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Mönchengladbach
Ein kleiner Moment der Hoffnung

Mönchengladbach: Ein kleiner Moment der Hoffnung
Momente der Hoffnung: Barbara Odenthal-Schlag verteilt Kekse an die in der Unterkunft auf der Krall'schen Wiese untergebrachten Flüchtlinge. Der Willkommens-Nachmittag war eine Initiative des Zonta-Clubs Mönchengladbach II. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Mit einem Willkommens-Kaffee begrüßte der Zonta-Club Mönchengladbach II zahlreiche Flüchtlinge in Gladbach. Für die auf der Krall'schen Wiese untergebrachten Menschen eine willkommene Ablenkung vom Schmerz der Flucht. Von Tim Specks

Die Klänge, die durch den großen Raum am Ende der Notunterkunft auf der Krall'schen Wiese schallen, klingen nach froher Kunde. Ein junger Mann steht von seinem Stuhl auf, klatscht in die Hände, singt ein paar Zeilen. Nach und nach steigen die um ihn stehenden Männer und Frauen in den Gesang ein, Kinder wippen rhythmisch hin und her. Nach einigen Augenblicken singen fast alle Anwesenden mit. Die Stimmung erinnert an ein Volksfest. "Es ist ein Lied über Syrien", sagt ein Mann mittleren Alters. Sein Name ist Bassam. Er ist syrischer Flüchtling. Für einige Momente vergessen er und seine Leidensgenossen all den Schmerz, den sie in den letzten Wochen auf sich nehmen mussten.

Zu beobachten waren diese Szenen gestern in der Flüchtlingsunterkunft auf der Krall'schen Wiese. Die Frauen des Zonta-Clubs Mönchengladbach II besuchten die dort vor kurzem angekommenen Flüchtlinge und hießen sie in Mönchengladbach willkommen.

"Statt des üblichen Standes auf dem Christkindl-Markt wollten wir in diesem Jahr einmal etwas anderes auf die Beine stellen. Wir haben uns dann dazu entschieden, etwas für Flüchtlinge zu machen", sagt Birgitt Mayerhofer, Präsidentin des Clubs. Gemeinsam mit den anderen Zonta-Mitgliedern überlegte Mayerhofer zunächst, was genau der Club tun kann, um den Menschen, deren Flucht vor Krieg und Armut in Deutschland endete, zu helfen. "Wir haben uns dann an Antje Brand gewendet, die sich um die Unterkunft in Pesch kümmert", sagt Mayerhofer. Antje Brand ist Pfarrerin der evangelischen Friedenskirchengemeinde in Pesch. Die Gemeinde hat in Zusammenarbeit unter anderem mit Vertretern der katholischen Gemeinde und muslimischen Vereinen und Verbänden eine Initiative für Flüchtlingshilfe gegründet. "Hier auf der Krall'schen Wiese wollten wir einen Willkommens-Nachmittag veranstalten, um die Menschen zu begrüßen", erzählt Brand. "Wenn man sieht, wie die Leute darauf reagieren, merkt man, wie groß ihr Bedürfnis nach Zuwendung ist", so Brand.

Tatsächlich ist dieses Bedürfnis während des Willkommen-Nachmittags mit bloßem Auge zu erkennen. Kaum sind die von den Zonta-Frauen mitgebrachten Plätzchen, der Kaffee, die Süßigkeiten auf den Tischen verteilt, kaum haben sich die Menschen an den Tischen zum Zusammensein versammelt, sieht man ein Lächeln in zahlreichen Gesichtern aufblitzen. Nicht nur aufseiten der Flüchtlinge. Auch die Frauen des Zonta-Clubs sind sichtlich berührt. 14 von ihnen bringen an diesem Nachmittag ein bisschen Freude in den Alltag der Flüchtlinge, die bis auf Weiteres in der Notunterkunft auf der Krall'schen Wiese leben. Aktuell sind dort 203 Flüchtlinge untergebracht, darunter 60 Kinder. Bis Dienstag werden vermutlich rund 65 weitere Schutzsuchende folgen - die Unterkunft hat eine Kapazität von 390 Plätzen.

Wie sehr dieser Nachmittag den Menschen hilft, die vielen Momente des Leids zu vergessen, lässt sich nur vermuten. "Das ist wie Weihnachten", sagt Flüchtling Hassan. Dieser Satz macht Hoffnung. Nicht nur für ihn und seine Freunde, auch für Birgitt Mayerhofer und die anderen Zonta-Frauen sind dies bewegende Momente. "Das ist einfach rührend und schön. Ich könnte heulen", sagt Mayerhofer. Ihre Stimme zittert dabei.

Quelle: RP
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