| 17.13 Uhr

Mönchengladbach
Das Rossi ist Geschichte

So war der letzte Abend im Rossi
So war der letzte Abend im Rossi FOTO: Reichartz,Hans-Peter
Mönchengladbach . Nach 18 Jahren wurde am Samstag in der beliebten Diskothek an der Waldhausener Straße zum letzten Mal gefeiert.  Von Sophia Firgau

Samstagnacht auf der Waldhausener Straße. Draußen ist es mindestens genauso voll wie in den Clubs. Besonders viel los ist vor dem Rossi. Die meterlange Schlange zieht sich über drei Häuserlängen. "Wie lange wartet ihr schon?" – "40 Minuten." "Und, meint ihr, dass ihr noch reinkommt?" – "Na klar!" Die Beerdigung des "Herrn Rossi" unter dem Motto "The last Party on Earth" wollen sich die beiden jungen Frauen wie sehr viele andere nicht entgehen lassen. Und nehmen dafür die lange Wartezeit in Kauf. Zum Glück bei sommerlichen Temperaturen, so dass draußen schon mal vorgefeiert wird. Dabei sind viele gar nicht regelmäßig hier – aber es ist die letzte Chance, der beliebten Diskothek Lebewohl zu sagen.

Unzufriedenheit über mangelnde Alternativen 

"Ist das Rossi für dich der beste Club?" – "Definitiv nein!" – "Und warum bist du hier?" – "Weil es das letzte Mal ist und die anderen Clubs auch nicht besser sind". Die Unzufriedenheit darüber, dass Gladbach keine guten Alternativen zu bieten hat, wird in den Gesprächen immer wieder deutlich. Trotzdem wird ausgelassen gefeiert und das Beste daraus gemacht. Die Hauptsache: mit Freunden eine gute Zeit verbringen. Entweder man verabredet sich vorher oder trifft drinnen sowieso auf alte und neue Bekannte. Das ist die andere Seite der überschaubaren Gladbacher Club-Auswahl.

An diesem letzten Abend platzt das Rossi aus allen Nähten. Es ist so voll, dass selbst die Presse zunächst nicht reinpasst. Die Türsteher versuchen, alles zu managen, können ihren Stress aber nicht verbergen. Endlich drinnen, den letzten Rossi-Stempel auf den Arm gedrückt, einen Kirschlolli geschnappt und in die Menge geschoben. Es ist heiß, es ist stickig und voll. Während manche mit Grabesmiene am Rand stehen, springen andere tanzwütig bis zur Decke und übertönen die wummernden Beats. An diesem Abend legen nochmals DJs aus allen Rossi-Dekaden auf. 18 Jahre lang war die Disco mit ihren Partys fester Anlaufpunkt für Feierwütige – besonders beliebt der "Trashdance", eine Einladung zu einer Zeitreise in die 90er Jahre. Auch eigene Erinnerungen werden am letzten Abend wachgerufen: die allererste Party als Teenager, Ersti-Party als Startschuss ins Studentenleben, der Beginn von Freundschaften und Beziehungen.

Wer das Tanzbein ausruhen will, lässt sich auf eines der Sofas fallen, die im Rossi gemäß dem Motto "Dein Zuhause" Wohnzimmer-Atmosphäre aufkommen lassen. Die Toiletten-Deko aus Zahnbürsten, Zahnpasta, Deo und Haarspray unterstützt diesen Eindruck.

Richtig zuhause fühlt sich Niels hier. Er ist Stammgast und seit sieben Jahren fast jedes Wochenende da. Und einer der wenigen Glücklichen, die sich heute Nacht nicht anstellen mussten. Denn er kennt hier alle persönlich: Türsteher, Barkeeper, DJs, Reinigungskräfte... mitunter haben sich so schon tiefgründige Gespräche entwickelt. Das Besondere am Rossi für ihn? "Es ist eine der wenigen Locations in Mönchengladbach, wo man noch ,normal' feiern kann: einfach lässig, ohne Highheels-Zwang, ohne sich verkleiden zu müssen. Einfach kommen, wie man ist, richtig tanzen und authentisch sein. Und vor allem coole Leute treffen." Künftig wird er wohl zum Feiern nach Krefeld fahren – nachdem Herr Rossi zu Grabe getragen wurde, bleibt nur zu hoffen, dass in Mönchengladbach auch wieder Geburten folgen werden.rossi

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