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Mensch Gladbach
Dieses Mal streuen wir Gerüchte - wilde

Mönchengladbach. Es ist immer schön, wenn wir etwas zu tratschen haben. Und noch schöner ist es, wenn der Tratsch Flügel bekommt und zu einer Mega-Tratsch-Geschichte wird. Ob's stimmt, interessiert da weniger. Macht sich aber gut. Auch politisch. Und weil wir gerade so über andere herziehen, betrachten wir auch, was im November des Jahres 2015 unter Sauberkeit alles verstanden oder missverstanden wird.

So, heute spielen wir mal. Da sich der kleine Mensch den Sinn des Lebens schrittweise durch Spielen erschließt, wissen wir Großen, wie's so funktioniert in der weiten Welt. Wir können sie interpretieren - und fehldeuten. Und deshalb spielen wir jetzt "Stille Post". Das geht dann so: Ich beuge mich zur Person N. und flüstere ihr ins Ohr: "Im Dienstzimmer des neuen Dezernenten Gregor Bonin wurde der Teppichboden ausgewechselt, ein Schrank repariert, ein neuer Heizungskörper installiert. Und ein Anstreicher hat die Wände geweißt. Kostete alles zusammen rund 3000 Euro." Die Person N. flüstert das vermeintlich Gehörte ihrem Nachbarn M. zu. Dieser raunt es P. in Ohr. Und so weiter. Am Ende löst S. das Spiel auf: "Der Bonin hat ein komplett neues Dienstzimmer. Kostete mindestens 50.000 Euro." Und ein heimlicher Mithörer ergänzt: "Und 'ne eigene Dusche hat er auch."

So geht's zu in Mönchengladbach. Da die einstige Todsünde Neid heute nur noch ein Sündchen ist, wird weiter missgünstig spekuliert. Und so gelangten die Bonin-Mutmaßungen über die Linken jetzt auch als Anfrage in den Finanzausschuss. Muss ja was dran sein, wenn jemand den mit Gourmet-Häppchen überbordenden Tisch in Düsseldorf verlässt und sich mit trocken Brot in Mönchengladbach begnügt. Deshalb sagen wir, was stimmt: Der mehr als zwei Jahrzehnte alte Teppichboden wurde ausgewechselt. Anstreicher strichen die Innenwände. Ein Schreiner nahm aus der Regal-Schrankwand Türen heraus, weil sie abgeschlossen und die Schlüssel unauffindbar waren. Und weil Bonin lieber offene als geschlossene Flächen hat. Der Heizkörper ist ebenfalls neu. Ja, und dann kamen noch beauftragte Fachleute, die den Raum dämmten, weil das zu einem Gesamtprogramm im Rheydter Rathaus gehört und nichts mit dem Dienstantritt des Dezernenten zu tun hat. In Bonins Diensträumen hängen neue Bilder: Die hat er sich selbst mitgebracht.

Zum Teil heftige Kritik gibt es an dem neuen Kompetenzzentrum Sauberkeit. Wenn sich das ändert, was viele Autofahrer an der Kaldenkirchener Straße erlebten, dann kann man nur sagen: Wir brauchen es! Und zwar dringend! An dieser Straße hängen Fähnchen, auf denen "Heb' es auf für Deine Stadt!" steht. Was meint, dass Bürger sich bücken sollen, wenn Müll in Parks, auf Straßen, in Grünanlagen liegt. Unten sprießte das Unkraut - pardon, liebe Grüne: Ich meinte Wildkräuter -, und es lässt sich darüber streiten, ob eine Kampagne beginnen sollte, wenn der Kampagnen-Auftraggeber seine Aufgaben nicht erledigt. Sei's drum. Vor einigen Tagen rückte die Brigade "Unkraut-weg" an und entfernte dasselbe. Dafür war die Fahrbahn teilweise gesperrt. Macht nichts, wir freuen uns ja, weil's schön wird. Den Müll aber, der auf dem Mittelstreifen reichlich liegt, ließt die Brigade liegen.

Das könnte bedeuten: 1. Das ist die Aufgabe der Bürger, die sich getreu dem Kampagnenspruch auf den Mittelstreifen stürzen sollen. Oder 2.: Die Brigade "Müll-weg" kommt zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der erste Herbststurm den Mittelstreifen grobgereinigt hat. Und wie zum Beweis, dass Koordination von Aufgaben ein Fremdwort zu sein scheint, schickte uns Leser Michael Hohnen Fotos aus Wickrath: Da türmen sich die Laubberge. Welche Brigade macht's weg?

Quelle: RP
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