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Mönchengladbach
Durch Sport kann Integration gelingen

Mönchengladbach: Durch Sport kann Integration gelingen
v. l. n. r.: Integrationsbeauftragte Marion Blinten, Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel, Boxerin Ina Menzer, Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Integrationsplanerin Michaela Morschhoven. FOTO: Stadt Mönchengladbach
Mönchengladbach. Eine Fachkonferenz der Stadt beschäftigte sich mit der Rolle von Vereinsleben und Sport bei der Integration. Mit dabei war auch Ina Menzer. Sie verriet, dass ihre ersten deutschen Worte "Ente" und "Affe" waren. Von Angela Rietdorf

"Sport und Integration gehören zusammen", stellte Axel Tillmanns, Moderator der Integrationskonferenz und Geschäftsführer des Stadtsportbundes, fest. Und als Beispiel nannte er den derzeitigen Lieblingsnachbarn der Deutschen Jerome Boateng, aber natürlich auch Mesut Özil und Mario Gomez, aktuell für die Nationalelf im Einsatz bei der Europameisterschaft. Wie Integration durch Sport gelingen kann, das stand im Mittelpunkt der sechsten Integrationskonferenz der Stadt Mönchengladbach, die jetzt im Haus Erholung stattfand.

Der Stadtsportbund beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Fragestellung, welche Rolle Sportvereine bei der Integration von Migranten und Flüchtlingen spielen können. "Natürlich gibt es unter den Mitgliedern vieler Vereine Migranten", sagte Tillmanns. "Aber wir fragen uns, wie wir mehr Migranten erreichen, was Flüchtlinge und andere Zuwanderer unterscheidet und wie sie verstärkt auch ins Ehrenamt eingebunden werden können." Aufschluss über Motivation zum oder kulturelle Unterschiede beim Sporttreiben erhoffte sich der Stadtsportbund unter anderem von einer Arbeitsgruppe, die sich im Rahmen der Integrationskonferenz mit dem Thema beschäftigte.

Einen ersten Impuls setzte eine Expertin, die aus eigener Erfahrung berichten konnte, wie der Sport dazu beiträgt, in einem neuen Land heimisch zu werden. Ina Menzer, in Kasachstan geborene und in Gladbach aufgewachsene Boxweltmeisterin, erzählte von ihren Erlebnissen. "Als ich nach Deutschland kam, war es zuerst in der Schule für mich sehr schwer", erinnerte sie sich. "Die beiden einzigen deutschen Worte, die ich kannte, waren ,Ente' und ,Affe', und damit kam ich natürlich nicht weit." Ihre Eltern machten ihr klar, dass sie zuerst Deutsch lernen müsse. Sie hängte sich rein und meisterte die Sprache. Mit 13 begann sie nach einer Auseinandersetzung mit einer Mädchengang mit dem Kampfsport: "Der Sport war für mich Leidenschaft und Ventil." Sie lernte dort nicht nur das Boxen, sondern auch Werte: "Disziplin, Respekt, Verantwortung". Außerdem zähle beim Sport nur Leistung, nicht die Herkunft. Gleichzeitig kümmerte sich im Verein jeder um jeden, es wurden Praktikums- und Arbeitsplätze vermittelt, man half sich gegenseitig. Und es wurde Deutsch gesprochen. "Wenn wir untereinander mal Russisch sprachen, machte man uns freundlich darauf aufmerksam", erklärte die Boxerin. In der Sprache, so Menzer, liege der ultimative Schlüssel zur Integration. Zudem plädierte sie für die Teilnahme der Zuwanderer am gesellschaftlichen Leben, den Respekt gegenüber der deutschen Kultur und das Einhalten von Regeln. "Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die viel verlangt, aber auch viele Chancen bietet. "Und ich habe nirgendwo sonst so viel Hilfsbereitschaft erlebt wie in Deutschland."

Die jährliche Integrationskonferenz ist ein zentraler Bestandteil der städtischen Integrationsarbeit. "Wir haben mit 150 Teilnehmern begonnen, jetzt sind wir bei 270", so Marion Blinten, die Integrationsbeauftragte der Stadt.

Quelle: RP
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