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Mönchengladbach
Durch die Augen der Flüchtlinge

Mönchengladbach: Durch die Augen der Flüchtlinge
Screenshots aus dem Trailer zu "Asyland". Links unten ist Regisseur Cagdas Yüksel zu sehen. FOTO: Cocktailfilms
Mönchengladbach. 400 Besucher sahen die Mönchengladbach-Premiere des Films "Asyland", der von Gladbacher Studenten umgesetzt wurde. Gezeigt werden vier Asylbewerber in vier Städten, die ihren Alltag in Deutschland ganz unterschiedlich erleben. Von Angela Rietdorf

"Wir sollten nicht über Menschen urteilen, ohne ihnen in die Augen zu sehen", sagt Gülistan Yüksel. Die Bundestagsabgeordnete ist zur Mönchengladbach-Premiere des Films "Asyland" ins Theater in Rheydt gekommen, um eben dies zu tun - den Flüchtlingen in die Augen blicken. Mit ihr rund 400 andere Zuschauer, die neugierig auf das Filmprojekt waren, das von Mönchengladbacher Studierenden umgesetzt wurde und Deutschland aus der Perspektive der Flüchtlinge zeigt.

Entstanden ist mit viel Engagement und wenig Geld ein Film, der berührt und unter die Haut geht, denn er blickt nicht auf Menschenmassen auf der Flucht, sondern auf Einzelne, die in Deutschland angekommen sind und hier zurechtkommen müssen. "Wir wollten nicht die Motive für die Flucht oder die Situation in den Herkunftsländern zeigen, sondern die Probleme, die die Menschen hier haben", erklärt Cagdas Yüksel, Regisseur und Initiator des Projekts. Vier Protagonisten in vier verschiedenen deutschen Städten haben sich die Filmemacher gesucht. Gedreht wurde in Gladbach, Köln, Stuttgart und Berlin. Zu Wort kommen die Flüchtlinge selbst. Sie stellen ihren Alltag in Deutschland dar, ihre Hoffnungen, ihre Verzweiflung.

Erschütternd der junge Mann, der beschreibt, wie er jeden Tag in Gladbach Arbeit sucht, Angst vor der Abschiebung hat und unter der Perspektivlosigkeit seiner Situation leidet. Positiv die Ausstrahlung eines jungen Mannes namens George, der in Berlin lebt, dort auch Praktika machen kann und sogar seine tendenziell fremdenfeindliche Nachbarin mit Freundlichkeit und Charme zur Freundin macht. Berührend die Englisch-Lehrerin aus Syrien, die vom Assad-Regime gefoltert wurde und in Deutschland zwar Sicherheit gefunden hat, aber am liebsten morgen wieder in die Heimat zurückkehren würde, wenn möglich. Und ein wunderbares Beispiel für gelingende Integration der junge Mann, der von einer Initiative namens Multitude betreut wird, Freunde gefunden hat und das erste Weihnachten, das er hier gefeiert hat, strahlend als den schönsten Tag überhaupt bezeichnet. Ergänzt werden die Aussagen der Flüchtlinge durch Kommentare von Schauspielern, Kabarettisten oder Politikern. Wobei klar wird, dass der Film vor dem Entschluss der Bundeskanzlerin, Asylsuchende in großem Maße aufzunehmen, entstanden ist. Das Fazit des Films: die persönlichen Beziehungen, die Integration, das wirkliche Ankommen in Deutschland ermöglichen. "Der Untertitel des Films lautet: 'Eine Geschichte, in der du noch nicht vorkommst'", erklärt Cagdas Yüksel. "Wir wollen dazu motivieren, sich einzubringen."

Das Filmteam hat viel Energie in das Projekt gesteckt. Die finanziellen Mittel wurden größtenteils durch Crowdfunding aufgebracht, Profis wie Sprecher oder Kameraleute machten ehrenamtlich mit. Hat sich das Ganze aus Yüksels Sicht gelohnt? Ja, sagt der junge Regisseur. "Es sind nach den Aufführungen Leute zu mir gekommen, die aktiv werden wollten", sagt er. Ihnen seien die Augen geöffnet worden, hätten sie gesagt. Sie wollten jetzt in die Heime gehen und sich kümmern. "Das war das Ziel des Films, mit dem wir begonnen haben, bevor die Zahl der Flüchtlinge so groß geworden ist", erklärt Yüksel.

Quelle: RP
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