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Mönchengladbach
Disco-Türsteher soll Gast getreten haben

Mönchengladbach. Das Amtsgericht verhandelt gegen den Mann, der einer alkoholisierten Gruppe den Zutritt verwehrte. Von Ingrid Krüger

Ein Mann, der längere Zeit in einer Diskothek in der Mönchengladbacher Altstadt als Türsteher gearbeitet hat, musste sich gestern vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten vor, am 16. Oktober vergangenen Jahres einen angetrunkenen Gast mit einem Tritt die Treppen vor dem Eingang der Diskothek hinuntergestoßen zu haben.

So sei das nicht gewesen, verteidigte sich der Angeklagte. "Damals stand eine Gruppe stark alkoholisierter Männer, alle so etwa Ende 50, vor dem Eingang und wollte die Disco betreten", erinnerte sich der Türsteher. "Aber das ging nicht. Die waren sehr betrunken", so der Angeklagte weiter. Er verweigerte den Männern den Eintritt. Einer der Männer verlangte daraufhin sinngemäß: "Hol die Chefin". Die sei nicht mehr da, so die Antwort des Angeklagten. Der Gast habe ihn unflätig beleidigt und sei zugleich auf ihn zugestürmt. "Ich habe den Fuß gehoben, um ihn zurückzuhalten. Aber das war kein Tritt. Da fiel der Mann", erinnerte sich der Türsteher. Dann habe der Gast einen Tritt vor den Kopf bekommen, "aber von wem, weiß ich nicht", so der Angeklagte weiter. Anschließend sei die Polizei gekommen.

Das Opfer des Treppensturzes, ein Kaufmann aus Viersen, erinnerte sich ganz anders. "Ich stand drei oder vier Stufen unter dem Türsteher. Der hat mich mit dem Schuh ins Gesicht getreten. Dabei bin ich aufs Altstadtpflaster geknallt." Als er nach der früheren Besitzerin der Diskothek fragte, habe der Türsteher rüde geantwortet: "Die hat hier gar nichts mehr zu sagen." Den Satz habe er mit einem beleidigenden Schimpfwort beendet.

Ein Begleiter des Vierseners bestätigte dessen Aussage. Er selbst sei nüchtern gewesen. Aber er habe den Tritt gesehen, der seinen Viersener Freund damals voll getroffen habe. Außerdem habe er einen jungen Mann gesehen, der ihm mit einem zweiten Tritt auffiel. Doch der war von niemandem erkannt worden. "Dann habe ich die Polizei gerufen", erinnerte sich der Zeuge.

Auch eine 20-jährige Gladbacherin, die damals die Eintrittsgelder kassierte, hatte einen Mann nach einem Tritt am Boden liegen sehen. Außerdem hatte die junge Frau beobachtet, wie der Türsteher seinen Fuß hob und den Alkoholisierten am Betreten der Disco hinderte.

Nach dem Eintreffen der Polizei soll es vor dem Altstadt-Lokal tumultartige Szenen gegeben haben. Eine 23-jährige Polizeibeamtin, die in der Oktobernacht an dem Einsatz beteiligt war, sprach von Videoaufnahmen, die es an bestimmten Stellen in der Altstadt gebe. Doch als die Richterin nach diesen Aufnahmen fragte, kam die enttäuschende Antwort: "Das ist zu lange her. Die gibt es nicht mehr".

Trotz der zahlreichen Zeugenaussagen ließ sich gestern vor dem Amtsgericht der Fall nicht zweifelsfrei klären. Der Prozess wird mit einem weiteren Zeugen fortgesetzt.

Quelle: RP