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Mönchengladbach
Ein Blick auf 175 Jahre Schulgeschichte

Mönchengladbach: Ein Blick auf 175 Jahre Schulgeschichte
Zum ersten Mal in der 175-jährigen Geschichte der Bischöflichen Marienschule fand ein Treffen aller Absolventen statt. Da gab es viel zu erzählen. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Das Ehemaligentreffen der Bischöflichen Marienschule feierte Premiere. Alte und junge Absolventen blickten zurück auf eine traditionsreiche Schulgeschichte und sind gespannt auf die Zukunft der Schule. Von Sabine Winkler

Nach dem Abitur sind viele froh, die Schule hinter sich zu haben. Mit einigen Jahren Abstand geht es vielen aber anders. Auch die etwa 2000 ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Bischöflichen Marienschule (BMS) spürten das am vergangenen Samstag. Zum ersten Mal in der 175-jährigen Geschichte des Gymnasiums fand ein Treffen aller Absolventen statt. Die Schulgemeinde hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Die Erinnerungen bleiben aber frisch.

Die eine oder andere Schülerin hat an dem ehemaligen Mädchengymnasium sogar ihre Spuren bis in das neue Schulgebäude hinterlassen. So entdeckt die 80-jährige Frau Kruse ein Mosaik im Flur. Das hatte sie gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen in den 50er Jahren gemacht, noch im alten Gebäude an der Kaiserstraße: "Dass ich das noch mal wiedersehe. Die Karomuster, die wir eingebaut haben, waren damals modern auf den Strümpfen", erzählte sie.

Bevor der Abend richtig startete, gab es für die Älteren nach einem Gottesdienst die Gelegenheit, genauer in das Fotoalbum der Marienschule seit 1830 reinzuschauen. Wolfgang Wollenweber, seit 34 Jahren Latein- und katholische Religionslehrer an der BMS, hat eine Chronologie des Gymnasiums entworfen. "Das war eine Menge Arbeit. Beeindruckt hat mich vor allem, wie die jüngeren, aktuellen Schüler auf die Erzählungen reagiert haben. Die waren mucksmäuschenstill, das ist man gar nicht gewohnt," sagt der Lehrer und lacht.

Schwester Rita Kaßner, die die Schule von 1974 bis zur Übergabe ans Bistum Aachen 1980 leitete, ließ es sich nicht nehmen, vorbeizuschauen: "Ich habe die Marienschule in mein Herz geschlossen. Das waren sechs anstrengende Jahre, die ich nicht missen möchte." Erst mit Übernahme durch das Bistum wandelte sich das Gymnasium von der reinen Mädchen- zu einer koedukativen Schule für Jungen und Mädchen. Auch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges spiegeln sich in der Schulhistorie wider. Rund 70 Prozent der Stadt wurden zerbombt. Die Marienschule blieb nicht verschont. 1943 wurde das Gebäude so sehr zerstört, dass es nicht mehr für den Unterricht geeignet war. Nach dem Krieg halfen die Schülerinnen beim Wiederaufbau mit. "Wir mussten Ketten bilden und haben die Steine mit Schwester Lettmann nach oben auf den Dachstuhl gebracht. Darum haben wir uns nicht unbedingt gerissen," erinnert sich Frau Becher, die 1965 ihr Abitur absolvierte.

Für ihr Treffen haben sich die Ehemaligen den perfekten Tag ausgesucht: mildes Herbstwetter mit Sonnenschein, kein Regen. Glück für die Big Band, die ihr Konzert draußen im Mensahof spielen konnte. Teresa Bommes, die die Big Band leitet, freut sich sehr auf diese Gelegenheit: "Das hat Tradition bei uns. Viele der Ehemaligen haben auch in der Big Band gespielt." Im Foyer konnten sich junge und alte Abiturienten in alte Schulbänke setzen und Fotos machen. Später am Abend wurden noch Schiedsrichtertrikots des letztjährigen DFB-Pokalspiels versteigert. Die hatte der ehemalige Schüler und nun Profischiedsrichter Mark Borsch besorgt. "Der Erlös geht an unser Sozialprojekt, eine Partnerschule im Senegal, die wir seit 2003 unterstützen," erklärt der stellvertretende Schulleiter Johann Konder.

Die Organisation der Veranstaltung war gut durchdacht, berichtet Schulleiterin Angela Göbel: "Man konnte sich über unsere Webseite und bei Facebook anmelden. Viele, vor allem die Älteren, haben aber gefragt, ob sie ohne Anmeldung kommen können." Sie selber ist erst seit zwei Jahren Teil der Marienschule und ist fasziniert von der langen Tradition der früheren Franziskaner-Schule für Mädchen. Die älteste Teilnehmerin an diesem Abend, Frau Ollig, ist 92 Jahre alt: "Ich hab gar kein komisches Gefühl, wenn ich an früher zurückdenke. Ich bin froh, dass alle Erinnerungen frisch in meinem Kopf sind. Ich mochte meine Schulzeit hier sehr." So erzählt sie in ausgelassener Runde davon, welch strenge Sitten herrschten. Damals konnten die jungen Frauen und Mädchen verschiedene Abschlussarten, vom sogenannten Puddingabitur für Frauenberufe bis hin zum klassischen Abitur erwerben. "In der Kapelle achteten die peinlichst auf die Trennung. Links das Lyceum, rechts die von der Mittelschule." Diese Strenge hat sich heute an der Marienschule gelockert. Trotz allem bleibt sie ein Gymnasium mit einer besonderen Tradition in Gladbach.

Quelle: RP
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