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Mönchengladbach
Ein Baumarkt, sechs Workshops, 100 Frauen

Mönchengladbach: Ein Baumarkt, sechs Workshops, 100 Frauen
Wände anpinseln kann jeder, richtig Tapezieren will gelernt sein: einer von sechs Workshops, den der Hornbach-Baumarkt anbot. FOTO: Stephan Schellhammer
Mönchengladbach. Beim "Women at Work"-Projektabend in der Hornbach-Filiale am Reststrauch griffen die Teilnehmerinnen ohne Scheu zu Akkuschrauber, Farbwalze und Kelle. Von Nadine Fischer

Ein letztes Mal streicht Julia Bertram mit dem Moosgummiroller über die weiße Tapetenbahn, die jetzt glatt und fest an der Sperrholzwand pappt. "So richtig Tapezieren kann nur Papa", hat die 29-Jährige lange gedacht. Doch seit ein paar Sekunden weiß sie ganz genau: "Ich kann das auch." Und: "Das ist viel leichter als gedacht." Die Mönchengladbacherin ist eine von rund 100 Teilnehmerinnen beim "Women at Work"-Workshop in der Hornbach-Filiale am Reststrauch. Es ist Freitagabend, kurz nach Ladenschluss. Drei Stunden lang werden die Frauen jetzt unter Anleitung qualifizierter Facharbeiter bohren und Wände verputzen, Laminat verlegen, tapezieren - und sich zwischendurch auch mal ein bisschen über Männer lustig machen.

Mit den Profis lernten die Frauen auch den Umgang mit schwerem Gerät.

"Wir hatten rund 400 Interessentinnen für den Projektabend", erzählen die stellvertretenden Marktleiter Birgit Lankau und Marc Brunnmair, während die Teilnehmerinnen in Gruppen eingeteilt werden. Jede von ihnen durfte sich im Vorfeld für zwei der sechs Workshops anmelden, zur Auswahl standen "Kreativ Wände gestalten", "Tapezieren", "Laminat und Vinyl verlegen", "Dübeln/Wandbefestigung", "Silikonfugen erneuern", "Waschtischarmaturen und Siphon tauschen". Das Ziel des Abends fassen Lankau und Brunnmair so zusammen: Die Frauen sollen die Scheu vorm Heimwerken verlieren, Projekte zu Hause selbst anpacken statt die Arbeit Männern zu überlassen und Spaß an der Sache entwickeln. "Frauen werden für Baumärkte als Käufergruppe immer wichtiger", sagt Brunnmair. Da kann es nicht schaden, wenn sie sich gut mit Material und Gestaltungsmöglichkeiten auskennen. Das finden anscheinend auch die Frauen: Hornbach bietet die Projektabende bundesweit an, im vergangenen Jahr hätten sich insgesamt rund 10000 Frauen angemeldet, teilt das Unternehmen mit.

Turnschuhe oder Boots, Jeans und Pullover haben die meisten Workshop-Teilnehmerinnen für diesen Abend als Arbeitskleidung gewählt. Sie sind zwischen etwa 20 und 65 Jahre alt, ein paar von ihnen sind mit Freundinnen da, Mütter haben ihre Töchter dabei, die bald in die erste eigene Wohnung ziehen, andere sind alleine hergekommen. Julia Bertram ist mit Freundinnen da. "Mein Mann und ich überlegen, ein Haus zu kaufen. Dann möchte ich beim Renovieren mehr machen als nur Hilfsarbeiten", erzählt sie. Während sie schon an der Übungswand tapeziert hat, hält sich Sabine Theis noch zurück. "Ich schaue erst mal", sagt die 53-Jährige, die bald ihre Wohnung neu tapezieren möchte. "Damit ich dann nicht auf die Hilfe meines Bruders oder meines Patenkindes angewiesen bin, habe ich mich hier angemeldet."

Eigentlich wollte sie später noch zum "Silikonfugen erneuern", aber wie so viele andere Frauen hat die Rheydterin in der begehrtesten Gruppe des Abends keinen Platz mehr bekommen. Anders als Brigitte Noeske aus Rheindahlen. "Handwerklich mache ich eigentlich sehr viel", sagt sie. Kabel verlegen, Wände verputzen, Regale aufhängen - hat sie alles schon selbst erledigt. "Das macht mir viel Spaß, und ich spare die Kosten für den Handwerker", sagt die 61-Jährige. Jetzt will sie ihr Bad erneuern, deshalb hört sie genau zu, welche Tipps der Workshop-Leiter ihr gibt, stellt Fragen, macht sich mit dem Werkzeug vertraut. Auch Sabine Theis hört in ihrer Gruppe gut zu und hat sich mittlerweile an die Tapete gewagt. Auch wenn sie an diesem Abend einige nützliche Tipps bekommt, ist ihr eines doch bewusst: "Ich kann hier in den drei Stunden nicht lernen, was sich Handwerker in drei Jahren Ausbildung aneignen."

Quelle: RP
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