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Mönchengladbach
Ein Integrationspreis, zwei Gewinner

Mönchengladbach. Bei der dritten Verleihung des Integrationspreises der Stadt wurden gleich zwei Sieger gekürt: Student Cagdas Yüksel hatte für seinen Dokumentarfilm "Asyland" genauso viele Punkte erreicht wie die DJK Sportfreunde Rheydt. Von Angela Rietdorf

"Komm, wir bringen die Welt zum Leuchten", singt Hannah Hansen auf der Bühne des Jugendclubhauses Westend. Mit dem Song von Adel Tawil beginnt passenderweise die Verleihung des Integrationspreises der Stadt Mönchengladbach. 14 Projekte, Vereine und Einzelpersonen waren für den diesjährigen Preis nominiert worden. Und diese Vielfalt spiegelt das gewaltige ehrenamtliche Engagement, mit dem die Aufgabe Integration in Mönchengladbach angegangen wird. Deshalb gibt es zwar zwei Preisträger, aber keine Verlierer bei der Preisverleihung.

Darauf weist Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners in seiner Ansprache noch einmal ausdrücklich hin. "Alle leisten einen wichtigen Beitrag für ein friedliches und harmonisches Miteinander", sagt der OB. Die Breite des Engagements ist in der Tat beeindruckend. Es beginnt bei Amar Hayati, der mit Ein-Mann-Demonstrationen gegen den Drogenhandel in der Rheydter Innenstadt und für den Schutz der Kinder eintritt, und Abdalnafe Arfali, einem syrischen Flüchtling, der anderen geflüchteten Menschen beim Umzug und mit viel handwerklichem Geschick beim Einrichten der Wohnung hilft.

Es geht weiter mit Einrichtungen wie "Arbeiterkind.de", wo Mentoren für Studierende aus Zuwandererfamilien vermittelt werden, oder der Gemeinschaft Sant'Egidio, die in der Regenbogenschule Kinder aus sozialen Brennpunkten unterstützt. Es reicht über Saima Hashimi, die einen Frauenkulturtreff ins Leben gerufen hat, bis hin zu Makenda Williams Mawete, der in dem Verein "Viele in Eins" Familien mit Migrationshintergrund unterstützt. Der Türkische Elternverein, der Treff am Kapellchen und viele mehr leisten ebenfalls Großartiges. Ausgezeichnet wurden schließlich der Sportverein DJK Sportfreunde 08 Rheydt sowie Cagdas Yüksel mit seinem Doku-Filmprojekt "Asyland". "Beide Nominierungen haben die gleiche Punktzahl erreicht", sagt Michaela Morschhoven von der Integrationsplanung der Stadt. "Deswegen sollten auch beide den Preis erhalten." Die DJK Sportfreunde sind ein besonders bunter Verein. Unter seinen Mitgliedern finden sich nicht nur mehr Tamilischstämmige als in irgendeinem anderen nicht-tamilischen Verein in Nordrhein-Westfalen. Er hat auch in der Vereinsführung Muslime, Hindus und Katholiken. Mehr als 60 Prozent der Mitglieder haben einen Migrationshintergrund. Mit seiner Arbeit versuche er, Deutsche und Migranten zusammenzubringen, hieß es in der Laudatio.

Cagdas Yüksel hat mit dem Projekt "Asyland" bundesweit für Aufsehen gesorgt. Als Teil eines siebenköpfigen Teams hat der Student der Sozialwissenschaften einen Dokumentarfilm produziert, in dem Flüchtlinge selbst zu Wort kommen und ihren Alltag schildern. Es sind der Perspektivwechsel und die Sicht der Flüchtlinge auf den deutschen Alltag, die diesen Film so besonders machen. Er ist schon mit großem Erfolg in Mönchengladbach gezeigt worden. Die Gruppe tourt jetzt damit durch Deutschland, zeigt ihn in Kinos sowie an Schulen und diskutiert mit den Zuschauern.

"Das ist faszinierend, welche Resonanz wir bekommen", sagt Cagdas Yüksel, der zur Zeit ein Auslandssemester in Istanbul absolviert und für die Preisverleihung nach Mönchengladbach zurückgekommen ist. "Viele fragen, wie sie helfen können, aber es kommt in den Schulen auch Kritik und es werden Vorurteile geäußert. Wir diskutieren mit den Schülern dann in Workshops." Rund 10.000 Zuschauer hat der Film schon erreicht.

Quelle: RP
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