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Aktion Fit Für 10
Edith Schmäing läuft auf dem Weg zurück ins Leben

Mönchengladbach. Kothausen Es sollte ihr Jahr werden. Eigentlich. Edith Schmäing wollte 2016 gemeinsam mit ihrem Mann Peter einen Halbmarathon laufen. Weil sie über die Aktion "Fit für 10" 2013 den Einstieg in den Laufsport gefunden hatte, kam ihr das Folgeprojekt "Fit für 21" gerade recht. Und auch das Ziel passte: Die 21,1 Kilometer wollte die heute 62-Jährige in ihrer Heimatstadt laufen, direkt danach in die Vorbereitung für ihren ersten Marathon einsteigen. Alles schien genau zu passen. Eigentlich. Von Dieter Weber

Dass am Ende der Santander-Marathon wegen eines drohenden Gewitters abgesagt wurde, war zu diesem Zeitpunkt im Juni 2016 für Edith Schmäing nicht mehr entscheidend. Sie kämpfte zu diesem Zeitpunkt einen anderen Kampf. Einen auf Leben und Tod: den gegen den Krebs. Und trotzdem ist sie auf die Laufstrecke zurückgekehrt und hat sich für dieses Jahr noch einmal für "Fit für 10", das Gemeinschaftsprojekt von Rheinischer Post, NEW und Stadtsparkasse, angemeldet. Schmäing ist im Team und bekommt mit weiteren Frauen ein regelmäßiges Zusatztraining: Sie ist Teil der Brustkrebs-Gruppe, die von Betreuerin Christiane Werft mit speziellen Übungen auf die sportliche Herausforderung vorbereitet wird. Die erste Etappe auf dem langen Weg zurück hatte die Kothausenerin bereits im Vorjahr gewonnen. "Ich war nie krank, hatte nicht mal einen Hausarzt. Und plötzlich war mir immer übel. Ich habe zunächst eine Magen-Darm-Grippe vermutet und bin dann vorsichtshalber mal zum Arzt gegangen. Einen Tag nach dem Befund lag ich schon unter dem Messer", erzählt sie. Die Spezialisten entdeckten bei ihr einen Tumor im Darm, der auch bereits gestreut hatte. Nach der OP folgte Chemotherapie. "Während der Chemo bin ich wieder gelaufen. Es war wahnsinnig anstrengend, aber ich wollte es unbedingt", sagt sie.

Als sie sich auf dem Weg der Besserung wähnte, kam im Juli 2016 der nächste Rückschlag: ein Darmverschluss. Sie kippte um - "und von da an fehlt mir eine Woche meines Lebens. Ich kann mich an nichts mehr erinnern". In dieser Zeit bangten ihr Mann Peter, die drei Kinder und die beiden Enkel auf der Intensivstation des Bethesda um ihr Leben. Als sie wieder wach wurde, "war ich so klapprig, dass ich nicht einmal vom Bett zur Zimmertür kam". Und weil ihr Arzt sagte, dass sie es vermutlich nicht überstanden hätte, wenn sie nicht so austrainiert gewesen wäre, nahm sich Edith Schmäing vor: "Wenn es wieder geht, werde ich erneut ins Lauftraining einsteigen."

Dies verblüfft. Denn die ausgebildete Gymnastiklehrerin, die beruflich mit autistischen Menschen arbeitet, konnte mit dem Ausdauerlauf nie viel anfangen. Sie hatte sich für Kampfsport, für Badminton und Tennis begeistern können. Aber laufen - das erschien ihr langweilig. Und heute? "Es war toll, als ich wieder gelaufen bin. Und dass ich heute, gut ein Jahr nach der schlimmsten Woche meines Lebens eine Stunde joggen kann, ist ein Supergefühl." Die zusätzlichen Trainingseinheiten mit der Brustkrebs-Betreuerin von "Fit für 10", Christiane Werft, helfen bei der Rückkehr ins normale Leben. "Wir stärken bei ihren Einheiten unsere Muskulatur. Wir arbeiten auch daran, dass sich unser Empfindungsvermögen in den Füßen verbessert. Denn das geht durch die Chemo verloren", sagt Schmäing. Im September will sie beim NEW-Volksbadlauf die zehn Kilometer laufen: "Dann bin endgültig wieder zurück."

Quelle: RP
 
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