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Mönchengladbach
Die Werbemacht vom Niederrhein

Mönchengladbach: Die Werbemacht vom Niederrhein
FOTO: WFP
Mönchengladbach. Team WFP betreut Großkunden wie Real und Karstadt, gestaltet die Website der Stadt - hat sich selbst bisher aber nur zurückhaltend vermarktet. Jetzt wird der Auftritt umgestellt. Nicht zuletzt, um Standortnachteile gegenüber Düsseldorf auszugleichen. Von Jan Schnettler

Ja, wie heißen sie denn? WFP und WFP 2? Die Doppelstruktur war im Laufe der Jahre so entstanden, führte aber zu Verwirrungen und Verwechslungen. Neuerdings tritt die inhabergeführte Agenturgruppe mit Sitz am Konrad-Zuse-Ring nun als "Team WFP" auf. Und hat im Zuge der Umfirmierung zweierlei festgestellt. Erstens: Die Kommunikation im Sinne der Kunden läuft bereits einwandfrei - sonst blieben diese nicht im Schnitt acht Jahre an Bord bei der Werbeagentur (WFP, gegründet 1975) oder ihrer digitalen Schwesterfirma (WFP 2, seit 2000). Zweitens: Die Selbstvermarktung allerdings, die Kommunikation des eigenen Tuns nach außen, die ist durchaus noch ausbaufähig. Das soll sich jetzt schleunigst ändern.

Der Anlass ist ein erfreulicher. "Wirtschaftlich geht es der Agentur richtig gut", sagt Michael Eichholz, Mitglied der Geschäftsleitung. "Tut man so etwas aus der Not heraus, wird es immer Probleme geben." Also: neuer Name, neue Website (für die mal eben alle 140 Mitarbeiter fotografiert werden), neuer offensiverer Auftritt, mehr Einreichungen von Projekten bei Wettbewerben, neue Geschäftsausstattung. Neue Räume vor allem! Besonders sehenswert sind das Zimmer mit dem großen blauen Billardtisch und der Besprechungssaal mit massivhölzerner Whiskyanrichte. Nicht ganz unwichtig in einer Branche, in der "Chemistry Briefings" immer wichtiger werden; zwanglose Treffen in lockerer Atmosphäre zum gegenseitigen Beschnuppern von Agentur und potenziellem Neukunden.

WFP - das Kürzel steht für "Werbeagentur Felske & Partner" - zählt etliche Großunternehmen wie Obi, Penny, Karstadt und die Deutsche Post zum Kundenstamm. Wichtigster Kunde ist Real, das von der Agentur seit frühesten Allkauf-Zeiten betreut wird. WFP hat den Handelsmarketing-Etat - und macht, bis auf die Imagekommunikation, so ziemlich alles vom Deckenhänger über den Internetauftritt bis hin zum neuen E-Magazin. "Handelsmarketing, das machen wir seit 40 Jahren - und das können wir am besten", sagt Eichholz. Am "Point of Sale", dem Verkaufsort, also beim Bäcker, im Super- oder Baumarkt, würden 70 Prozent aller Verkaufsentscheidungen getroffen. Wie man eine Marke entwickelt, eine Verkaufsfläche bestückt und eine Verpackung gestaltet - das sind Kriterien, die die Verkaufsentscheidung maßgeblich mit gestalten. "Was wir machen, ist sehr effektiv - alles dreht sich ums Verkaufen", sagt Eichholz. Die nackten Resultate legen Zeugnis davon ab: In Jahr zwei nach dem Relaunch hatte der Real-Internetauftritt einen Zuwachs von 58 Prozent verzeichnet, das E-Magazin akkumulierte alleine in den ersten vier Wochen 86.000 Aufrufe - ohne begleitende Auftaktkommunikation. Und eine Treueaktion brachte Penny neun Prozent mehr Umsatz. Die Agentur mit einem Jahresumsatz von zwölf Millionen Euro in 2015 gedeiht ebenfalls prächtig. Von 32 Mitarbeitern im Jahr 2000 über 61 sieben Jahre später ist das Team auf 140 Köpfe angewachsen, die im Durchschnitt 6,9 Jahre dabei sind. Im schnelllebigen Agenturgeschäft keine Selbstverständlichkeit. Und Ausdruck der Tatsache, dass WFP viel tun muss, um den Standortnachteil gegenüber der strahlkräftigen Werbe-Metropole Düsseldorf auszugleichen. Das fängt schon damit an, dass die Infrastruktur zum Mittagessen-Gehen immer noch überschaubar ist und dass Mitarbeiter keine S-, U- und Straßenbahnen zum Pendeln nutzen können. Keine Pluspunkte im Wettbewerb um die besten Köpfe. "Wir haben aber zum Beispiel - ganz selten in der Branche - reguläre Arbeitszeiten und keine Wochenendarbeit", sagt Eichholz. "Wir verbrennen unsere Leute nicht." Flache Hierarchien, Playstations zum Entspannen sowie spontane Grillfeste gehörten sozusagen auch zum Inventar. Offenbar wirkt diese Strategie. "Die Konkurrenz aus Düsseldorf nimmt uns zunehmend ernst, sieht uns als eine echte Macht am Niederrhein an."

Am liebsten wächst WFP "aus den Kunden heraus" - durch Empfehlungsmarketing. So war es etwa bei Karstadt, das seit gut einem Jahr zu den Kunden zählt - zunächst mit einem ersten Auftrag, schon bald aber mit Folgeaufträgen. Auch für die neue Website der Stadt (www.moenchengladbach.de) zeichnete WFP verantwortlich, hatte zuvor bereits das Corporate Design für die Kommune entwickelt. Was fehlt der Agentur, die sich unter den Top 20 der inhabergeführten in Deutschland sieht, noch zu ihrem Glück? "Wir finden die Textilbranche spannend", sagt der 47-Jährige, der selber erst seit einem Jahr Teil des WFP-Teams ist und nicht zuletzt für die Verbesserung der Außendarstellung verantwortlich zeichnet. "Da gäbe es in Gladbach ja durchaus einige potenzielle Kunden."

Quelle: RP
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