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Mönchengladbach
Durch die Nacht mit dem Kappesbur

Mönchengladbach. Bei einer besonderen Stadtteiltour am Freitag konnten viele Rheindahlener ihre Heimat von einer neuen Seite entdecken. Der Erlebnisrundgang mit dem als Kappesbur verkleideten Stefan Purrio, Leiter der Geschichtsfreunde Rheindahlen, war schon lange restlos ausverkauft. Dabei gab es allerhand Delikatessen sowie Wissenswertes. Startpunkt war bei Dämmerung im Modehaus No. 21 am Mühlentor. Von Sabine Winkler

Trotz des strömenden Regens trafen sich rund 40 Frauen und Männer aller Altersgruppen in dem Geschäft von Marlies Rennertz. Die hatte die Idee zu der speziellen Stadtteilführung. Im badischen Staufen hatte sie an einer Mephisto-Tour teilgenommen, die sie zu dem kulinarisch-historischen Rundgang inspirierte. "Natürlich passend zu uns mit einem Kappes-Bauern," fügt die Ladenbesitzerin hinzu. Sie will vor allem den Stadtteil, der bis 1921 schließlich eine eigenständige Stadt war, etwas aufpolieren. "Rheindahlen hat seine Perlen, auch wenn viele hier das vielleicht anders sehen", betont sie.

Das bewies dann auch die rund vierstündige Tour mit kulinarischen Stationen. Die Teilnehmer verbinden ganz individuelle Geschichten mit dem Stadtteil und können diese mit dem Rundgang noch besser einordnen oder in Erinnerungen schwelgen. Besonders der Abstecher im ehemaligen städtischen Krankenhaus, in dem sich heute unter anderem der "Ruheraum" der Heilpraktikerin Jutta Schmitz befindet, war eine ganz besondere Station. Viele wurden dort geboren.

Rheindahlen ist aber auch außerhalb Gladbachs bekannt. Archäologen verbinden mit dem Stadtteil viele Funde aus der frühen Menschheitsgeschichte und den Neandertalern. Bis zu 500.000 Jahre gehen diese Faustkeilfunde, auf die auch eine Skulptur am Markt verweist, zurück. "Das wissen viele hier gar nicht so genau", sagt Stefan Purrio, der die Tour konzipiert hat.

Bei typisch niederrheinischem Regenwetter war natürlich jede Unterstellmöglichkeit willkommen. Die gab es dann zum Beispiel in der Weinhandlung Gietzen, wo ein echter "Dahlener Genießerteller" serviert wurde. Wer sich fragt, warum dem "Dahlen", eigentlich das "Rhein" hinzugefügt wurde, bekam ebenfalls Antwort. Die sächsische Stadt Dahlen bei Leipzig und das niederrheinische Dahlen hatten oft mit Verwechslungen bei der Post zu kämpfen. Das damals einwohnertechnisch kleinere Dahlen am Niederrhein musste dem sächsischen den Vorzug lassen, und sich umbenennen. Seitdem gibt es Rheindahlen. "Wir wollen den Standort stärken und sind froh, hier auch Partner in den Geschäften gefunden haben", betont Purrio. "Wir wollen dass die Leute gerne mitmachen und wiederkommen." Das hat Erfolg - manche Teilnehmer von Purrios Tour machen diese bereits zum dritten Mal mit.

Karten für die Tour hatten die Teilnehmer schon vorher gekauft. Der Preis von 15,68 Euro hatte viel Symbolik: Er spielt auf die Schlacht von Dahlen 1568 an. Der Reinerlös der Veranstaltung ging übrigens an die Geschichtsfreunde Rheindahlen - und die planen bereits eine Fortsetzung im Oktober.

Quelle: RP
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