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Mönchengladbach
Ein Kunstwerk mit Funktion

Mönchengladbach: Ein Kunstwerk mit Funktion
Der Gladbacher Wasserturm ist nur eines der begehrten Ausflugsziele in der Stadt. FOTO: RP, Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Geburtstag feiert der Wasserturm gleich zweimal. Den Krieg überstand er fast ohne Kratzer, und die Gladbacher haben ihn so lieb, dass sie ihn zum Wahrzeichen machten. Seine Geschichte ist jetzt in einem Buch nachzulesen. Von Sebastian Hösel

Seit 100 Jahren thront er über der Stadt – der Wasserturm an der Viersener Straße. Grund genug für den jetzigen Betreiber, die NVV AG, seine Geschichte in einem Buch nachzuzeichnen.

Unter dem Titel "Stil und Funktion" unternimmt Autor Dr. Christoph Wellen darin eine spannende Reise durch die bewegte Historie dieses Mönchengladbacher Wahrzeichens, die er zugleich geschickt in die übergreifenden geschichtlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts einbettet.

Erste Planungen 1907

Erste Planungen für den Bau des Wasserturmes gehen auf das Jahr 1907 zurück. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt waren sich die Stadtväter einig, dass der neue Bau nicht nur der Wasserversorgung dienen, sondern zugleich auch repräsentativ sein sollte.

Diese Vorgabe wurde 1908/1909 unter der Leitung des Stadtbaurates Otto Greiß umgesetzt. Indem lediglich die ersten 40 Meter des Wasserturmes für die Funktion benötigt werden, die restlich zehn jedoch unter rein architektonisch-künstlerisch Gesichtspunkten gestaltet wurden, entstand so am damals höchsten Punkt der Stadt das zweite große Jugendstilgebäude Mönchengladbachs.

Ob aus Begeisterung oder aus anderen Gründen kann heute nicht mehr geklärt werden, jedenfalls feierte man sowohl am 24. Oktober als auch am 14. November 1909 die Vollendung des Baus. In den folgenden Jahrzehnten hatte der Turm turbulente Zeiten zu überstehen. Mehrfach war nicht nur sein Erscheinungsbild, sondern zeitweilig auch sein Bestand in höchster Gefahr.

Im Ersten Weltkrieg etwa forderte die Rohstoffabteilung im preußischen Kriegsministerium die Stadt Mönchengladbach mehrfach auf, die 6500 Kilo Kupfer des Daches für die Rüstungsproduktion zur Verfügung zu stellen. Letztlich konnte dieses Ansinnen durch eine geschickte Verzögerungstaktik erfolgreich verhindert werden. Im von den Nationalsozialisten entfesselten Zweiten Weltkrieg wäre der Wasserturm beinahe komplett zerstört worden. Wie durch ein Wunder erhielt er jedoch beim verheerenden Luftangriff im August 1943, der weite Teile von Rheydt und Mönchengladbach zerstörte, keinen direkten Treffer.

Allerdings führte der unvorstellbare Luftdruck der zahllosen Bomben, die auch die Umgebung der Viersener Straße schwer verwüsteten, zu beträchtlichen Schäden vor allem an der Kuppel. Mehrere Baumaßnahmen waren notwendig, um den Turm zu restaurieren.

Seine heutige Gestalt erhielt der Wasserturm schließlich im Jahr 1987. In rund sechs Monaten und für ungefähr 1 000 000 Mark wurde unter anderem das mittlerweile knapp 80 Jahre alte Dach aufwendig erneuert. Heutzutage sichert er nach wie vor die Wasserversorgung großer Teile der Innenstadt. Darüber hinaus ist er zudem auch ein Ort aktiver Kulturförderung geworden. Seit nunmehr über zwanzig Jahren wird die in den Bau integrierte ehemalige Pumpenwärterwohnung jeweils für zwei Jahre einem Nachwuchskünstler unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Insofern lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass der Wasserturm nun mehr denn je die ursprüngliche Intention seiner Planer und Erbauer erfüllt, mehr als nur ein reines Funktionsgebäude, sondern ein funktionierendes Kunstwerk zu sein.

Quelle: RP
 
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