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Mönchengladbach
Die Webersiedlung leuchtet

Mönchengladbach: Die Webersiedlung leuchtet
FOTO: Marc Schiffeler
Mönchengladbach. In Neuwerk schmücken Anwohner ganze Straßenzüge. Mittlerweile kommen sogar Leute von außerhalb - und staunen. Von Marlen Kess (Text) und Marc Schiffeler (Fotos)

Wer bis jetzt noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, sollte sich auf den Weg in die Webersiedlung machen. Dort steht Mönchengladbachs "Weihnachtsdörfchen" - und das Besondere ist: Dafür braucht es keinen extra aufgebauten Budenzauber. Stattdessen sorgen die Bewohner selbst mit Lichtinstallationen für festliche Stimmung. Sobald es dunkel wird, ist in den Straßen rund um den sogenannten Weberplatz beinahe jedes Haus erleuchtet. Ob klassisch warm-weiß oder bunt und grell: Die Siedlung strahlt.

Direkt am Weberplatz wohnt Josef Derichs mit seiner Frau Monika. Ihr Haus haben die Derichs mit mehreren Lichtergirlanden und einer Sternschnuppe geschmückt. "Die Lichter sind einfach schön, und es ist toll, dass die ganze Nachbarschaft mitmacht", sagt der 64-Jährige. "Mittlerweile ist das hier ja sogar eine kleine Touristenattraktion."

Auch an diesem Abend kurz vor Weihnachten haben wieder einige Menschen den Weg in die Siedlung gefunden. Sie laufen herum, schauen sich alles an, machen Fotos. Vor einem Haus kommen die Kinder gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Hier haben sich im Garten nicht nur leuchtende Schneemänner, Weihnachtsmänner und Rentiere versammelt, an der Hauswand erstrahlt zudem eine weihnachtliche Projektion. Dazu kommen unzählige Lichterketten. Hier wohnen Rolf und Silvia Wessels. Angefangen haben auch sie ganz klein, wie Rolf Wessels sagt. "Als wir 1998 hergezogen sind, haben wir mit ein paar Lichterketten mitgemacht - und im Laufe der Jahre kam dann immer mehr dazu." Mitte November geht der Aufbau los. Enkelin Aylin ist immer mit dabei. "Ich liebe die vielen Lichter und dass es hier so bunt ist", sagt die Achtjährige. Am ersten Advent ist alles fertig.

Das ist auch bei Familie Derichs so. Josef Derichs kümmert sich aber nicht nur um sein eigenes Haus, sondern als Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Webersiedlung auch um den großen Tannenbaum auf dem Weberplatz und das Nikolausfest. Am ersten Advent gibt es für alle Kinder und Enkelkinder eine Nikolaustüte. "In diesem Jahr waren es 185", sagt Bruder Willi Derichs, der auf der anderen Seite des Weberplatzes wohnt. Die Derichs sind stolz auf den Zusammenhalt.

Die Häuser wurden zwischen 1927 und 1928 gebaut, in den 80ern wurden sie modernisiert. Eigentümer ist die Stadt. Die Interessensgemeinschaft vertritt seit den 80ern die Belange der Anwohner gegenüber der städtischen Wohnungsgesellschaft GWSG. Auch die Anfänge der Weihnachtsbeleuchtung liegen in dieser Zeit. Damals, erzählt Josef Derichs, bastelte der mittlerweile verstorbene Karl-Heinz Hilgers aus Holz eine Sternschnuppe für sein Haus. Das fanden viele andere so schön, dass sie sich von Hilgers ebenfalls Schmuck basteln ließen: Sterne, Bäumchen, Glocken. "Noch heute hängt einiges davon in der Siedlung", sagt Derichs - etwa die Sternschnuppe an seinem Haus.

In den Jahren danach sei es dann immer mehr geworden mit dem Weihnachtsschmuck. "Mittlerweile ist das sogar ein kleiner Wettbewerb: heller, schöner, neuer", sagt Willi Derichs, "aber alles freundschaftlich natürlich." Dass die Beleuchtung in der Siedlung uneinheitlich ist, finden beide gut: "Jede Jeck is anders." Es sei zwar auch schon darüber diskutiert worden, ob man die Häuser einheitlich erstrahlen lässt, mittlerweile sei das aber kein Thema mehr.

Pro Jahr kostet ihre Weihnachtsbeleuchtung rund 60 Euro, schätzen die Derichs. Dank LEDs sei es weniger geworden. Bei Rolf Wessels schlagen die vielen Lichter mit etwa 100 Euro zu Buche. Kein Problem für den 66-Jährigen: "Das macht Spaß, und das ist es mir auch wert."

Quelle: RP
 
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