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Mönchengladbach
Ein echtes Ass im Taubenschlag

Mönchengladbach: Ein echtes Ass im Taubenschlag
Der alles entscheidende Flug für die noch namenlose Taube führte über 707 Kilometer von Südfrankreich nach Hause. Gerhard Kemmler zeigt das Tier und die Chips (unten r.). Mit diesen werden über einen Sender beim Anflug am Taubenschlag sekundengenau Geschwindigkeit und Entfernung gemessen. FOTO: Knappe Joerg
Mönchengladbach. Gerhard Kemmler ist in der Freizeit leidenschaftlicher und erfolgreicher Taubenzüchter. In der gerade beendeten Saison der "Alt-Tauben" ist eines seiner Tiere deutschlandweit auf dem dritten Platz gelandet. Von Angela Wilms-Adrians und Jörg Knappe (Fotos)

Was treibt einen Taubenzüchter an? Für Gerhard Kemmler sind es die Faszination am Heimkehrwillen der Tiere und die Tatsache, dass ein so kleines Wesen über Hunderte von Kilometern wieder nach Hause findet. "Es ist sehr schön anzusehen, wenn die Tauben von einem Wettkampf zurückkommen. Wenn der Himmel wolkig bedeckt ist, sieht man sie ganz plötzlich von sehr hoch runterkommen. Das ist der Lohn für die Arbeit", schwärmt er.

Kemmler ist überzeugt, den Vögeln ihre Freude über die Heimkehr anzusehen. "Wenn eine Taube zurückkehrt, fliegt sie immer erst einen Moment auf mich zu, ehe sie abdreht zum Brett am Taubenschlag. Die weiß dann, dass sie wieder zuhause ist und umsorgt wird", sagt der Mönchengladbacher, dessen Brieftauben schon vielfach prämiert wurden. Mit 43 Jahren entspricht er nicht unbedingt dem Bild des charakteristischen Taubenzüchters. Da der Lürriper an der Grenze zu Korschenbroich wohnt, ist er dort im Verein. Da zählt er zu den jüngeren Mitgliedern.

"Viel Nachwuchs gibt es nicht", bestätigt Kemmler. Seine Eltern hatten niemals Tauben besessen. Als Kind verbrachte er viel Zeit bei den Tauben eines Nachbarn und fand so zum Hobby. "Ich hatte schon als Kind in Polen Tauben. Als ich nach Deutschland kam, war erst einmal lange Pause. Dann hatte ich mit einem Partner eine Schlaggemeinschaft. Vor zehn Jahren haben wir hier gebaut, und nun züchte ich eigenständig", erzählt der gebürtige Schlesier. Der Vater einer erwachsenen Tochter ist Elektriker und als Haustechniker beschäftigt. Für seine 20 Zuchtpaare und 70 Tauben, die an Preisflügen teilnehmen, steht er jeden Morgen gegen fünf, halb sechs Uhr auf. Während der Wettkampfsaison werden die Tauben morgens und abends trainiert, fliegen dann also nahe beim Haus oder über Strecken von etwa 20 bis 25 Kilometern.

Für die Tiere ist er Halter, Züchter und Betreuer. Ehefrau Mariola hilft zur Not. Kemmler hat einen selbstgebauten Taubenschlag im Garten für die Zuchttauben und einen zweiten auf dem gegenüberliegenden Grundstück des Nachbarn, der ihn bei Bedarf unterstützt. Auf dem Nachbargrundstück residieren die "Renntauben", darunter auch der kleine Star: die deutschlandweit drittschnellste Taube der Saison. In das Grau der Taube mischen sich an den Flügeln hübsche weiße Federn und am Hals sanft schimmernde Grün- und Violett-Töne. Einen Namen hat sie noch nicht, doch da will sich Kemmler bald etwas Besonderes einfallen lassen. "Ich bin schon stolz", gibt er zu. Zumal sein Renn-Ass mit einem Jahr noch jung ist. Üblicherweise sind die Sieger eher unter den zwei- bis dreijährigen Vögeln mit mehr Erfahrung zu finden.

Da nicht alle Tauben deutschlandweit am gleichen Tag starten können, wird bei den Wettkämpfen mit einem Punktesystem gearbeitet. Bewertet werden regionale und nationale Rennen in großer Konkurrenz von vielen Züchtern und Tauben. Jede Wettbewerbs-Taube trägt einen Chip am Fuß, mit dem über einen Sender beim Anflug am Taubenschlag sekundengenau Geschwindigkeit und Entfernung gemessen werden. Für die Platzierung wurden in der Saison fünf Flüge ausgewertet, davon drei über 400 Kilometer, einer über 500 Kilometer und einer über 600 Kilometer Entfernung. Der alles entscheidende Flug für die Taube führte sogar über 707 Kilometer von Südfrankreich nach Hause. "Da habe ich doch sehr gezittert", gesteht Kemmler rückblickend und betont, dass die Taube eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 108, 3 Kilometern gehabt haben muss. Günstig ausgewirkt habe sich dabei der Süd-Süd-West-Wind. Von 500 möglichen Punkten erreichte Kemmlers Taube insgesamt 489,64. Die Nummer eins unter mehreren Millionen Tauben hatte 6,35 mehr.

Erfolgreiche Wettkämpfer haben natürlich ihren Preis. Die Bekanntheit richtet sich nach der Leistung. Für vielfach prämierte Tiere werden oft Zigtausende Euro und mehr bezahlt. Am höchsten gehandelt werden die belgischen Tauben. Besonders Asiaten seien oft bereit, sehr hohe Preise zu bezahlen, erzählt Kemmler. Dazu sagt er: "Dann stellt sich natürlich die Frage, ob man so ein Tier überhaupt abgeben will".

Quelle: RP
 
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