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Mönchengladbach
"Dreigliedriges Schulsystem ist asozial"

Mönchengladbach: "Dreigliedriges Schulsystem ist asozial"
Pisa, das ist laut Tiemann so ähnlich wie Lord Voldemort aus Harry Potter: Der Name darf nicht genannt werden. FOTO: Photo courtesy of Warner Bros. P
Mönchengladbach. Zu den 25. Mönchengladbacher Schulgesprächen kam Kabarettist Christoph Tiemann in das Forum der Stadtsparkasse. Von Christian Lingen

Wie lernt das Gehirn? Wie funktioniert Integration in der Schule? Warum ist Inklusion ein wichtiges Thema? Diese drei Fragen sind nur eine Auswahl der Themen, mit denen sich die Mönchengladbacher Schulgespräche seit 25 Jahren beschäftigen. Immer im Herbst treffen sich die Direktoren im Forum der Stadtsparkasse und diskutieren mit einem Referenten über aktuelle Themen der Schulpolitik. Zum Jubiläum kam nun Kabarettist Christoph Tiemann. Er blickte mit geschliffenem Humor auf die vergangenen 25 Jahre zurück und kam zu dem Schluss: "Das dreigliedrige Schulsystem ist asozial. Gymnasien für die Patrizier, Realschulen für die normalen Bürger und Hauptschulen für den Pöbel."

"Jubiläen sind doof. Da treffen sich Leute wie ich, blicken auf bessere Jahre zurück und trinken sich hinterher einen", sagte Schuldezernent Dr. Gert Fischer. Die Schulgespräche seien jedoch ein Erfolg, da sie zum Dialog anregen und gleichzeitig eine Art Fortbildung für Lehrer seien. "1991 begann etwas, ohne das man sich das Zusammenleben nicht mehr vorstellen kann: Viagra", leitete Christoph Tiemann in seinen Vortrag ein. Die Lacher hatte jedoch ein Schulleiter auf seiner Seite. Er rief in den Saal hinein, dass die Pille nach Vanille schmecke. Passend zum Sanierungsstau bei Schultoiletten gab es per Power-Point-Präsentation ein Bild von Klempnermeister Rörich, bekannt aus den 1991 gestarteten Werner-Filmen, vor einem überlaufenden Klosett.

Christoph Tiemann bezeichnet sich selber als "Opfer sozialpolitischer Bildungsexperimente". Er war auf einer Gesamtschule. "Hatte man früher eine Fünf geschrieben, hatte man zu wenig gelernt. Heute hat der Lehrer bei der Notengebung die Defizite des Schülers nicht ausreichend berücksichtigt", erklärte er. Alleine die Ausbildung der Lehrer müsse schon anders ablaufen. Am Anfang stehen vier Semester Jura. "Auf dem Schulhof muss man zum Beispiel das Betäubungsmittelgesetz kennen", sagte Tiemann. Danach kommen zwei Semester Nahkampfausbildung. "Lehrer benötigen Kenntnisse in Judo, Karate und anderen Kampfsportarten, dazu den Umgang mit Faustfeuerwaffen", scherzte der Kabarettist. Weiter gehe es mit vier Semestern Psychologie. Die für den Unterricht benötigten Fachkenntnisse werden in einem Blockseminar am Wochenende vermittelt.

Im Laufe der vergangenen 25 Jahre gab es Daten, an die sich alle Lehrer erinnern. So zum Beispiel den 4. Dezember 2001. Da erschien die Pisastudie. "Das ist wie mit Lord Voldemort: die Studie, deren Namen nicht genannt werden darf", sagt Christoph Tiemann und versprach, in 50 Jahren wiederzukommen.

Quelle: RP
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