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Mönchengladbach
Ein Orgelbauer unter der Hebebühne

Mönchengladbach. Henrik Schallert ist gelernter Orgelbauer und arbeitete für einen der besten Orgelhersteller der Welt. Nach seiner Hochzeit begann der 24-Jährige eine Ausbildung bei Mercedes und repariert heute Autos. Von Christian Lingen

Das absolute Gehör hat Henrik Schallert nicht. Doch er ist nah dran. Am Klang des Motors und oder am Geräusch, das eine Autotüre beim Schließen macht, erkennt er, um welches Modell es sich handelt. Der 24-Jährige ist Auszubildender bei Mercedes und steht dort unter der Hebebühne. Eigentlich hat er einen Beruf, der nichts Besonderes ist. Doch Henrick Schallert ist eine Ausnahme. Der 24-Jährige ist ein Späteinsteiger und hat eine außergewöhnliche Biografie. "Ich bin eigentlich gelernter Orgelbauer", sagt Henrik Schallert. Als solcher arbeitete er für einen der besten Orgelhersteller der Welt und flog rund um den Globus. Sein unkonventioneller Lebensweg macht Henrik Schallert zu einem ganz besonderen Azubi.

"Als Kind habe ich Akkordeon gespielt und hatte zehn Jahre Unterricht. Außerdem hatte ich ein Keyboard und spielte darauf Weihnachtslieder. Den Klang stellte ich so ein, dass sich die Töne wie eine Orgel anhörten", erzählt er. Aus dieser kleinen Spielerei wuchs seine Begeisterung für das Kircheninstrument. "Ich wollte einmal eine richtige Orgel spielen und interessierte mich auch für die Technik. Als ich in der achten Klasse war, fragte ich einfach unseren Pfarrer, ob er mich an seine Orgel lässt", erinnert sich der 24-Jährige. Das war in seiner Heimat Mecklenburg. Seine Faszination wuchs und so begann er nach der Schule eine Ausbildung zum Orgelbauer bei einem Hersteller in Plau am See.

Per Zufall wurde er darauf aufmerksam, dass die Johannes Klais Orgelbau GmbH in Bonn einen Orgelbauer sucht. "Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich genommen wurde. Das Bonner Unternehmen besteht seit 1882 und gehört zu weltweit führenden Herstellern für Orgeln. "Sie bauten unter anderem die Orgel im Kölner Dom", erzählt Henrik Schallert. Einfach aus Spaß am Instrument baute er in seiner Freizeit eine eigene Drehorgel. Die aufwendige Verzierung brachte er selber an. Zu sehen sind eine Bauernhochzeit, die Zugspitze und die Wallfahrtskapelle St. Bartholomä am Königssee. "Die Motive habe ich auf Bildern gesehen. Sie haben mir einfach gefallen", erinnert sich Schallert.

Seine Begeisterungsfähigkeit für seinen Beruf und seine künstlerische Ader sorgten dafür, dass ihn der Bonner Orgelhersteller rund um die Welt als Arbeiter einsetzte. "Ich war auf Montage in Jamaika, Island, Singapur und beim Sultan von Oman", erzählt Schallert. Danach ging er für ein Jahr nach Australien und arbeitete dort an einer riesigen Orgel. Nach seiner Rückkehr nach Bonn heiratete er. "Danach habe ich mich entschieden, meinen Beruf aufzugeben. Ich wollte nicht so lange Zeit von meiner Frau getrennt sein", sagt der 24-Jährige.

Weil ihn Fahrzeuge von Mercedes schon immer begeistert haben, begann er eine Ausbildung beim Autohersteller mit dem Stern. Statt an einer Orgel, arbeitet er heute unter Hebebühnen. "Beides sind handwerkliche Berufe. Das ist es, was ich mag", sagt Schallert. Interessierte er sich zunächst für die Designs und Innovationen der Autos, sind es inzwischen auch die Geräusche. So kann er sich vorstellen, nach seiner Ausbildung auch als Klangdesigner zu arbeiten und im Verkaufsbereich zu tätig zu sein. "Das tolle hier ist, dass einem alle Bereiche des Unternehmens offen stehen", sagt Henrik Schallert.

Die Liebe zur Musik hat er nicht verloren. Spricht er von Orgeln, klingt es, als spreche er von seiner großen Liebe. Zuhause hat er es sich zum Hobby gemacht, an alten Instrumenten zu basteln.

Quelle: RP
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