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Mönchengladbach
Drastischer Anstieg bei psychischen Erkrankungen

Mönchengladbach: Drastischer Anstieg bei psychischen Erkrankungen
Zwei Drittel aller Patienten, die wegen Depressionen behandelt werden, sind weiblich. FOTO: Mascha Brichta
Mönchengladbach. Laut AOK-Bericht hat sich seit 2003 die Zahl der Tage, die Arbeitnehmer wegen Depressionen ausfallen, mehr als verdoppelt. Von Angela Rietdorf

Dass die Arbeitnehmer in Gladbacher Betrieben häufiger krank sind als im rheinischen Durchschnitt, ist ein Phänomen, für das es keine wirkliche Erklärung gibt. Alljährlich bei der Präsentation der Daten zu Krankenstand, Fehlzeiten und Diagnosen der AOK-Versicherten, die in Mönchengladbach arbeiten, weisen die Zahlen einen deutlichen Unterschied zum restlichen Rheinland auf, wobei das Rheinland schon schlechter dasteht als viele andere Regionen in Deutschland.

In Zahlen: In Mönchengladbach fallen AOK-Versicherte an 5,93 Prozent der Arbeitstage krankheitsbedingt aus, im gesamten Rheinland sind es 5,53 Prozent. Um diese Prozentzahl zu ermitteln, werden die Arbeitstage aller Mitarbeiter ins Verhältnis zur Zahl der Fehltage gesetzt. Ein Unterschied von 0,4 Prozent hört sich nicht viel an, ist aber auf mehr als 32 000 AOK-Versicherte gerechnet erheblich. Vor allem die Zahl der Langzeiterkrankten schlägt sich hier nieder und das ist für Krankenkassen teuer, denn sie übernimmt nach sechs Wochen bekanntlich die Zahlung des Krankengeldes. Besonders langwierig sind dabei die Erkrankungen der Seele. Eine depressive Episode wird nicht in drei Tagen auskuriert. Im Durchschnitt fallen Arbeitnehmer mit einer psychischen Erkrankung knapp 30 Tage aus. Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt seit Jahren dramatisch an, nicht nur, aber auch in Mönchengladbach. Seit 2003 hat sich die Zahl der Tage, die Arbeitnehmer wegen Depressionen oder ähnlichen Erkrankungen ausfallen, mehr als verdoppelt. In absoluten Zahlen wird das noch deutlicher: Bezogen 2013 noch 473 AOK-Versicherte Krankengeld wegen einer psychischen Krankheit, waren es 2014 schon 550, das sind 16 Prozent mehr. Parallel dazu ist eine Zunahme im Bereich der Infektionskrankheiten festzustellen, eine Entwicklung, die nach Ansicht von Gregor Mertens, dem stellvertretenden Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung, nicht von ungefähr kommt: "Eine psychische Erkrankung trägt dazu bei, dass die Immunabwehr geschwächt ist."

Für die steigende Zahl der seelisch Kranken sieht der Gesundheitsexperte verschiedene Gründe: das Diagnoseverhalten der Ärzte, die heute auftretende Symptome genauer psychischen Krankheiten zuordnen, die Enttabuisierung dieser Krankheiten, aber auch in hohem Maße die zunehmenden Belastungen der Arbeitswelt mit einer stärkeren Arbeitsverdichtung und unsicheren Arbeitsverhältnissen. "Es ist auch eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung", sagt Mertens. "Immer mehr Menschen sind von Armut bedroht, die Spaltung zwischen Arm und Reich nimmt zu." Frauen leiden besonders unter psychischen Erkrankungen: Zwei Drittel aller Patienten, die wegen Depressionen behandelt werden, sind weiblich.

Die Statistik weist außerdem viele Atemwegserkrankungen auf, die aber meist schnell auskuriert werden. Danach kommt der Bereich der Muskel- und Skeletterkrankungen, der ebenfalls eine längere Abwesenheit vom Arbeitsplatz zur Folge hat. In Mönchengladbach fallen Arbeitnehmer wegen beispielsweise Rückenerkrankungen durchschnittlich 18 Tage aus.

Die Krankenkassen, für die die Zahlung des Krankengeldes an Versicherte ein erheblicher Kostenfaktor ist, bemühen sich um Abhilfe. "Wir führen sehr früh Gespräche, um herauszufinden, wie wir die Versicherten unterstützen können", erklärt Marion Schröder von der AOK-Regionaldirektion Mönchengladbach. "Beispielsweise durch eine schnellere Vermittlung an Fachärzte." Außerdem ist die Krankenkasse in der betrieblichen Gesundheitsförderung aktiv. "Es ist eine Sisyphusarbeit, aber sie lohnt sich", sagt Mertens. "Das Verständnis in den Firmen für die Bedeutung der Gesundheitsförderung nimmt zu." Unter anderem bieten immer mehr Firmen psychologische Beratung an, die sie von außen einkaufen, so dass ihre Mitarbeiter nicht monatelang auf entsprechende Termine warten müssen.

Quelle: RP
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