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Mönchengladbach
Effertz Tore investiert in die Zukunft

Mönchengladbach: Effertz Tore investiert in die Zukunft
Claus Schwenzer, Geschäftsführer von Effertz Tore, führt das Unternehmen in fünfter Generation. FOTO: Isabella Raupold (2), IHK, Effertz Tore GmbH
Mönchengladbach. Für 3,3 Millionen Euro - die größte Einzel-Investition in der 136-jährigen Firmengeschichte - erweitert der Rolltor-Experte am Gerstacker. Das gibt, angesichts mehrerer neuer Geschäftsfelder, Planungssicherheit für die kommenden 25 Jahre. Von Jan Schnettler

Vielleicht ist die Frage, warum das mit dem neuen Berliner Großflughafen und speziell dem dortigen Brandschutz so gravierend schiefläuft, eigentlich ganz einfach zu beantworten. Und vielleicht führt die Antwort auch nach Mönchengladbach. "Wir sind mit unserer Technik eigentlich in allen deutschen Großflughäfen vertreten - außer in Berlin", sagt Claus Schwenzer. "Denen waren wir zu teuer." Schwenzers Firma Effertz Tore gilt nun allerdings europaweit als führender Hersteller von Feuerschutz-Rolltoren. Alleine am Düsseldorfer Flughafen sind rund 50 Effertz-Tore verbaut. Ob im Eurotunnel, im Louvre, in der Semperoper, im Deutschen Museum, im Minto oder in Möbelhäusern - überall kommen die Spezialanfertigungen vom Gerstacker zum Einsatz. Nur eben nicht am BER - klarer Fall von "selber schuld", ist man geneigt zu sagen.

Wer derzeit an den Effertz-Hallen vorbeifährt, erkennt: Da tut sich einiges. Wie berichtet, hat das 1880 als Rollladenfabrik gegründete Unternehmen das 13.000 Quadratmeter große Nachbargrundstück der früheren Holzhandlung Hölters & Peters gekauft und dort zunächst einen Anbau an die Bestandshalle errichtet. Auf dem Außengelände entstehen 45 Stellplätze und Rangierflächen für Lkw, was die Verkehrssituation besonders an der Breite Straße entzerrt. Wenn man bedenkt, dass die Bestandsflächen von Effertz nur 8500 Quadratmeter groß sind, "gibt uns das Planungssicherheit für die nächsten 25 Jahre. Wir können auf dem eigenen Firmengelände nun weiter wachsen", sagt der 57-Jährige. Für Grundstückskauf, Maschinen und Anlagen, Neubau und Herrichtung des Grundstücks hat das Unternehmen auch kräftig Geld in die Hand genommen: 3,3 Millionen Euro. "Die größte Einzel-Investition der Firmengeschichte", sagt Schwenzer.

Schon bisher war die Halle lang und schmal, weil die dort hergestellten Tore breit und oftmals hoch sind - nun wächst die Länge des Komplexes von 160 auf 220 Meter. Die Kranbahn wurde in den Neubau verlängert, auch die Logistik wird dort angesiedelt, wobei man sich moderne Methoden auch gerne mal von Logistikern wie Zalando abschaut. Wie Schwenzer überhaupt gerne betont, dass man als Mittelständler fortwährend mit der Zeit gehen müsse, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Er orientiere sich da am Credo des früheren BMW-Vorstandsvorsitzenden Eberhard von Kuenheim ("Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen"), den er in seiner Zeit in der Entwicklungsabteilung des Autobauers noch kennengelernt habe. Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass Effertz beim Bau der neuen Halle auf die wirklich allerneuesten Techniken setzt. Dass man viel Energie darin steckt, zu schauen, wie man funktionierende Dinge noch besser machen kann - "auch wenn wir uns dabei mal selbst kannibalisieren", sagt der Ururenkel des Firmengründers.

Und dass man immer mehr versucht, sich von einzelnen, zyklisch verlaufenden Branchen wie dem Bauwesen unabhängiger zu machen. Seit gut einem Jahrzehnt ist Effertz nun bereits in den Bereichen Offshore und Schiffsbau engagiert, speziell in der Boombranche der Kreuzfahrtschiffe. "Die Schiffe werden immer größer, der Brandschutz wird immer wichtiger", sagt Schwenzer. "Das spielt uns in die Karten." Zehn Prozent des Gesamtgeschäfts mache das bereits aus (der Jahresumsatz liegt bei zwölf Millionen Euro). Aktuell läuft ein Rettungszug-Projekt für die Deutsche Bahn, ganz neu dazugekommen ist dieses Jahr der Bereich der Hochwasserschutztore: "Auch da spekulieren wir angesichts des Klimawandels auf dauerhaftes Geschäft." Betriebe könnten es sich einfach nicht länger erlauben, bei Starkregenereignissen Produktionsausfälle zu riskieren, wie es etwa Audi bereits geschehen sei. Und auch damit sei die stetige Weiterentwicklung noch lange nicht am Ende. "Ich weiß jetzt noch nicht, was wir nächstes Jahr entdecken werden", sagt Schwenzer. "Klar ist nur: Stillstand ist Rückschritt. Dann könnten wir den Laden dichtmachen."

Und das wäre schade, arbeiten doch 75 Mitarbeiter und neun Azubis mit einer extrem geringen Fluktuationsquote bei dem Unternehmen, das zu den zehn ältesten der IHK in Gladbach zählt. Das es 1981 mit einem Riesen-Tor ins Guinness-Buch schaffte. Das nicht nur Innovationspreise, sondern auch Auszeichnungen für Familienfreundlichkeit einheimst. Das einem Flüchtling aus Eritrea eine Einstiegsqualifizierung ermöglichte, die dieser in eine nun begonnene Ausbildung umgemünzt hat. Das als erstes Unternehmen zusammen mit der Hochschule ein neuartiges Trainee-Studium anbietet. Und das sich vielfältig in der Stadt engagiert, "und das ganz ohne Trikots zu spenden", wie Schwenzer lachend sagt.

Nur ein ganz winziges Problem gibt es da: Die Effertz-Tore sind einfach zu langlebig. Anfang der 90er entwickelte und produzierte Effertz 660 Spezial-Brandschutzrolltore für die Pkw- und Buswaggons der Eurotunnel-Shuttle-Züge. "Wir hatten uns seinerzeit für die damals stolze Summe von 100.000 DM Ersatzantriebe beiseitegelegt. Die liegen alle noch bei uns im Lager."

Quelle: RP
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