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Serie Gladbachs Gewässer (3)
Ein Bach wie aus dem Bilderbuch

Serie Gladbachs Gewässer (3): Ein Bach wie aus dem Bilderbuch
Gemächlich fließt der Bach durch die Auenlandschaft. Der zweite Bauabschnitt ein Jahr nach der Renaturierung. FOTO: NEW
Mönchengladbach. Flankierend zur Serie "Rheinliebe", die in den Ferien immer dienstags und donnerstags im Lokalteil erscheint, stellen wir Ihnen auch die Flüsse und Bäche Mönchengladbachs vor. Heute geht es um den Bungtbach, der im Gladbach-Kanal mündet. Von Angela Rietdorf

Ruhig plätschert das klare Wasser des Bungtbaches dahin. Träge schlängelt sich der kleine Bach zwischen Bäumen und Büschen hindurch. Sumpf-Schwertlilien und Nesseln säumen die Ufer, umgestürzte Baumstämme bilden natürliche Hindernisse. Sommerflieder verbreitet seinen Duft. Über dem Wasser flitzen bläulich schimmernde Libellen umher, Falter flattern zwischen den Nesseln. Dann plötzlich blitzt es tiefblau auf - ein schimmernder Eisvogel steigt vom Bach zu den Bäumen auf. Der Bungtbach ist das Juwel unter Gladbachs Bächen. Aber hinter dem, was so natürlich aussieht, steckt viel Mühe.

Lang ist der Bungtbach nicht: Zwischen seinem Beginn an der Stiegerfeldstraße und seiner Mündung in den Gladbach liegen nur ungefähr zwei Kilometer. Aber es sind zwei Kilometer, auf denen sich heute ein Bach wie aus dem Bilderbuch zeigt. Das war nicht immer so: Der Bungtbach hat etliche Wandlungen hinter sich. Ursprünglich besaß er zwei Quellen, die aber inzwischen versiegt sind. Im Laufe der Jahre wurde der Bachlauf immer wieder verändert: Er wurde begradigt, betoniert, kanalisiert. Und jetzt wieder in einen möglichst natürlichen Zustand zurückversetzt. In drei Bauabschnitten wurde der Wasserlauf am Volksbad, im Volksgarten und an den Zwölf Morgen in Hardterbroich renaturiert. Der Bungtbach fließt nun wieder gemächlich durch eine Auenlandschaft. Nur das letzte Stück vor der Mündung in den Gladbach-Kanal konnte nicht verändert werden, denn hier verläuft der Bach unterirdisch, über ihm erhebt sich ein Gewerbepark.

Die Renaturierung des Bungtbaches ist ein voller Erfolg. Ökologisch gesehen auf jeden Fall, wie nicht nur, aber auch der jetzt hier lebende Eisvogel beweist, über den der NABU auf seiner Internetseite schreibt: "Der Eisvogel eignet sich hervorragend als Indikator für gesunde Gewässer." Armin Marx, Vorstand der NEW, die für die Renaturierung verantwortlich ist, stellt fest: "Wir machen gemeinsam mit dem Umweltamt ein Monitoring. Die Situation hat sich deutlich verbessert. Trotzdem bleibt noch viel zu tun." Unter anderem soll das Wasser des Bungtbaches noch reiner werden. Dazu soll das neue Regenwasserklärbecken dienen, das gerade an der Hardterbroicher Straße gebaut wird. Da der Bungtbach keine Quelle mehr hat und auch viele der Bäche, die er früher aufnahm, versiegt sind, wird er heute ausschließlich aus Regenwasser gespeist. Das Niederschlagswasser aber nimmt, bevor es in die Kanalisation fließt, den Dreck der Straßen auf, vor allem den Reifenabrieb. Dieser Schmutzwasseranteil soll im neuen Klärbecken abgeschieden werden, so dass in Zukunft nur noch gereinigtes Regenwasser den Bungtbach erreicht.

Aber die Renaturierung des kleinen Gewässers hatte natürlich neben ökologischen noch andere Gründe. In erster Linie ging es um Hochwasserschutz. Durch die Herabsetzung der Fließgeschwindigkeit des Baches und die wiederhergestellte Auenlandschaft kann der Bungtbach einschließlich Uferregionen bei Starkregen 50.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen - 50.000 Kubikmeter, die sich nicht mehr in der Kanalisation zurückstauen und Keller und Straßen überfluten können. Stattdessen fließt das Wasser langsam und ohne Schaden anzurichten, ab. Der Erfolg dieser Maßnahme zeigte sich schon in diesem an Gewittern nicht eben armen Sommer - die Auen standen unter Wasser, nicht aber die Häuser.

Quelle: RP
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