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Mönchengladbach
Ein Gentleman und Stimmakrobat

Der britisch-nigerianische Sänger Ola Onabule begeisterte mit seinem Fine Art Jazz. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Wenn Fine Art Jazz einen Sänger als "The Gentleman of Soul" ankündigen, kann man sich auf einen außergewöhnlichen Abend freuen. Und im Falle von Ola Onabule, ist diese Charakterisierung keinesfalls übertrieben. Nicht nur rein optisch, denn der elegant gekleidete, distinguierte britisch-nigerianische Künstler ist abgesehen von seinem Äußeren auch ein hochgradig kultivierter Musiker. Ein wahrer Gentleman. Zu erleben war er nun in der Kaiser-Friedrich-Halle mit einer exquisit zusammengestellten Band bestehend aus Nick Flade, Piano, Guillermo Hill an der Gitarre, Thomas Kaefel (Drums), Patrick Scales (Bass) und dem Perkussionisten Will Fry. Die fünf Jazzer begleiteten Onabule einerseits als Ensemble ausgesprochen mitreißend, zeigten sich okkasionell aber auch als beredte Solisten.

Onabules Stimme hat eine ganz ausgeprägte lyrische Seite. Mal chillig entspannt, mal hochgradig emotional. Neben seiner warmen - in den Höhen, intim, viel Gefühl transportierenden - Stimme, zeigt er sich als wahrer Stimmakrobat. Niemals wirkt sein Gesang roh oder ungewollt scharf, immer bleibt er kultiviert; mit einer für ihn so typischen samtigen, dennoch licht gefärbten, oft in die Kopfstimme tendierenden Stimme. Die er für hochgradig sensibel gestaltete Stimmbögen nutzt. Seiner facettenreichen Stimme verleiht er immer wieder eine vielschichtige Färbung. In "Love Again" beispielsweise beeindruckt er mit einem besonderen Effekt: indem er den Abstand des Mikrofons zügig variierend ein sehr imposanten Klang erzeugt. Ähnlich einem Wah-Wah-Effekt.

Zu seinen Songs erzählt er Geschichten, berichtet charmant über deren Entstehung. So beschreibt er liebevoll eine Episode mit seinen drei Kindern, um die innige Liebe zu seinen Töchtern zu illustrieren, das den Kern von "The Girl that she was" bildet. Oder um über willkommene, dann aber doch die Nerven strapazierende Besucher zu singen, in "Patience Endures". Aufgekratzter kann er also auch sein. Von kurz und knackig Konsonanten betonend bis kreativ scattend.

Onabule ist philosophisch. Ob über nationale Identität mit feingliedrig sprechendem Gesang nachsinnend in "Great expectations", oder in einem Jugendsong. Ob als Tröster mit der Ballade "He's Gone", oder gleichfalls melancholisch in "It's the peace that deafens".

Mit "Be a man" brachte er den Saal endgültig zum Grooven. Zupackend ging es Richtung Finale. Onabule bewies unbändige Entertainer-Qualitäten, verwandelte den Saal in einen Jazz-Club und belohnte schließlich die Begeisterung mit einer zündenden Zugabe.

Quelle: RP
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