung mit weißer Theaterschminke und Stoffpad, trägt er mit einer gewaltigen Puderquaste minutenlang Talk zur Fixierung auf. Mit routinierten, schnellen Handgriffen arbeitet er an seinem Antlitz, während er leise zu Puccinis Oper summt.

Im ersten Schritt seines aufwenigen Make-ups trägt der Artist eine weiße Grundierung und Puder zur Fixierung auf. FOTO: Beate Wyglenda

Abpudern, Boden fegen und weiter gehts. Nun sind die Lippen, Augen, Ohren, Wangen und Nase dran. Die Lider und Wangenknochen werden mit einer leicht zu verstreichenden roten Paste versehen. Für die Lippen und die Nase verwendet er handelsüblichen Lipgloss. "Es ist gar nicht so einfach, von verschiedenen Marken denselben Rotton zu finden", sagt Gensi, der auch bei den Farben nichts dem Zufall überlässt.

Jeden Lidstrich, jeden Schönheitsfleck zieht er drei, vier- und auch fünfmal nach, ehe er sich mit dem Ergebnis zufriedenen gibt. Rund eine Stunde benötigt er somit, um sich von Fulgensi Mestres in den Weißclown Gensi zu verwandeln. "Das Make-up eines Clowns ist wie ein Fingerabdruck. Es ist einzigartig und drückt die Identität aus", betont der Künstler.

Nach rund einer Stunde ist das Make-up von Fulgensi Mestres fertig. Jetzt kann der Weißclown in seine Robe schlüpfen. FOTO: Beate Wyglenda

Und so passt wohl keine Beschreibung besser zu Gensi als der Ausruf von Floria Tosca in der gleichnamigen Oper Puccinis: "Nur der Schönheit weiht' ich mein Leben, einzig meiner Kunst in Liebe ergeben!"

Quelle: RP
 
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