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Serie Der Weg Zu Besseren Fotos (5)
Ein Foto braucht Zeit

Serie Der Weg Zu Besseren Fotos (5): Ein Foto braucht Zeit
Wer sich Zeit nimmt, sieht plötzlich die Blüte in der Mauerritze oder andere versteckte Fotomotive. FOTO: Cewe Color
Mönchengladbach. Ein Blick für Details und Motive, vor allem aber Geduld zeichnen den guten Fotografen aus. Von Angela Rietdorf

Durch die eigene Stadt zu gehen und sich vorzustellen, man sei zu Besuch, kann sehr hilfreich sein. Es öffnet den Blick für die Schönheit im Alltäglichen, das Witzige im Gewohnten, das Bedeutsame in der Routine. Wer sich Zeit nimmt, sieht plötzlich Jugendstilornamente an den Häuserfassaden, die Blüte in einer Mauerritze oder das gelungene Graffiti in einer Unterführung.

"Genau hinzusehen lohnt sich", weiß Fotografin Sabine Rosenberg. "Eine ausgetrocknete Pfütze, in der die Erde aufgeplatzt ist, ergibt ein wunderbares Motiv." Es kann auch interessant sein, mit einem bestimmten Thema im Kopf auf Fotosafari zu gehen. Einmal nur Grünes zu fotografieren zum Beispiel. Oder mit den Farbkontrasten zu spielen. "Eine Ton-in-Ton-Aufnahme ergibt eine ruhige Stimmung, aber ein Wanderer in einer roten Jacke in grüner Umgebung erzeugt eine ganz andere Spannung", sagt Rosenberg.

Einige Aufnahmetechniken sind durch den digitalen Wandel ein wenig in Vergessenheit geraten, aber sie funktionieren auch heute noch und ergeben überaus spannende Aufnahmen. Wandellicht zum Beispiel. Dabei wird in der Dunkelheit mit Stativ und Selbstauslöser gearbeitet. Während der Aufnahme bewegt sich der Fotograf mit einem Scheinwerfer durch die Dunkelheit, während der Fotoapparat, der auf dem Stativ steht, belichtet. Dadurch entstehen sehr ungewöhnliche Bilder, die der Fotograf praktisch mit dem Scheinwerfer "malt".

Weniger aufwendig sind die kleinen Tricks, mit denen man bei Porträtaufnahmen im Freien arbeiten kann. Eine weiße Pappe, die das Licht reflektiert und neben den Porträtierten gehalten wird, verhindert unliebsame Schatten im Gesicht. "Ich nehme auch gern alte Süßigkeitenkartons, die mit Goldfolie ausgekleidet sind", verrät Sabine Rosenberg. "Das ergibt ein schönes warmes Licht." Allerdings braucht man dafür neben Fotografen und Porträtierten eine dritte Person, die die Pappe hält. Möchte man das Porträt möglichst weich wirken lassen, gibt es zwei alte, aber äußerst wirksame Tricks. "Man kann einen Filter verwenden, den man mit Vaseline einreibt", sagt Ulrich Magon von Cewe. "Oder man nimmt einen Damenstrumpf, den man über das Objektiv zieht." Bei Gruppenfotos oder Aufnahmen von Familienfeiern sollte der Amateurfotograf nicht zu zurückhaltend sein. "Man muss auch den Mut haben zu arrangieren", erklärt Sabine Rosenberg. "Da müssen auf dem Tisch auch mal die Flaschen beiseite geräumt oder die Leute aufgefordert werden, näher zusammenzurücken." Bei Gruppenaufnahmen sollte man sich die Gegebenheiten zunutze machen, rät Ulrich Magon. "Wenn es Treppen, Hügel oder Mäuerchen gibt, dann kann man sie nutzen, um die Gruppe zu arrangieren." Außerdem empfiehlt es sich, die Serienbildfunktion zu verwenden, um später ausreichend viele Aufnahmen zur Auswahl zu haben.

Das Arrangieren der Aufnahmen ist übrigens uralte Fotografen-Tradition. Die mehr als hundert Jahre alten Bilder mit exotischen Motiven aus dem Alltagsleben der damals so fernen Afrikaner, Südseebewohner oder Indianer sind durch die Bank arrangiert worden und keineswegs authentische Schnappschüsse, sondern durch Überredung, Bestechung oder sogar Drohungen zustande gekommen. Heute sollte der geschickte Fotograf vielleicht eher auf die Überredung setzen.

Quelle: RP
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