| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Dieser Verein ist nicht überflüssig - leider . . .

Mönchengladbach. Zornröschen besteht seit 25 Jahren und hilft Kindern und Jugendlichen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind. Von Marion Lisken-Pruss

Ein Vereinsjubiläum - ein 25-jähriges zumal - ist eigentlich ein Grund zum Feiern. Etwas gedämpft hingegen wirkte die Stimmung beim Empfang in der Citykirche, zu dem der Verein Zornröschen Förderer und Sponsoren eingeladen hatte. Denn der Anlass, warum der Verein vor 25 Jahren gegründet wurde und heute noch besteht, ist traurig: Es geht um sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Wie bedeutsam"Wir haben viel Leid erlebt in den vergangenen 25 Jahren. es ist, dass die betroffenen Kinder und ihre Angehörigen auf kompetente Ansprechpartner treffen, die ihnen zuhören und glauben, das verdeutlichte Opferschutzanwältin Judith Acker anhand eines Beispiels in ihrer Rede: Ob das, was der Lebensgefährte der Mutter mit ihr mache, Missbrauch sei, wollte eine elfjährige Tochter von ihrer Mutter wissen. Danach sei nichts mehr gewesen wie es war. Alle familiären und wirtschaftlichen Strukturen seien zerbrochen, während sich unzählige Fragen auftürmten: Wie lange geht das schon? Warum hat die Mutter nichts gemerkt? Braucht die Tochter eine Therapie? "In einer solchen Situation bin ich erleichtert, dass es Zornröschen gibt", sagte die Opferschutzanwältin. Denn sie könne nur juristische Frage stellungen klären. Die vier Mitarbeiterinnen vonZornröschen aber stünden den Betroffenen sofort einfühlsam zur Seite, noch bevor offizielle Stellen wie die Polizei oder das Jugendamt eingeschaltet würden oder der Therapeut einen Termin frei habe. Michael Heinemann, Vorstandsmitglied des Vereins, betonte in seiner Rede, dass bei Zornröschen alles anonym bleibe und der Verein niemandem Akteneinsicht gewähren müsse. "Wir haben viel Leid erlebt in den vergangenen 25 Jahren", sagte er. Sozialdezernentin Dörte Schall zollte dem Verein höchste Anerkennung: "Sie sind zu einer unverzichtbaren Einrichtung geworden", sagte sie.

Für das Begleitprogramm sorgten Opferschutzanwältin Judith Acker und ihr Vater (Cello, Orgel) sowie Mollie Marcuson Schiffer (Harfe), während Schauspieler Ronny Tomiska aus dem Struwwelpeter las. Es ist traurige Gewissheit, dass sich der Vorstand nicht um die Zukunft des Vereins sorgen muss. "Wir werden nicht überflüssig", ist sich Vorstandsmitglied Monika Schiffer sicher. Rund 500 Betroffene melden sich pro Jahr bei Zornröschen. Neben den bekannten Vorgehensweisen der Täter und auch Täterinnen eröffnen das Internet und soziale Netzwerke neue Möglichkeiten des Missbrauchs. Der Verein finanziert sich überwiegend aus Spenden; zu einem Drittel werden die Kosten von der Stadt getragen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Dieser Verein ist nicht überflüssig - leider . . .


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.